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Hanau: Personalnotstand in Kitas

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Die Stadt Hanau muss in den nächsten Jahren hunderte Betreuungsplätze schaffen. Doch schon heute fehlen Erzieher.

Die Stadt Hanau will aufgrund ihres starken Wachstums in den kommenden drei Jahren allein 420 neue Betreuungsplätze in Kitas für Kinder im Alter bis sechs Jahre schaffen. Ob dieser Anspruch erfüllt werden kann, hängt allerdings weniger von neuen Gebäuden oder dem Personalbudget von aktuell 30 Millionen Euro im Jahr ab. Entscheidend ist, ob es genügend Erzieherinnen geben wird.

Weil Fachkräfte fehlen, können derzeit schon 88 Ü3-Kinder keinen der 3260 Kita-Plätze erhalten. Mit mehreren Anreizen versucht die Stadt, Personal zu finden; sogar „Dienstwohnungen“ sind in der Überlegung.

Im kommenden Jahrzehnt will Hanau um gut 15 000 auf rund 113 000 Einwohner wachsen. Dazu werden etwa große Baugebiete im Osten der Stadt mit etwa 4000 Wohneinheiten beitragen. Die bisherigen Neubauquartiere und eine steigende Geburtenrate in der Stadt haben den Entwicklungsplan zur Kinderbetreuung 2014 bis 2021 bereits überholt.

„Die Situation ist angespannt“, sagt Bürgermeister und Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD). Aus diesem Grund sei eine zentrale Beratungsstelle für Familien eingerichtet worden, um jenen mit dringendem Betreuungsbedarf zu helfen. Gute Chancen, entsprechend eingestuft zu werden, haben nur Eltern, die beide berufstätig sind oder als Alleinerziehende einen Beruf ausüben. Rund 35 Familien seien im ersten Halbjahr bei der U3-Betreuung leer ausgegangen, weil die Härtefallregeln nicht zutrafen.

Den Rechtsanspruch auf einen U3-Platz hätten zwei Eltern geltend gemacht. Der eine Fall sei einvernehmlich gelöst worden, der andere noch offen, heißt es. Um die vorhandenen Plätze bestmöglich zu belegen, kann eine wohnortnahe Betreuung nur Wunsch der Eltern sein. Denn „es gibt kein Recht auf einen Platz im gleichen Stadtteil“, sagt Weiss-Thiel. Allerdings prüfe die Stadt durchaus, ob für die Eltern der Weg in einen anderen Stadtteil tatsächlich zumutbar sei.

Neben Kindertagesstätten setzt die Stadt beim Ausbau von U3-Plätzen auf Familientagesbetreuung. Bis 2022 sollen rund 90 weitere Tageseltern akquiriert werden. Diese erhalten zuvor in Lehrgängen die erforderliche Qualifikation. Ausgegangen wird von etwa 35 neuen Tageseltern pro Jahr, sagt der Sozialdezernent. Aber auch hier hängt das Erreichen des Ziels von der Bewerberzahl ab. Zu Tageseltern und Kitas gibt es für Weiss-Thiel derzeit keine Alternative. Die Elternkooperative vergangener Zeiten lasse sich wegen der gestiegenen Ansprüche kaum noch anwenden. Bestehende Kooperativen fungierten mittlerweile allein als Trägerverein.

Laut Weiss-Thiel bleibt es eine schwierige Aufgabe, Fachkräfte für die Einrichtungen des Eigenbetriebs Hanau-Kindertagesbetreuung zu bekommen. „Die Konkurrenz der Kommunen um Erzieher ist in der gesamten Region groß.“ Anders als der Personalnotstand in der Pflege würden für die Kinderbetreuung hoch qualifizierte Mitarbeiter benötigt. Bewerber aus anderen Ländern seien hinsichtlich der Anerkennung des Berufsabschlusses und der Sprachkenntnisse nicht die erste Wahl. „Weil Kinder in diesem Alter noch intensiv die Sprache lernen, verlangen wir ein hohes Sprachniveau“, betont Weiss-Thiel.

Im Wettbewerb um die Erzieher setzt der Eigenbetrieb auf „laufende Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen“. So gibt es in der Ausbildungszeit von Beginn an ein Gehalt in Höhe von gut 1000 Euro pro Monat; Gesundheitsvorsorge und kostenfreies Mittagessen stehen allen Kita-Beschäftigten zu, unbefristete Verträge gehören der Vergangenheit an. Ein weiteres Anwerbemittel könnte demnächst die „Dienstwohnung“ sein. Das Thema wird derzeit diskutiert, aber nicht nur für die Berufsgruppe der Kita-Erzieher, sagt der Bürgermeister. Mit einer übertariflichen Bezahlung etwa in Form von Zulagen will die Stadt allerdings im Unterschied zu einigen anderen Kommunen nicht locken. „Das ist kein gutes Instrument, weil es den Markt nur anheizt.“

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