Oberbürgermeister Kaminsky (links) besichtigt Wolfgang 2.
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Oberbürgermeister Kaminsky (links) besichtigt Wolfgang 2.

Hanau Energie

Neues Heizkraftwerk läuft

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Die Hanauer Stadtwerke nehmen ein zwei Millionen Euro teures Heizkraftwerk in Betrieb. Der Grund: Beim Eon-Kraftwerk Staudinger ist seit April das Feuer in Block 1 erloschen.

Sie besitzen die Größe von Omnibussen, um sie herum ist ein scheinbares Gewirr von dicken Rohren installiert. Knapp zwei Millionen Euro hat das Heizwerk Wolfgang 2 gekostet. Die Anlage steht auf dem Gelände der ehemaligen Pioneer-Housing Area in Wolfgang. Dort betreiben die Stadtwerke Hanau (SWH) bereits ein Heizwerk, das einst die Siedlungen der GIs mit Wärme versorgte. Mit seinen beiden gewaltigen Kesseln sichert das hinzugekommene Wolfgang 2 die Versorgung mit Wärme und Warmwasser für das östliche Stadtgebiet, nachdem Block 1 des Kraftwerks Staudinger keine neue Betriebsgenehmigung vom Regierungspräsidium erhalten hat und damit nicht mehr als Reserve fungieren kann.

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Das Projekt sei mit Hochdruck bearbeitet und durchgezogen worden, berichtet Matthias Neumeier, Leiter Vertrieb, bei der Inbetriebnahme. Vom Vorentwurf bis zur TÜV-Abnahme sei ein dreiviertel Jahr vergangen. Mit dem Aus von Block 1 des Eon-Kraftwerks Staudinger bei Großkrotzenburg stehe dort nun nur noch Block 5 als Wärme-Lieferant zur Verfügung. Ein Ausfall hätte Folgen für die Stadt. Am Fernwärmenetz hängen nicht nur Wohnhäuser, sondern auch kleinere und größere Betriebe.

Lieferverträge laufen 2024 aus

Wolfgang 2 wie auch sein älterer Bruder daneben befinden sich im Normalfall jedoch hauptsächlich „in Bereitschaft“, sagt Elmar Glaser, Teamleiter für die Anlage, der Frankfurter Rundschau. Zurzeit wird aus Wolfgang nur dann Wärme ins Netz eingespeist, wenn in den Abendstunden der Bedarf steigt. Aber auch, wenn Windkraftanlagen viel Strom ins Netz liefern oder der Preis am Strommarkt niedriger liegt, als Staudinger Elektrizität produzieren kann, erläutert er. In diesen Fällen drossele Eon die Leistung des Kohlekraftwerks. Denn die Fernwärme von Staudinger ist nur ein Abfallprodukt von der Stromerzeugung. Die Stadt hat mit Staudinger einen Liefervertrag bis 2024 abgeschlossen.

Geschäftsführer Steffen Maiwald bemerkt, dass die Sparte Fernwärme gegenwärtig bei den Stadtwerken „nur die vierte Geige spiele“. Allerdings sieht er in dieser Energieversorgung für Hanau wegen der städtebaulichen Expansion noch ein gutes Geschäftspotenzial. Wolfgang 1 und 2 werden zudem erheblich zur Wärmeversorgung der künftigen Wohn- und Gewerbebauten auf den US-Konversionsflächen im Stadtteil Wolfgang beitragen, so Maiwald.

Er erkennt zudem noch ein anderes Abnahmepotenzial. In nicht wenigen Wohnhäuser in der Stadt arbeiteten Heizungen, die 20 Jahre und älter seien. Statt einer teuren Modernisierung auf aktuellem Umweltstandard werde die SWH mit einem Fernwärmeanschluss parat stehen, sagte Maiwald.

Beitrag zur Energiewende

„Wärme ist für die Stadtwerke ein Wachstumsmarkt“, bekräftigt er und formt dies in den Slogan: „Wir können Wärme.“ Dass die zentralproduzierte Wärme umweltfreundlich sei, betont Oberbürgermeister und Vorsitzender des SWH-Aufsichtsrat Claus Kaminsky (SPD). Er meint: „Die Energiewende muss in den Städten organisiert werden.“ Die Kessel der beiden Werke in Wolfgang werden mit klimaschonenden Erdgas befeuert. Block 5 von Staudinger frisst hingegen in seiner Brennkammer hunderte Tonnen von Kohle pro Stunde.

Mit dem Bau von Wolfgang 2 untermauern die SWH ihren Strategiewandel. Vor Jahren, als Eon den umstrittenen sechsten Kohleblock für Staudinger plante, sollte das Kraftwerk für Hanau Fernwärme auskoppeln. Block 6 ist seit 2012 Geschichte. Die SWH arbeiten seitdem daran, in Sachen Wärmelieferung zum Selbstversorger zu werden. So wurde das 2004 eingemottete Heizwerk West in Kesselstadt wieder aktiviert und ausgebaut.

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