Im Regen auf dem Marktplatz: Warten auf die NPD.
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Im Regen auf dem Marktplatz: Warten auf die NPD.

Hanau NPD-Kundgebung

Polizei hält NPD auf

  • Wiebke Rannenberg
    vonWiebke Rannenberg
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Lange harren Gegendemonstranten im Regen auf dem Hanauer Marktplatz aus. Sie warten auf die NPD, die dort eine Kundgebung abhalten will. Dann die erfreuliche Nachricht: Die bayerische Polizei hat NPD-Funktionäre festgenommen und somit die Kundgebung verhindert.

Um halb sieben am Mittwochabend wurden die Demonstranten erlöst. Was schon vorher als Gerücht die Runde gemacht hatte, sprach Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) nun auf dem Hanauer Marktplatz offen aus: Die NPD wird es an diesem Abend nicht mehr nach Hanau schaffen, die bayerische Polizei hat die Mitglieder des Wahlkampftrosses in Aschaffenburg vorläufig festgenommen. Die Demonstranten, die noch in Regenjacken und unter Schirmen ausgeharrt hatten, klatschten begeistert.

Tatsächlich waren die NPD-Leute gar nicht erst bis nach Hessen gekommen. Nachdem sie am Vormittag in Würzburg geredet hatten, kamen sie gegen 14.30 Uhr in Aschaffenburg an. Empfangen wurden sie auch dort, berichtet das „Main-Echo“, von 400 Gegendemonstranten, angeführt von Aschaffenburgs Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) und begleitet von Kirchenglocken.

Angriff mit Feuerlöschern

Als sich der NPD-Tross Richtung Hanau aufmachen wollte, gab es, so berichtet das Polizeipräsidium Unterfranken, noch in der Aschaffenburger Innenstadt zwei Vorfälle: Zunächst sollen Männer aus einem der NPD-Begleitfahrzeuge gesprungen sein und Lösch-Schaum aus einem Feuerlöscher auf mehrere Personen gesprüht haben. 200 Meter weiter ein ähnliches Bild: Aus einem Fahrzeug heraus soll ein Radfahrer mit Schaum verletzt worden sein. Die NPD-Wagen fuhren weiter, der Radfahrer erstattete Anzeige. Die Polizei reagierte prompt und stoppte die NPD-Fahrzeuge in Kleinostheim, wenige Kilometer vor der hessischen Landesgrenze. Weil sich dort „niemand als Verantwortlicher zu erkennen gab“, seien alle 13 Personen aus den beiden Fahrzeugen vorläufig festgenommen worden, heißt es im Polizeibericht. Der Vorwurf: Verdacht auf gefährliche Körperverletzung.

Unterdessen hatten sich in Hanau gegen 16 Uhr hunderte von Gegendemonstranten auf dem Marktplatz versammelt, Kaminsky sprach von 700. Wie schon vor zwei Wochen, als rund 600 Menschen gegen die NDP demonstrierten, sprachen Kaminsky und der SPD-Bundestagsabgeordnete Sascha Raabe, diesmal zudem der CDU-Landtagsabgeordnete Aloys Lenz. Doch wieder ließ die NPD auf sich warten.

Unterdessen liefen rund 150, überwiegend junge, Leute zum Kurt-Blaum-Platz. Denn dorthin hatten Ordnungsamt und Polizei die NPD am 27. August umgeleitet. Als das die Demonstranten erfahren hatten, war die NPD schon auf dem Platz angekommen. Das wollten die jungen Leute diesmal verhindern und postierten sich frühzeitig am Kreisel. „Wir waren entschlossen, die Nazis nicht durchzulassen“, sagte einer. Doch dazu kam es nicht – auch am Kurt-Blaum-Platz verbreitete sich die Nachricht, dass die NPD nicht mehr kommen würde.

Kurzzeitig sah es dann so aus, dass sich die Demonstranten schon bald wieder treffen könnten: Die NPD hatte noch am Abend einen Antrag für eine neue Kundgebung am Freitag gestellt. Diesen habe die Partei aber, berichtet die Stadt, bereits eine halbe Stunde später zurückgezogen.

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