Weihnachtskonzert der Schüler der Eugen Kaiser Schule
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Weihnachtskonzert der Schüler der Eugen Kaiser Schule

Eugen-Kaiser-Berufsschule

Musik entdeckt

Studierende der Eugen-Kaiser-Berufsschule in Hanau treten erstmals öffentlich auf - und bieten in der Johanneskirche ein ebenso gelungenes wie ungewöhnliches Konzert.

Von Andreas Zitzmann

Ein Lied im Chor zu singen, ist eine Sache – mit gleich vier Chören, jeder in einer anderen Ecke der Kirche, eine andere. Was zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Venedig aufkam und auch in Deutschland bekannt wurde, das Alternieren von Chor zu Chor, ist schon einen höhere Kunst.

Und doch – es klappte wunderbar, nach nur acht Wochen Üben. Es war ein ungewöhnliches Konzert, kurz vor Weihnachten, in der Hanauer Johanneskirche. Mehr als 100 Interpreten – Gesang und Instrumente, zumeist Gitarre und Blockflöte – präsentierten erstmals in der Öffentlichkeit, was sie in nur ganz kurzer Zeit gelernt haben. Die Eugen-Kaiser-Berufsschule hat die Musik entdeckt, nicht als Fach, sondern als Freizeitaktivität. Und das auch noch für eine gute Sache.

Angefangen hat alles mit der Hochwasserkatastrophe in Pakistan, erzählt Schulleiterin Claudia Borowski. Fosia Musharraf, die in der elften und zwölften Jahrgangsstufe Deutsch unterrichtet, brachte den jungen Leuten näher, welch großes Unglück über ihr Heimatland hereingebrochen war. Es folgten eine Vielzahl von Aktionen, alle mit dem Ziel, Geld für die Flutopfer zu sammeln. So wurden an einem Stand auf dem Wochenmarkt im Unterricht hergestellte kleine Kunstwerke verkauft, ein Benefizlauf organisiert und vieles andere.

Höhepunkt sollte das Benefizkonzert in der Johanneskirche werden. Die mehr als 150 Besucher spendierten nicht nur jede Menge Beifall, sondern auch fast 500 Euro. An die 2000 Euro sind mittlerweile insgesamt für die Pakistanhilfe zusammengekommen.

Die Eugen-Kaiser-Schule ist wohl weit und breit die einzige Berufsschule, in der es einen eigenen Chor und eine Instrumentalgruppe gibt. Musik ist lediglich im Berufsbild der Erzieher vorgesehen. Aber Claudia Borowski ist der Meinung, dass man alle Fähigkeiten der rund 1700 Studierenden im Alter zwischen 16 und etwa 30 Jahren fördern sollte.

Der Förderverein der Schule sorgte zunächst für die ersten Instrumente, denn dererlei Ausstattung sieht der Schulträger in Berufsschulen nicht vor. Die beiden Lehrerinnen Britta Auer – die dann auch das Konzert mit großem Engagement leitete – und Sabine Luchs erkannten erste Talente unter den Studierenden. Der Chor entstand, eine Schulband folgte – und das alles erst seit Beginn des neuen Schuljahres im vergangenen Herbst.

Auch Lehrer gehören zu den Aktiven. „Wo gibt es schon Kollegen, die in den Pausen für die jungen Leute Weihnachtsmusik spielen?“ Schulleiterin Borowski ist sichtlich stolz auf das große Engagement nicht nur der Kollegen, sondern auch ihrer Studierenden.

Fast zwei Stunden dauerte das Konzert in der Johanneskirche, von klassischen Weihnachtsliedern – sogar als Solo vorgetragen, da gehört viel Mut dazu – bis zum Gospel. Es soll nicht der letzte öffentliche Auftritt sein. Musik soll fester Bestandteil in der Eugen-Kaiser-Schule werden.

Dazu ist man aber auf Hilfe angewiesen. Borowski: „Was uns derzeit am dringendsten fehlt, ist ein elektrisches Klavier.“

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