Hanau

Feuerwehr wirbt um Migranten

  • schließen

Die Feuerwehr will mehr junge Leute mit Migrationshintergrund anwerben. Mit Dolmetschern will man nun auf Flüchtlinge in der Sammelunterkunft in Wolfgang zugehen.

Fast 40 Prozent der Menschen in Hanau haben ausländische Wurzeln, doch bei den Freiwilligen Feuerwehren in den Stadtteilen spiegelt sich das nicht wider. Laut Feuerwehrleitung liegt die Quote bei den Erwachsenen bei knapp fünf Prozent, bei Jugendliche bei 20 Prozent und bei der Kinderfeuerwehr bei null Prozent. Um dies zu ändern, will die Feuerwehr mehr junge Leute mit Migrationshintergrund anwerben. Vertreter der Jugendfeuerwehren haben kürzlich erstmals einen Workshop zum Thema interkulturelle Kompetenz absolviert. Das Vorhaben wird aus dem Landesprogramm WIR („Wegweisende Integrationsansätze Realisieren“) finanziert.

„Wir müssen verstehen, wie Migranten die Feuerwehr sehen und verstehen“, sagt Peter Hack, Leiter des Brandschutzamtes und Vorsitzender des Feuerwehrstadtverbands. In vielen Ländern sei die Feuerwehr staatlich organisiert und untergeordnet wie Polizei oder Militär, das erzeuge etwa bei Flüchtlingseltern mitunter erhebliche Skepsis, so Hack. Projektgruppen sollen nun eine Vertrauensbasis herstellen, besonders bei Geflüchteten. „Wir werden uns gut vorbereitet und mit Dolmetschern in der Sammelunterkunft in Wolfgang vorstellen“, sagt Hack. Es soll „Feuerwehr zum anfassen“ geboten werden“. Angesprochen werden Geflüchtete, die der Stadt vom Land zugewiesen wurden und vielleicht dauerhaft in Hanau bleiben. Auch sollten die potenziellen Ehrenamtlichen schon längere Zeit in Deutschland leben. „Wir wollen die Leute nicht unmittelbar nach ihrer belastenden Flucht ansprechen.“

Spezielle Sprachförderung

Die mancherorts allgemein sehr geringe Bereitschaft bei Migranten, sich bei der Feuerwehr ehrenamtlich zu engagieren, liegt nicht allein in der Unkenntnis des deutschen Feuerwehrwesens. Es ist auch die deutsche Vereinskultur, sagt Alexander Scheitza, Geschäftsführer des Kölner Instituts für interkulturelle Kompetenz (KIIK), das bundesweit etwa Polizei und Feuerwehr für die Aufnahme von Menschen ausländischer Herkunft schult. Oft könnten sich Migranten nicht so recht in den geselligen Teil eines Vereinslebens einfinden. „In unseren Workshops für Jugendfeuerwehrleiter werden nicht allein die Möglichkeiten aufgezeigt, wie Jugendliche mit Migration erreicht werden, wir machen den Teilnehmern auch die eigene Vereinskultur bewusster“, sagt Scheitza. Zudem werde diskutiert, „was will oder kann man im Verein verändern“? Die Bereitschaft der Wehren für einen Wandel sei in der Regel gut.

Anders als etwa in einem Fußballverein, wo durchaus viele junge Menschen mit ausländischer Herkunft Mitglied sind, heiße es im Feuerwehrverein: „Da muss ich was lernen“, sagt Hack. Da sei es nicht einfach, etwa einen interessierten Flüchtling über kurze Zeit in den aktiven Dienst aufzunehmen, denn davor steht die Grundausbildung mit praktischem und schriftlichem Test, der ohne ausreichende Deutschkenntnisse nicht zu bestehen und bei einem Einsatz unverzichtbar sei. Die Hanauer Feuerwehr will daran die Aufnahme nicht scheitern lassen. „Interessenten können in ein Sprachförderprogramm einsteigen, bei dem die feuerwehrspezifische Fachsprache berücksichtigt werden muss“, sagt Hack. Er misst den Stadtteilwehren wegen ihrer vielfältigen Aktivitäten über das Rettungswesen hinaus ein hohes Potenzial zu, die Neubürger schnell in die örtlichen Gesellschaft zu integrieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare