Hanau

Neue Location für Künstler

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Ein Szenetreff soll Basis für künftige Kreative in einem alten Wohnblock am Hafengebiet bilden. Die Initiatoren versprechen sich damit auch eine Quartiersverbesserung.

Fischernetze, die von der Decke hängen, Rettungsringe an den Wänden und Seeleute, deren alkoholschwerer Köpfe über Biergläser schwanken, solche Assoziationen sind bei der neu eröffneten „Hafenkneipe“ fehl am Platz. Das Lokal ist nicht eröffnet worden um Main-Matrosen zu bewirten, sondern einer wachsenden Künstlerszene im anschließenden Wohnblock Raum für Kommunikation, Aktionen und anderen Besuchern eine alternative Location abseits des Kommerz´ zu bieten.

Frisch mit weißer Farbe angelegte Wände, an denen Werke des Hanauer Illustrators und Cartoonisten Michael Rautenberg „Rautie“ als Ausstellung hängen, und modernes Mobilar prägen das Bild der „Hafenkneipe“. Einzig die Lage am Hafengebiet, ist stimmig zum Namen. „Die Bezeichnung war eigentlich nur ein Arbeitstitel. Wir sind aber nicht mehr davon losgekommen“, sagt Kneipier Gregor Wilkenloh.

Er gehört der Interessengemeinschaft Hafentor (IGH) an, die mit der Immobilienbesitzerin die städtische Baugesellschaft (BG), das Projekt auf die Beine gestellt hat. Die BG hat den 80 Quadratmeter großen Raum mit seiner hohen Decke für einen öffentlich Nutzung hergerichtet. Die Renovierung des Raums, einst Treff des Gehörlosenvereins, mussten die IG-Mitglieder in Eigenregie vornehmen.

Mit der „Hafenkneipe“ sowie mit der Bereitstellung von preiswertem Wohn- und Atelierraum soll der 100 Meter lange, denkmalgeschützte Wohnblock „Hafentor“ aus den 1920er Jahren eine Belebung erhalten. Aber auch eine Aufwertung des Quartiers erhoffen sich die Initiatoren. Die BG hat daher in das Gebäude 1,6 Millionen Euro gesteckt vor allem in die Fassaden. Dahinter wohnen viele Menschen mit geringem Einkommen. Denn auch Neuvermietungen gibt es ab 3,50 Euro pro Quadratmeter, vorausgesetzt, der Mieter saniert selbst – und das bedeutet mehr als Tapezieren und Streichen.

„Die Kneipe ist der erste öffentliche Raum in dem Gebäudeensemble und daher auch eine Begegnungsstätte“, sagt Wilkenloh. Ende Oktober war die offizielle Eröffnung – und das Konzept scheint zu funktionieren, ohne Werbung. „Es treffen sich viele unterschiedliche Gäste im Alter von 20 bis 60 Jahren, Künstler aus dem Block und aus der Stadt, Schüler der Zeichnenakademie und andere Menschen“, sagt Wilkenloh. Auch einige Anwohner kämen. Die „Hafenkneipe“ will ihren Gästen zudem mehr als Getränke, Gespräche und ein Zusammenkommen bieten. Auf der vier Quadratmeter großen Bühne wird musikalischen Solisten oder Duos ein Auftritt ermöglicht. Wegen der Nachbarschaft darf es jedoch nicht allzu laut zugehen. Auch wechselnde Ausstellungen oder Aktionen mit Künstler seien möglich, so Wilkenloh. „Leute mit guten Ideen sollen einfach vorbeikommen“, sagt er.

Der 48-jährige Wilkenloh, der selbst im „Hafentor“ wohnt, hat über einige Stationen in der Gastronomie Erfahrungen gesammelt. Die „Hafenkneipe“ betreibt er quasi im Ehrenamt, er bezieht derzeit Hartz-IV. Eine Existenz lasse sich mit dem Lokal nicht aufbauen. Die geringen Einnahmen deckten gerade Miete, Nebenkosten und Einkauf.

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