Gelnhausen will sein historisches Erbe besser präsentieren. Das veraltete Heimatmuseum soll in den nächsten zwei Jahren stark auf die berühmten Söhne, Barockdichter Johann Jacob Christoffel von Grimmelshausen und Telefonpionier Philipp Reis (unser Bild) sowie den Stadtgründer, Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa, zugeschnitten werden.
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Gelnhausen will sein historisches Erbe besser präsentieren. Das veraltete Heimatmuseum soll in den nächsten zwei Jahren stark auf die berühmten Söhne, Barockdichter Johann Jacob Christoffel von Grimmelshausen und Telefonpionier Philipp Reis (unser Bild) sowie den Stadtgründer, Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa, zugeschnitten werden.

Gelnhausen

Heimatmuseum wird entstaubt

Kaum noch 1000 Besiucher kamen im vergangenen Jahr ins Gelnhäuser Heimatmuseum. Höchste Zeit, dass sich was ändert: Jetzt wird die altbackene Ausstellung umgemodelt. Von Jörg Andersson

Von Jörg Andersson

Gelnhausen will sein historisches Erbe besser präsentieren. Das veraltete Heimatmuseum soll in den nächsten zwei Jahren stark auf die berühmten Söhne, Barockdichter Johann Jacob Christoffel von Grimmelshausen und Telefonpionier Philipp Reis sowie den Stadtgründer, Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa, zugeschnitten werden.

Trotz seiner zentralen Lage am Obermarkt in der ehemaligen Augustaschule, wo auch Tourist-Information und Bibliothek untergebracht sind, fristete das 200 Quadratmeter große Museum ein Schattendasein.

Die profillose Präsentation der Stadtgeschichte von Handwerksberufen bis zur Wasserversorgung wirkt nach 25 Jahre überholt. Die Ausstellung zählte 2009 kaum noch 1000 Besucher. Zum Vergleich locken die rund ein Dutzend Erlebnisführungen in der Altstadt jährlich 7000 und mehr Gäste in ihren Bann.

Jetzt hat die Stadt den Startschuss für eine völlige Neukonzeption gegeben. Mit Unterstützung des Hessischen Museumsverbandes und EU-Fördergeld aus dem Topf des Vereins Spessart Regional stehen Museumsleiterin Simone Grünewald bis 2012 rund 400.000 Euro für eine moderne Ausstellungsform zur Verfügung, die auch Kinder und Schulklassen ansprechen soll. Beim Ausräumen kommt der 34-jährigen Grünewald entgegen, dass einige Exponate anderweitig präsentiert werden, wie etwa in der ehemaligen Turbinenhalle der Stadtwerke.

Platz da für den großen Grimmelshausen!

Ende des Jahres will Grünewald den Treppenhausbereich und die obere Etage ganz auf den berühmten Schriftsteller Grimmelshausen fokussiert haben, dessen bekanntestes Werk, "Der abentheuerliche Simplicissimus Teutsch" zu den Kostbarkeiten im Besitz der Stadt gehört.

Die taschenbuchförmige Erstausgabe von 1668, in braunem Ledereinband, schlummerte bisher in einem Tresor. Szenische Aufbauten, authentische Gewänder und vor allem moderne Medienstationen, wie Hörkabinen mit Texten und Liedern oder Kampfgeräuschen aus dem 30-Jährigen Krieg, gehören ebenso zur Neugestaltung wie Beamerpräsentationen.

Grünewald, die ihre Magisterarbeit dem 1621 oder 1622 in Gelnhausen geborenen Barockdichter widmete, will auch dessen "spannende Familiengeschichte" einflechten. "Der Opa war ein Revoluzzer, die Tanten in die Hexenprozesse involviert", erzählt sie.

Das Thema Friedrich I. Barbarossa wird Besuchern später in einer zweiten Stufe über einen gotischen Fensterbogen den Eintritt in die Stauferzeit und in den Reichstag von 1180 eröffnen. Aus dem Fundus des am 7. Januar 1834 in der Stadt geborenen Philipp Reis gibt es vor allem noch Papierdokumente.

Das Konzept will nicht mit der Reis-Ausstellung im Museum für Telekommunikation in Frankfurt oder in Friedrichsdorf konkurrieren, gleichwohl das kulturhistorische Potenzial der Region besser erschließen. Grünewald plant familienfreundlich und interaktiv. Da gibt es dann möglicherweise Experimentierstationen, bei denen Kinder wie Detektive oder Geheimagenten eine Telefonanlage testen und Codes knacken können, so die Idee.

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