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Verdachtsmomente: Ein Auto wird akribisch durchsucht.

Kontrolle Polizei A66

Den Fluchtweg im Blick

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70 Beamte der Polizei suchen auf der A66 gezielt nach Einbrecherbanden und Autodieben. Die Reaktion der Fahrzeugführer auf die Kontrolle ist unterschiedlich.

Keine Chance, der Kontrolle zu entrinnen: Die A 66 ist in der Nacht zum Freitag in Richtung Fulda kurz vor Schlüchtern komplett dicht. Was zunächst wie eine harmlose Baustelle aussieht, erweist sich als eine großangelegte Polizeikontrolle.

70 Beamtinnen und Beamte der Bereitschaftspolizei aus Mühlheim, der Verkehrsinspektion sowie der Autobahnpolizei winken kurz vor Schlüchtern Süd auf den Rastplatz Hundsrücker Berg raus. Transporter, Lastwagen, Pkw. Zwei gewaltige Scheinwerfermasten fluten den gesamten Parkplatz mit Licht. „Schönen guten Abend, allgemeine Verkehrskontrolle, Führerschein, Fahrzeugschein bitte“, sagen die Beamten freundlich.

Und gucken genau, wer da so angefahren kommt: Autodiebe und Einbrecherbanden haben sie eigentlich im Visier. Ist die A 66 nach Fulda doch beliebte Flucht-route, insbesondere nach Osteuropa, wohin geklaute Luxusautos und Diebesgut aus bandenmäßigen Wohnungseinbrüchen gerne geschafft werden. Diese organisierten Kriminellen bevorzugen optimale Verkehrsanbindung, wenn sie in Frankfurt, Maintal, Erlensee, Langenselbold, Hanau oder Gelnhausen zugeschlagen haben, sagt die Polizei.

Weil die Eigensicherung der Beamten das Allerwichtigste ist, haben mehrere Polizisten mit schussbereiten Maschinenpistolen ein aufmerksames Auge auf das Geschehen.

Die einen werden durchgewinkt, andere Fahrzeuge und ihre Insassen einer genaueren Untersuchung unterzogen. Im Klartext: gefilzt. Und das kann auch länger dauern. Wie etwa der Kleinwagen eines jungen Paares aus dem Kreis. Der junge Mann wirkt sichtlich gereizt. „Da ist nix Gefährliches drin“, sagt er zu dem Beamten, der den Kofferraum durchsucht. „Ich möchte mir aber selbst ein Bild machen“, sagt der Polizist ruhig aber bestimmt. Derweil untersucht ein Kollege akribisch Portemonnaie und Brieftasche der Freundin. Was die Beamten eigentlich suchen, wird nicht so recht klar. „Ich find‘ das krass“, sagt die junge Frau. Sie ist die Fahrerin. „Man rechnet halt nicht mit so was.“ Eigentlich wollen die beiden zu dieser späten Stunde nur zur Mama des Freundes nach Schlüchtern. Sie wirkt aber deutlich entspannter als ihr Freund.

Ein Trucker ist begeistert: „Ich finde das super. Das sollte die Polizei viel öfter machen. Sie zeigt Präsenz.“ Bei ihm war alles in Ordnung, Laster, Ladung, Lenkzeit und so, sagt’s und fährt los. Er steht mit seiner DHL-Fuhre unter Zeitdruck.

Eine Beamtin beleuchtet Pupillen: Drogentest. Der junge Mann bekommt auch gleich ein Becherchen in die Hand gedrückt für den sofortigen Urintest. Ein Arzt ist ohnehin vor Ort denn schon nach den ersten 20 Minuten wird der erste Trunkenheitsfahrer aus dem Verkehr gezogen. Blutprobe, auch direkt vor Ort, da wird nicht lange gefackelt. „Es gehört eine gewisse Erfahrung dazu, wen und was man kontrolliert, sagt Rudi Neu, Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen. „Es gibt gewisse Verdachtsraster: Was sind das für Fahrzeuge? Welche Menschen sitzen drin? Wie verhalten, wie benehmen die sich? Dafür entwickelt man im Laufe der Zeit ein Gespür.“

Bis 4 Uhr Freitagfrüh wird kontrolliert. Wenn der Polizei auch nicht der ganz große Fisch ins Netz ging, eine erfolgreiche Aktion für Einsatzleiter Christoph Pfister: „Wir haben die Ganoven verunsichert.“

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