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Kohlehalde am Kraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg
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Kohlehalde am Kraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg

Großkrotzenburg

Neuer Hitze-Vorfall bei Staudinger

Diesmal war es nicht das umstrittene Kohlelager im neuen Rundsilo: Der Gestank, der am Montagabend Nachbarn des Kraftwerks Staudinger in Großkrotzenburg alarmierte, stammte von der benachbarten offenen Kohlehalde.

Von Alexander Polaschek

So lautet jedenfalls die Erklärung, die Betreiber Eon am Dienstagmittag veröffentlichte. Es sei zu „punktuellen Erwärmungen der Kohle“ gekommen. Laut Eon stellten Mitarbeiter des Kraftwerks am Abend fest, „dass sich auf dem offenen Kohlelagerplatz eine geringe Menge Kohle stark erwärmt hatte“. Die Arbeiter hätten diese Kohle unverzüglich mit einem Radlader auseinandergezogen und mit Wasser abgekühlt. „Dabei entstand kurzzeitig eine Geruchsbelästigung in unmittelbarer Nachbarschaft, die auch zu Anfragen aus der Bevölkerung führte.“

Die Nachbarn des Kraftwerks sind sensibilisiert, seit vor sechs Wochen in der Sommerhitze stinkende Gase und Kohlenstaub aus dem gigantischen neuen Kreislager die Umgegend in noch nie zuvor erlebtem Ausmaß verpestet hatten. Aus Anlass dieses Zwischenfalls soll sich auf Initiative der SPD am morgigen Donnerstag auch der Umweltausschuss des hessischen Landtags mit der Sicherheitsfrage des Kraftwerks beschäftigen.

BI verlangt mehr Kontrolle

Es ist umstritten, ob sich lediglich „Hitzenester“ in dem 57 Meter hohen Bunker gebildet hatten – so die Eon-Lesart – oder ob das Lager knapp vor einem Großbrand gestanden haben könnte, wie die beiden Bürgerinitiativen gegen den Kraftwerksausbau mutmaßen.

„Wir sitzen hier auf einer Zeitbombe“, sagt Sigrid Kargl von der Interessengemeinschaft gegen den geplanten Kohleblock 6. Sie bleibe dabei: „Es hat gebrannt.“ Kargl kritisiert im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, dass die Behörden dem Unternehmen zu viel Spielraum gewährten. „Wenn der Kohlebunker erst mit 220.000 Tonnen Kohle komplett gefüllt ist und das alles in Brand gerät, ist es nicht mehr löschbar. Wie kann es da sein, dass Staudinger nicht einmal als Störfallbetrieb eingestuft ist und entsprechende Auflagen beachten muss?“, reagiert Kargl auf einen FR-Bericht über das eingehauste Lager. Zu denken gebe dabei auch die Aussage des Eon-Ingenieurs Arne Köhler, wonach sich das neue Kreislager noch im Optimierungsbetrieb befinde. „Wie ist es da möglich, dass das Regierungspräsidium schon eine Genehmigung erteilt hat, für ein Lager, das weltweit in dieser Dimension einzigartig ist?“

Eon: Nachbarn nicht gefährdet

In ihrer Presseerklärung vom Montag versichert die Kraftwerksleitung, dass zu keinem Zeitpunkt die Gefahr eines offenen Brandes auf dem Kohlelager oder einer gesundheitlichen Gefährdung der Anwohner bestanden habe. Im geschlossenen Kohlelager habe die Werkfeuerwehr keine Auffälligkeiten gefunden. Eon begründet den Zwischenfall mit ständigen Oxidationsprozessen in der Steinkohle, die sich deshalb leicht von selbst erwärme. Hohe Außentemperaturen begünstigten dies. „Dadurch entstehen in Kohlelagern immer wieder punktuell Wärmequellen. Für die Kraftwerksmannschaft ist dies nichts Ungewöhnliches und wird ständig beobachtet.“

Auf dem Außenlager werde die Temperatur der gelagerten Kohle mit Hilfe von Infrarotkameras laufend kontrolliert, versichert das Unternehmen. Erkannte Wärmequellen würden freigelegt und mit Wasser abgekühlt. Kohle sei nur sehr schwer entzündlich, erwärme sich sehr langsam und schwele lange Zeit vor sich hin. Dieser langsame, kontinuierliche Temperaturanstieg lasse genug Zeit, um die einzelnen Wärmepunkte aufzuspüren und abzukühlen.

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