Hanau

Der gewaltsame Tod der Schwester

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Zwei Brüder wegen Totschlag angeklagt / Mutmaßlich ging es um verletzte Familienehre.

Wegen des Todes ihrer Schwester müssen sich kommende Woche zwei Männer vor der ersten großen Strafkammer am Landgericht Hanau verantworten. Die Angeklagten sind 25 und 22 Jahre alt. Die Syrer hatten im Januar dieses Jahres ihre 30 Jahre alte Schwester aufgesucht, die mit ihrem Mann und dem sechs Jahre alten Sohn im Freigerichtviertel lebte. Der jüngere Bruder soll im Verlauf eines Streits mehrmals mit einem Küchenmesser auf die Frau eingestochen haben. Das mögliche Motiv: Es könnte um die „Familienehre“ gegangen sein; die schwangere Frau soll eine Affäre gehabt haben.

Gegen 22.30 Uhr  sollen die Brüder des Opfers am 7. Januar die Wohnung betreten haben, danach soll es schon bald zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen sein, die dann in heftige Handgreiflichkeiten gegen die Schwester und ihren Mann umgeschlagen sei. Mit der Flucht aus der Wohnung wollte das Ehepaar sich seinen Peinigern entziehen. Mutmaßlich folgte der jüngere Bruder der Frau mit einem Messer und fügte ihr damit im Treppenhaus 15 Stich- und Schnittverletzungen zu. Dort verstarb sie kurz nach Eintreffen der Polizei, die wegen der Schreie von Nachbarn alarmiert worden war. Laut dem Obduktionsbericht vom Januar erfolgten die Verletzungen vor allem im Hals- und oberen Brustbereich der Frau.

Offenbar verursachte das Durchtrennen einer Arterie den Tod der 30-Jährigen. Das 23 Wochen alte, ungeborene Kind starb im Mutterleib. Die beiden Brüder, die sich als syrische Flüchtlinge in Hanau und Gelnhausen aufhielten, flüchteten, konnten aber am Tag darauf in der Nähe vor Trier in einem Taxi festgenommen werden. Warum die Männer nach Trier wollten, ist nicht bekannt. Bei der Sicherstellung von Beweisen entdeckten die Beamten auf dem Mobiltelefon des älteren Angeklagten kinderpornografische Bilder. Seit wann sich diese Fotos in dem Gerät befinden, woher sie stammen und ob sie von dem Mann selbst aufgenommen worden sind, sei nicht bekannt, sagte die Staatsanwaltschaft Hanau auf Anfrage der Frankfurter Rundschau.

Nach der Festnahme hatte zunächst der ältere Bruder sich alleinverantwortlich für die Tat erklärt, hieß es im Januar von der Polizei. Der Mann ist jedoch nach Prüfung der Indizien gegen Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Der 22-Jährige soll dann die Tat eingeräumt haben. Er befindet sich weiterhin in U-Haft. Ob das Geständnis der Wahrheit entspricht und ob es zum Auftakt des auf vier Verhandlungstage angesetzten Prozesses wiederholt wird, ist unklar. Laut Staatsanwaltschaft sind Angaben gemacht worden, mehr sei derzeit nicht zu sagen, weiteres werde die Hauptverhandlung ergeben.

Fraglich ist, ob die Brüder die Absicht hatten, an dem Abend einen Menschen zu töten. Der Hauptangeklagte habe das Tatmesser im Streit aus der Küche der Schwester geholt, heißt es. Totschlag lautet der Tatvorwurf. Als ein solcher wird der Tod des ungeborenen Kindes hingegen nicht gewertet. Es handelt sich juristisch um einen unerlaubten Schwangerschaftsabbruch, erläutert Sascha Rüppel, Sprecher des Landgerichts.

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