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Daniel Weber (CDU) ist seit 2003 in der Bruchköbeler Stadtverwaltung tätig.  

Bruchköbel

Packendes Duell um Rathaussessel in Bruchköbel

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Am Sonntag treten Sylvia Braun (FDP) und Daniel Weber (CDU) in Bruchköbel in der Stichwahl an. Es dürfte eine der spannendsten Wahlen im Main-Kinzig-Kreis seit langem werden.

Sie kämpfen bis zum Schluss um Wählerstimmen, wohl wissend, wie eng es am Sonntag wird: Am Freitag warben Sylvia Braun (FDP) und Daniel Weber (CDU) intensiv auf dem Bruchköbeler Wochenmarkt für sich, sie verteilten Flyer, suchten aber vor allem das persönliche Gespräch.

Braun, Jahrgang 1972, und Weber, Jahrgang 1983, treten in der Stichwahl um das Bürgermeisteramt in der 20 000-Einwohner-Stadt an. Sie wollen Günter Maibach (CDU) nachfolgen, der 2020 altersbedingt aufhört. Bruchköbel gilt als CDU-Hochburg, die Partei stellt seit vielen Jahren die Rathausspitze und die stärkste Fraktion im Stadtparlament, wo sie mit der SPD koaliert. Doch der Wahlausgang ist offen, es dürfte eine der spannendsten Wahlen im Main-Kinzig-Kreis seit langem werden.

Zum einen ist auch Braun eine starke Kandidatin. Zum anderen trat die örtliche CDU zumindest bislang alles andere als geschlossen auf. In der internen Vorwahl setzte sich Weber, persönlicher Referent Maibachs und vom Kreisvorstand favorisiert, mit einer Stimme Vorsprung gegen Fraktionschef Thomas Sliwka durch. Danach brachen Konflikte zwischen den Lagern aus. Sliwka trat in der ersten Runde als Unabhängiger an, wie Dietmar Hußing, der ebenfalls aus den Reihen der CDU stammt. Ihr Erfolg – Sliwka holte 10,4 Prozent, Hußing 7,3 Prozent – hielt sich in engen Grenzen. Die meisten Stimmen erhielt Braun. Sie erreichte 29,7 Prozent und lag damit vor Weber, der auf 24,6 Prozent kam.

16 000 Bruchköbeler sind am Sonntag wahlberechtigt. Im Bürgerhaus kann man die Entscheidung ab etwa 18 Uhr verfolgen; das Ergebnis liegt gegen 19 Uhr vor. Ausschlaggebend wird sein, wer seine Unterstützer am besten mobilisiert und ob die CDU-Anhänger an einem Strang ziehen.

Sylvia Braun (FDP) ist seit 2011 Fraktionschefin in Bruchköbel.  

Sylvia Braun, Mutter zweier Kinder, will damit punkten, dass sie „für den Wechsel stehe“. Dieser sei in vielen Bereichen notwendig, sagt Braun, die im Polizeipräsidium die Abteilung Mobilgeräteforensik leitet. Mit Weber würde „das System Maibach“ weiterlaufen, sagt Braun. Sie verspricht, die Kommunikation mit Bürgern und politischen Gremien zu verbessern, für Transparenz zu sorgen. Braun plant regelmäßige Bürgerdialoge, will mehr Fördermittel akquirieren und die Sicherheit stärken.

Bruchköbel baut seine Innenstadt um und erhält ein neues Zentrum mit Rathaus, Bürgerhaus, Geschäften, Wohnungen. Die Verwaltungswirtin kündigt an, darauf zu achten, dass die Nebenkosten – mit dem Generalunternehmer ist ein Pauschalbetrag vereinbart – nicht ausufern. Doch wie will die Liberale ohne Mehrheit im Parlament regieren? Sie setze auf eine sachorientierte Politik mit guten Kompromissen. So habe sie andere Fraktionen schon oft für FDP-Anträge gewonnen.

Weber, der 2003 seine Ausbildung bei der Stadt begann und später studierte, will seine „langjährige Verwaltungsexpertise“ sowie ebenfalls „Bürgernähe und Offenheit“ in die Waagschale werfen, die Kommunikation intensivieren und neue Schnittstellen zwischen Bürgern und Verwaltung schaffen. Zu seinen wichtigsten Anliegen zählten bezahlbarer Wohnraum und ein optimales Kinderbetreuungsangebot. Bei der „Neuen Mitte“ möchte Weber, der mit seiner Partnerin in Bruchköbel lebt, die Qualität durch intensive Begleitung sicherstellen und Kostensteigerungen verhindern.

Angesichts der Konflikte in der CDU könnte es im Parlament für Weber trotz der schwarz-roten Koalition schwierig werden. Deshalb will auch er „Gesprächs- und Kompromissbereitschaft“ zeigen. Sich nur auf das Bündnis zu verlassen und die anderen nicht einzubinden, sei ohnehin weder sinnvoll noch sein Stil.

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