Nidderau

122 Unfälle in nur drei Jahren an der Ortsumgehung Nidderau

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Eine Ampel soll die Umgehungsstraße Nidderau endlich sicherer machen. Die Söhne eines verstorbenen Unfallopfers kämpfen für schärfere Maßnahmen.

Die Zahlen sind alarmierend: 122 Unfälle hat die Polizei an der B45/B521 im Abschnitt der Ortsumgehung Nidderau erfasst – in nur drei Jahren; von September 2016 bis Ende August 2019. Vor allem an den Knotenpunkten, wo es zu 95 Unfällen kam, kracht es ständig, besonders an der K246 nach Karben. Bei 57 Unfällen wurden Menschen verletzt, bei 16 schwer. Ein Mensch starb.

Das geht aus der kürzlich veröffentlichten Antwort des Verkehrsministeriums auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Christoph Degen (SPD) hervor. Der Neuberger stellte sie – seine zweite Anfrage in dieser Sache – am 16. Oktober. Am 30. Oktober passierte ein besonders tragischer Unfall: Gerd Hoffmann war auf seinem Roller unterwegs zur Arbeit, als ihn der Fahrer eines Kleintransporters, der nach links in Richtung Karben abbog, übersah. Der 65-Jährige aus Altenstadt, der geradeaus fuhr und Vorfahrt hatte, konnte nicht mehr ausweichen und starb noch am Unfallort.

Mittlerweile hat die zuständige Verkehrsbehörde Hessen-Mobil dort Warnschilder mit Blinklicht installiert, das erlaubte Tempo auf 50 reduziert und kontrolliert. Zudem ist eine Ampel geplant. Zuvor – kurz nach dem Tod Hoffmanns – hatte die Unfallkommission des Main-Kinzig-Kreises getagt.

Seitdem die Straße 2015 in Betrieb genommen wurde, gilt sie als gefährlich, nicht nur an der Abzweigung nach Karben. Bürger, Stadt und Kreis haben früh darauf hingewiesen und Verbesserungen gefordert. Hessen-Mobil, das Kritik zurückwies, verringerte daraufhin unter anderem die zulässige Geschwindigkeit an der K246 auf 70 und stellte ein Schild auf, das Abbieger auf den Gegenverkehr aufmerksam machen sollte.

Oft ein erfolgloses Ringen

Es war oft ein erfolgloses Ringen um Fortschritte wie eine durchgängige Begrenzung auf Tempo 70. Auch wegen einer fragwürdigen Definition von Unfallschwerpunkten: Laut einem Erlass des Landes liegen diese vor, wenn sich an Knotenpunkten oder auf Abschnitten von bis zu 300 Metern Länge mindestens fünf Unfälle eines Typs innerhalb eines Jahres oder mindestens drei Unfälle „mit schwerem Personenschaden“ innerhalb von drei Jahren ereignen. Weil das nicht zutraf, mussten die Behörden nicht zwingend handeln.

Auch nach den jüngsten Änderungen hat es mehrfach gekracht: Vor einem Monat etwa stieß erneut ein Linksabbieger mit einem entgegenkommenden Auto zusammen. Kurz darauf sabotierten Unbekannte die Blinklichter am Warnschild.

Die hohe Zahl an Unfällen „ist erschreckend“, sagte Degen der FR zu den vom Ministerium nun vorgelegten Zahlen. Er begrüße die umgesetzten, von der Stadt geforderten Maßnahmen, allerdings hätten sie früher getroffen werden müssen. Degen will beobachten, wie sicher die Straße künftig ist. Weitere „straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen“ seien derzeit nicht geplant, so das Ministerium.

Die Söhne von Gerd Hoffmann, Benjamin Passehl und Kai Hoffmann, trauern um ihren Vater und kämpfen gleichzeitig dafür, dass die Umgehung sicherer wird. Die jetzigen Schritte sehe er einerseits positiv, sagt Passehl. Andererseits seien sie auf keinen Fall ausreichend und kämen zu spät. Die Zuständigen hätten „früher einschreiten müssen“. Auch ihr Vater hatte gesagt, dass die Strecke brenzlig ist.

Passehl und sein Bruder haben sich unter anderem mit Landrat Thorsten Stolz (SPD) getroffen. Dabei wiesen sie auch auf weitere Gefahrenquellen, beispielsweise zu kurze Verzögerungsstreifen, hin. Die Ampel an der K246, die in diesem Jahr eingerichtet werden soll, halten die Söhne Hoffmanns nicht für die beste Lösung. Stattdessen fordern sie einen Kreisel. Als Sofortmaßnahme schlägt Passehl vor, eine Baustellenampel zu installieren. Das ließe sich sehr schnell umsetzen und könnte neue Unfälle vermeiden.

Der Tod ihres Vaters schmerzt. Benjamin Passehl und Kai Hoffmann wollen dazu beitragen, dass nicht noch mehr Menschen sterben müssen.

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