Am Verdi-Warnstreik nahmen Beschäftigte des Main-Kinzig Alten- und Pflegezentrum und des Klinikums Hanau teil.
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Am Verdi-Warnstreik nahmen Beschäftigte des Main-Kinzig Alten- und Pflegezentrum und des Klinikums Hanau teil.

Hanau

„Nicht genug Personal“

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Rund 250 Beschäftigte des Alten- und Pflegezentrums Main-Kinzig und des Klinikums Hanau beteiligen sich an einem Warnstreik für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen.

Für die Forderung nach mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen sind in Hanau laut Polizeiangaben rund 250 Beschäftigte des Alten- und Pflegezentrums Main-Kinzig und des Klinikums Hanau auf die Straße gegangen. Auf Anfrage der FR erklärte Heike Schupp, Vorsitzende des Betriebsrats am Klinikum Hanau: „Wir sind noch verhältnismäßig gut aufgestellt.“ Aber dennoch gebe es nicht genug Personal in den OP- und Intensiv-Abteilungen. Und auch an Hebammen fehle es. Das Klinikum versucht diese Personallücken mit monetären Anreizen zu schließen. Das funktioniere nur mit mäßigem Erfolg. Der Grund: auf dem Arbeitsmarkt gibt es nicht genug qualifiziertes Personal, sagte Schupp.

Die Situation sei die Folge einer verfehlten Ausbildungspolitik und fehlender Bemühungen, den Beruf attraktiver zu gestalten. „Am Klinikum haben wir dadurch das Problem mit dem Qualitätsmix in der Pflege. Neben den examinierten Kräften gibt es viele mit einjähriger Ausbildung, Ungelernte und Leute im Bundesfreiwilligendienst“, sagt Schupp.

Gestiegen sei am Klinikum auch die Belastung für die Nachtwachen. Bis zu 40 Patienten müsse eine mit einer Fachkraft besetzten Stationswache im Blick haben. In früheren Jahren sei diese Relation unproblematisch gewesen, heute sei sie es hingegen, so die Betriebsratschefin. „Wir haben mittlerweile mehr pflegebedürftige und demente Patienten, die besonders viel Betreuung benötigen. Bei den Demenzkranken sei der Aufwand hoch. „Wenn die nachts aus dem Bett steigen, sind sie oft orientierungslos und können leicht stürzen“, erläuterte Schupp.

Überdurchschnittlicher Krankenstand

An der knappen Personaldecke im Klinikum zerrt laut Verdi-Mann Schulze-Ziehaus ebenso die relativ hohe Ausfallquote im Gesundheitswesen, sie liege bei 25 Prozent. Er erklärt dies zum einen mit dem überdurchschnittlichen Krankenstand. Zu anderen: In einem Krankhaus arbeiten überdurchschnittlich viele Frauen, die häufig familienbedingt ausfallen.

Die Personalknappheit drückt nicht nur Überstunden und Krankenstand nach oben, so Schupp. „Viele Beschäftigte haben quasi 31 Tage im Monat Bereitschaft und damit außerhalb des Dienstes nicht wirklich frei.“

In welche Richtung sich der Status quo am Klinikum verändern wird, wenn die geplante Fusion mit dem Klinikum Aschaffenburg über die Bühne gegangen ist, können Schupp und Schulze-Ziehaus nicht absehen. Beide sagten, man setze in Volkmar Bölke, dem neuen Geschäftsführer des Klinikum Hanau, volles Vertrauen, dass der Zusammenschluss nicht zum Nachteil der Beschäftigten in beiden Häusern erfolge.

Bölke war zuvor Regionalgeschäftsführer für Asklepios-Kliniken im Kreis Offenbach und in Wiesbaden. „Verdi hat mit Asklepios keine gute Erfahrungen gemacht“, sagte Schulze-Ziehaus. Allerdings habe schon die bisherige Geschäftsführung in Hanau angekündigt, dass in nächster Zeit alles auf den Prüfstand gestellt werde, so Schupp. „Und hierbei wird wohl der erste Blick auf die Kosten für das Personal fallen.“

Eine mögliche Privatisierung des Klinikums Hanau hält Schupp für unwahrscheinlich: „Ich nehme Oberbürgermeister Claus Kaminsky ab, wenn er sagt, das Haus bleibt in kommunaler Hand.“ Eine Fusion sei hingegen fast unabwendbar, so Schulze-Ziehaus. Als selbstständige Klinik werde das Haus nicht bestehen können.

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