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Platane weg, Ginkgo hin

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Stadtbäume, hier die Philippsruher Allee, leiden oft.
Stadtbäume, hier die Philippsruher Allee, leiden oft. © Sascha Rheker

Der Klimawandel und neue Umweltbedingungen verändern das Hanauer Straßenbild. Wo jetzt noch Platanen stehen, sollen bald schon beständigere Bäume ihren Platz finden. Denn Schädlinge und und andere Faktoren machen die Platane zusehends anfälliger.

Von Anne Lorenc

Zurzeit sind sie als Schattenspender gefragt wie selten, die Straßenbäume. Sie scheinen zeitlos und beständig – dennoch geht in ihren Kreisen eine große Wandlung vor sich. Die Platane ist out, der Gingko ist im Kommen. Manche altgediente Gattung, die viele Jahre lang Luftverschmutzung, Streusalz und parkenden Autos auf den Wurzeln getrotzt hat, ist anfällig geworden für Erkrankungen wie den Massaria-Pilz oder für Schädlinge wie den Eichenprozessionsspinner. Auch in Hanau wird sich in den kommenden Jahren das Straßengrün verändern. Veränderte Umweltbedingungen fordern Tribut.

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Die beliebte Platane erkrankt

Den Klimawandel mag der für Bauen und Umwelt zuständige Stadtrat Andreas Kowol (Grüne) als Grund nicht bemühen, aber er macht eine Reihe von Stressfaktoren für eine „neue Schädlingsentwicklung“ verantwortlich. Oder für Erkrankungen wie den Massaria-Pilz. Das Heimtückische daran sei, dass ausgerechnet die äußerst beliebte Platane daran erkranke. Zunächst unmerklich, dann aber rasant. Plötzlich brächen große Äste ab, was aus Sicherheitsgründen nicht hingenommen werden könne.

Wie alle Kommunen bundesweit lässt sich auch der Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur-Service, unter anderem für die Grün-Pflege in der Stadt verantwortlich, von der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) beraten. Dieses Gremium besitzt unter anderem einen Arbeitskreis Straßenbäume, der eine lange Empfehlungsliste herausgibt und seit 2005 in verschiedenen Städten Testpflanzungen anlegt, um neue Erfahrungen zu sammeln. Die Anforderungen an einen Straßenbaum sind immens. Pflegeleicht soll er sein und standfest, Quetschungen an den Wurzeln hinnehmen, Schatten spenden und trotzdem noch Licht durchlassen, je nach Standort nicht zu tief oder zu breit wurzeln. Die Krone soll in den Straßenraum ragen, aber keine LKWs behindern. Er soll den Gehweg beschatten, aber keine Wohnungsfenster oder gewerbliche Reklame zudecken. Und er darf mit seinen Wurzeln keine Versorgungsleitungen schädigen. Deshalb beispielsweise, ergänzt Wolfgang Swierczek vom Hanau Infrastruktur Service, wurden in der erneuerten Hammerstraße kleinwüchsige Gingko-Bäume angepflanzt: „Das ist ein unwirtlicher Standort.“ Doch ohne Bäume geht es nicht. Das Thema nimmt Stadtrat Kowol „extrem wichtig“. Denn ein intaktes Blätterdach „vermindert die Verwärmung versiegelter Flächen.“ Und es reinigt die Luft. Besonders die Schadstoffe darin machen den Bäumen zu schaffen, erklärt der Stadtrat. Früher seien es die Schwefeldioxide gewesen, ein Ausstoß von Industrie und Hausbrand. Das habe sich in den letzten 20, 30 Jahren „dramatisch verbessert“. Beispielsweise dank der Rauchgasreinigung. Dafür belasteten Stickoxide aus Kraftfahrzeugen, dem Bus- und LKW-Verkehr die Umwelt und die Bäume samt Straßenbegleitgrün. Und im Winter natürlich das Streusalz.

Längere Trockenheitsperioden überstehen

Die GALK experimentiert auch mit Gewächsen, die hitzeresistent sind und auch längere Trockenheitsperioden überstehen. Straßenbäume im Klimawandel sind durchaus Konferenz-Thema. Wolfgang Swierczek weiß: „Wir sind hier in einer der trockensten Ecken Deutschlands.“ Deshalb entschließe sich die Stadt auch schon mal zu automatischen Bewässerungssystemen. Dennoch liege die Lebenserwartung von Stadtbäumen deutlich unter denen im Außenbereich Die Stadt sei bemüht, sagt Stadtrat Kowol, die Bepflanzung abwechslungsreich zu gestalten. Als gelungenes Beispiel nennt er die Lamboystraße, und er setzt Hoffnung in die Neupflanzungen am Kinzigbogen. „Wir hoffen, dass sie die Hitze gut überstehen.“ Insgesamt gebe die Stadt alljährlich hunderttausende in die Pflege und die Unterhaltung ihres Grüns aus. Kowol: „Das müssen wir im nächsten Jahr intensivieren.“

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