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Seit Freitag ist die Unterführung für den Verkehr frei.

Gelnhausen

Freie Fahrt unter der Bahn

Schranken sind für Autofahrer zwischen Altenhaßlau und Gelnhausen kein Hindernis mehr. Es gibt eine neue Unterführung - ein Projekt für 25 Millionen Euro.

Von Jörg Andersson

Wie oft die Schranken geschlossen sind, blieb am Ende selbst dem Bahnbevollmächtigten nicht verborgen. Der Vorschlag von Klaus Vornhusen, den Bahnübergang noch einmal von der anderen Seite zu betrachten, hätte die 50-köpfige Gesellschaft am Freitagnachmittag beinahe auseinandergerissen; auf halbem Weg über die Schienen begannen sich die ersten Schlagbäume schon wieder zu senken.

145 Jahre, bemerkte Vornhusen, habe die Eisenbahn Altenhaßlau und Gelnhausen getrennt. Rund 250 Züge täglich donnerten gut zwei Jahrzehnte lang kontinuierlich über die Gleise und forderten etwa 10.000 Verkehrsteilnehmern, die das Nadelöhr am Bahnhof passieren wollte, mitunter viel Geduld ab. Rückstaus bis in der Geschäftspassage „Am Ziegelhaus“ waren keine Seltenheit.

Beispielhaft schwerfällig

Als wären die Autoabgase dort nun für immer verbannt, klemmte sich Vornhusen zur Premierenfahrt durch die neue Unterführung noch hinter das Steuer eines elektrobetriebenen Opel Ampera.

Aus Gelnhäuser Sicht hat die leidige Planungsphase um das Ende des Schrankenzeitalters 1970 mit Entwürfen für eine Stadtspange begonnen. 1978 habe das hessische Straßenbauamt in einem Schreiben bereits die „in Kürze geplante Beseitigung des Bahnübergangs“ erwähnt. Die Bahn reduziert das Paradebeispiel bürokratischer Schwerfälligkeit auf „30 Jahre“, in denen eine Brücke verworfen wurde und sich ständig Rahmenbedingungen änderten, auch weil der Abschnitt auf drei und womöglich einmal auf vier Gleise erweitert werden soll.

Der Bau selbst hat knapp vier Jahre erfordert und 25 Millionen Euro gekostet, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Zwei Millionen davon hat die Stadt bezahlt und sich ästhetische Aspekte am Ende zumeist abgeschminkt. Die Idee, die Betonmauern mit Sandstein zu verkleiden, wäre unbezahlbar gewesen, musste Bauamtsleiter Günter Kauder erfahren.

Pumpen gegen Hochwasser

Die Unterführung, 200 Meter östlich des Übergangs, ist im Gegensatz zur ihrem eher behelfsmäßigen einspurigen Vorgänger hochwassersicher, versichert Projektleiter Georg Port. Das verdankt sie auch eingebauten Pumpen.

Bis die neue Straßenführung der L?2306 vollendet ist, wird es jedoch Frühjahr 2014. Denn bisher fehlt zur Anbindung Richtung Altenhaßlau noch ein Kreisel in Höhe des Hochhauses C&C Scharf. Auch die barrierefreie Unterführung unmittelbar am alten Bahnübergang wird erst 2013 fertig. An beiden Seiten fehlen noch die Rampen. Bis dahin bleiben die Schranken in Betrieb und der alte Weg über die Schienen passierbar. Allerdings nur für Rad- und Rollstuhlfahrer, für die ein schmaler Zugang freigehalten wird.

Unabhängig vom Ende der Fahrzeugschlangen betrachten Gelnhausens Bürgermeister Thorsten Stolz und Albert Ungermann aus Linsengericht die hindernisfreie Verbindung als Entwicklungsschub für das Bahnhofsumfeld. Auf Gelnhäuser Seite gibt es bereits sichtbare Fortschritte bis hin zum Umbau des gegenüberliegenden Busbahnhofs. Ungermann hingegen ringt noch um Grundstücksflächen, die die Bahn nicht verkaufen will, solang der Ausbau der Kinzigtalbahn nicht zu kalkulieren ist.

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