Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hanauer Geschichtsverein

Not-Theater und Fanatismus

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
    schließen

Der Hanauer Geschichtsverein hat sein "Neues Magazin für Hanauische Geschichte" herausgebracht. 291 Seiten umfasst das Buch; 15 Historiker haben sich eingebracht. Viele Themen und Epochen aus der Stadtgeschichte werden darin aufgearbeitet.

Der Hanauer Geschichtsverein hat sein "Neues Magazin für Hanauische Geschichte" herausgebracht. 291 Seiten umfasst das Buch; 15 Historiker haben sich eingebracht. Viele Themen und Epochen aus der Stadtgeschichte werden darin aufgearbeitet.

Den ersten handfesten Skandal gab es 1921, bei einem Spiel zwischen Hanau 93 und dem FSV Frankfurt: Wild prügelten die Spieler aufeinander ein, traten sich gegenseitig in die Genitalien. Es soll nur der Auftakt zu einer Gewaltserie gewesen sein, an der sich Hanauer Fußballfans beteiligten. Fanatismus, Gewalt, Bestechung und politische Einflussnahme prägten den Fußball in der Zeit zwischen 1920 und 1940 – auch in Hanau. Diesen dunklen Episoden widmet sich der Historiker Rudolf Oswald in seinem Aufsatz „Der Sport ist ihnen nichts, der Verein dagegen alles“. „Niederlagen bedeuteten eine Schmach für die lokalpatriotische Gemeinschaft“, schreibt Oswald. Die Folge: „Unerbittliche Konkurrenz“ bestimmte die Realität auf und an den Fußballplätzen.

Oswalds Beitrag ist einer von 18 in der neuen Ausgabe des „Neuen Magazins für Hanauische Geschichte“ des Hanauer Geschichtsvereins 1844. 291 Seiten umfasst das Buch; 15 Historiker haben sich eingebracht. „Unser Magazin soll möglichst viele Themen und Epochen aus der Stadtgeschichte aufarbeiten, um möglichst viele Bürger anzusprechen“, sagt Martin Hoppe, Vorsitzender des Vereins: „Wir wollen nichts längst Bekanntes wiederkäuen, sondern frische Forschungsergebnisse präsentieren.“

Diesem Anspruch wird das Buch durchaus gerecht: Katharina Bott hat sich auf die Spuren des Maler-Bruders Ludwig Emil Grimm begeben und mehrere Hinweise darauf gefunden, dass Grimm Schüler an der Hanauer Zeichenakademie war. In seinen Lebenserinnerungen lässt Grimm dieses Kapitel jedoch aus. „Womöglich, weil die Akademie damals noch klein war und noch keinen guten Ruf hatte“, meint Bott.

Gerhard Stärk hat herausgefunden, dass es in Hanau schon etwa 20 Jahre vor der Gründung der Turngemeinde 1837 (TGH) Turnen im Verein gab. Und dass in Hanau der wohl älteste öffentliche Turnplatz erhalten ist, an der Fasaneriemauer. „Die Haltung, dass Turnen eine politische Aktion ist, war in Hanau noch stärker ausgeprägt als in anderen Städten“, sagt Stärk.

Eckhard Meise widmet sich einem bisher unbekannten Grab der Familie Spener in der Johanneskirche (17. Jahrhundert) und skizziert anhand dessen die Familiengeschichte.

Und Karl Schweizer beschreibt, wie der Spielleiter und Bassist Emmerich Marbod die Notgemeinschaft Hanauer Bühnenkünstler aufbaute und in den Nachkriegswirren Veranstaltungen wie einen bunten Abend unter dem Titel „Frohe Laune in Dur und Moll“ am 26. Dezember 1945 in Schloss Philippsruhe initiierte.

„Unsere Veröffentlichungen sollen auch dazu dienen, neue Quellen und Informanten zu gewinnen“, sagt Hoppe. Wie im Fall des jüdischen Anwalts Leo Koref, der in Theresienstadt ermordet wurde. Nach Berichten über Koref schickte die tschechische Forschungsstelle dem Verein die Aufzeichnungen von Edmund Hadra, der Koref im Vernichtungslager kennengelernt und bis zu dessen Tod begleitet hat. Das neue Magazin enthält Hadras detaillierte und bewegende Erinnerungen an Koref und dessen Leben. An einer Stelle heißt es: „Mein Respekt vor diesem Nachbarn war riesengroß. Es war der Triumph des Geistes, des Willens, dem gegenüber es keinerlei Schwierigkeiten gibt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare