Auf diesem Gespann starb im vergangenen Jahr ein Motorradfahrer im Kreis.
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Auf diesem Gespann starb im vergangenen Jahr ein Motorradfahrer im Kreis.

Main-Kinzig

Biker ohne Knautschzone

  • Jochen Dietz
    vonJochen Dietz
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Insgesamt 4844 Verkehrsunfälle registrieren die Polizeidienststellen im vergangenen Jahr im Stadtgebiet Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis. Gestiegen ist die Zahl der Wildunfälle im Kreis.

Insgesamt „erfreuliche Zahlen“ konnte Roland Ullmann, Präsident des Polizeipräsidiums Südosthessen, gestern bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik des vergangenen Jahres für die Stadt Hanau und den Main-Kinzig-Kreis nennen. Sie seien zum vierten Mal hintereinander rückläufig. „Das ist der historisch niedrigste Stand seit Bestehen des Polizeipräsidiums Südosthessen 2001“. Der Rückgang gelte allerdings in der „Gesamtschau“, denn es gibt es regionale Unterschiede. Das PP Südosthessen ist auch für Stadt und Kreis Offenbach zuständig.

Unterm Strich sagen die Zahlen der Polizei für den Main-Kinzig-Kreis: Mehr Unfälle, dafür aber weniger Tote und Verletzte. So gebe es etwa im Main-Kinzig-Kreis ein Plus an Wildunfällen, stellt Direktionsleiter Hans Knapp fest. Das liege wohl an den milden Wintern und die dadurch verstärkte Wildpopulation. „Aber auch Wildunfälle sind geschwindigkeitsaffin“, mahnt der Beamte. Will heißen: je unangepasster die Geschwindigkeit, desto fataler die Folgen, wenn etwa einem Wildschwein ausgewichen wird.

Auch bei den Motorradfahrern gebe es Handlungsbedarf bei Aufklärung und Sensibilisierung. Gerade im Main-Kinzig-Kreis mit seinen attraktiven Strecken. In 55,8 Prozent der Unfälle mit Motorradbeteiligung sei der Motorradfahrer die Unfallursache. Und, so die Feststellung Knapps: „Je schwerer der Unfall, desto männlicher der Fahrer.“ Zudem seien Biker häufiger mit Drogen oder Alkohol im Blut unterwegs als Autofahrer. „Und die Fahrer sind ungeschützt.“

Praktisch seien die bei Bikern populären Helmkameras. „Die liefern uns Beweismittel gleich mit“, sagt Knapp und kündigt gezielte Motorrad-Kontrollwochen in der Gegend um Steinau, Bad Orb und Sinntal an. Gegebenenfalls werde die Polizei auf einschlägigen Strecken Geschwindigkeitsbeschränkungen für Biker veranlassen oder sie sogar sperren.

Trotz des allgemein positiven Trends setze die Polizei weiterhin auf die Bekämpfung der Haupt-Unfallursachen. An erster Stelle stehe nach wie vor zu schnelles Fahren. Passend zum gestrigen bundesweiten „Blitzmarathon“ setzt die Polizei weiter auf Kontrolle.

Es solle auch nicht nachgelassen werden bei Aufklärung und Verkehrserziehung in Schulen und Kindergärten. Das Gleiche gelte für die Sensibilisierung von Senioren, die immer öfter an Verkehrsunfällen beteiligt seien. Dass zwischen „Glück und Verderben“ manchmal nur Sekunden liegen macht Ullmann anhand der um sich greifenden Nutzung von Smartphones am Steuer klar.

Längst hätten die Streifen und Video-Wagen alle jene verstärkt im Blick, die glauben, am Steuer telefonieren oder online sein zu müssen. „Die Beamten filmen mit der im Streifenwagen eingebauten Kamera die Fahrweise der Handynutzer“, erklärt Ullmann. Wer mit 50 Stundenkilometern unterwegs sei und nur eine Mail öffne, sei in dieser Zeit buchstäblich blind gefahren. „Manch einer der Gefilmten ist anschließend erstaunt, dass er Schlangenlinien fuhr und Ausfallerscheinungen wie unter Alkohol oder Drogen zeigt.“ Zahlen, die die Smartphone-Nutzung am Steuer definitiv als Unfallursache nachweisen, kann die Polizei nicht vorlegen, weil es schwer nachweisbar sei. Apropos Alkohol und Drogen, auch hier erfreuliche Zahlen: Fahrten unter „Dröhnung“ gingen ebenfalls zurück.

Ebenso seien die Unfälle bei der Risikogruppe der jungen Fahrerinnen und Fahrer zurückgegangen. Trotz des insgesamtpositiven Trends, so der Polizeipräsident: „Jeder Unfall ist einer zu viel. Hinter all diesen trockenen Zahlen verbergen sich Tragödien, menschliches Leid und menschliche und Schicksale.“

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