Kommentar 

„Nicht im Stich lassen“

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Ein Jahr nach dem rassistischen Attentat in Wächtersbach mangelt es nach wie vor an Aufarbeitung. Ein Kommentar.

Das rassistische Attentat auf Bilal sowie die mangelnde Aufarbeitung und Hilfe für die Betroffenen sind ein weiteres Beispiel für den erschreckenden Umgang mit Rechtsextremismus und dessen Folgen, in Deutschland wie in Hessen. Den nach der Tat geäußerten zahlreichen Worten folgten bisher wenig Taten.

Die Generalstaatsanwaltschaft hat auf FR-Anfrage kürzlich mitgeteilt, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. Auch die verängstigten Betroffenen scheinen nicht über Ergebnisse informiert worden zu sein. Obwohl seit der Tat ein Jahr vergangen ist und es trotz des Suizids von Roland K. drängende Fragen gibt: etwa, weshalb die Tat nicht verhindert wurde und die Waffenbehörde ihm, der seine rassistischen Ansichten oft äußerte, den Besitz einer Waffe erlaubte. Einige Parallelen zum Hanauer Anschlag sind offensichtlich.

Die Stadt Wächtersbach und der Main-Kinzig-Kreis scheuen – wohl auch aus Imagegründen – eine echte Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismusproblem, zu dem unter anderem Mitglieder der „Aryans“ und andere Neonazis gehören, Reichsbürger, darunter ein 2019 verurteilter Wächtersbacher mit riesigem Waffendepot, eine rassistische Hetzjagd auf Fußballer in Birstein und Drohungen gegen Politiker wie Ex-Landrat Pipa.

Etwas Unterstützung haben Bilal und seine Familie bekommen, etwa bei der Wohnungssuche. Doch angesichts der Schwere des Attentats und seiner Konsequenzen ist der geringe Umfang der öffentlichen Hilfen für die Opfer beschämend. Wer solche körperlichen und seelischen Verletzungen davongetragen hat, braucht eine intensive Betreuung und tatkräftige Solidarität.

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