Main-Kinzig

Erleichterte Anwohner

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Die Stimmung an der Leipziger Straße hat sich merklich entspannt. „Die Polizei war täglich hier“, erinnert sich eine 22-jährige Bewohnerin.

Ja, es sei erheblich besser geworden im und rund um das bis zu 13-stöckige Mehrfamilienhaus an der Leipziger Straße in Erlensee. Seit die Polizei vor einigen Monaten die Haupttäter der Jugendgruppe schnappte, die wochenlang Bewohner und Nachbarschaft durch Vandalismus, Drohungen, Gewalt terrorisierten. „Die Polizei war täglich hier“, erinnert sich eine 22-jährige Bewohnerin.

Die wenigsten Anwohner wollen bei dem Thema ihren Namen in der Zeitung lesen. „Ich kannte die Typen vom Sehen, habe mich aber stets ferngehalten“, so die junge Frau, die hier aufgewachsen ist. Der Spielplatz hinter dem Haus sei immer wieder demoliert worden, alte Möbel wurden angesteckt, Autoscheiben und die Bushaltestelle kaputt geschlagen. „Hier gab es immer Krawall.“

Es waren weniger Kinder und Jugendliche als vielmehr Heranwachsende, 16, 17 Jahre und aufwärts. „Es ist kein gutes Umfeld für kleinere Kinder“, sagt die junge Frau. „Um die mache ich mir Sorgen.“ Sie zeigt auf den Spielplatz. „Hier ist der Sand seit 2004 nicht mehr ausgetauscht worden. Ich möchte nicht wissen, was da alles drin ist. Glas, Spritzen... .“

Sorgen um die Kinder

Auch zwei mittelalte Bewohnerinnen wollen lieber anonym bleiben. „Ich wurde direkt unmittelbar von denen bedroht. Wenn ich mein Maul nicht halten würde, würden meine Fensterscheiben zu Bruch gehen. Ich habe mich nicht mehr vor die Tür getraut. Die haben uns regelrecht terrorisiert“, sagt die eine. „Und die Polizei haben sie ausgelacht und ausgetrickst. Das konnte man jeden Tag mit ansehen“, berichtet die andere. „Ich wohne schon lange hier, aber heute würde ich nicht mehr hierher ziehen.“ Doch beide sind sich einig: Es ist ruhiger und friedlicher geworden.

In den 1970er-Jahren war der Block für die Angehörigen der US Armee gebaut worden. Inzwischen sind es Eigentumswohnungen, die viele Eigentümer vermieten.

Moderate, differenziertere Töne schlägt Katja Milanowski an. Die 53-jährige ist professionelle Sozialarbeiterin und arbeitet in der Wetterau mit benachteiligten Jugendlichen, die durch alle Netze gerutscht sind. Sie weiß wovon sie spricht und wohnt hier seit 1993 in ihrer Eigentumswohnung. „Man muss aufeinander zugehen und die Probleme ansprechen. Nicht nach Polizei oder Hausverwaltung rufen, sondern selber. Ich versuche das immer über die Kinder, um Ängste und Hemmschwellen abzubauen.“

Konflikte selbst lösen

Probleme und Konflikte nehme sie selbst in die Hand. „Wenn jemand immer mehr Einkaufswagen vor dem Hauseingang oder auf dem Parkplatz stehen lässt, ist mir völlig egal wo er herkommt. Ich spreche ihn darauf an. Dann muss ich mir zwar immer mal wieder anhören, dass ich eine Nazi-Sau sei, aber durch solchen Dumpfsinn muss man halt durch.“

Auch wenn es an der Leipziger Straße nicht einfach sei: Es mache ihr Spaß und sie finde es spannend, mit so vielen internationalen Menschen zusammen zu leben. „Die kurdische Familie nebenan, die Somalis obendrüber, die Sinti unten drunter“, zählt sie auf. Es sei alles eine Frage der Kommunikation und des Miteinanders. „Und zwar nicht erst wenn der Kessel brennt, sondern vorher.“

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