Marcel Allmeritter (links) und Jonas Bernges von der Käthe-Kollwitz-Schule in Langenselbold mit ihrem Werk - einer außergewöhnlichen Idee, um Energie zu speichern.
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Marcel Allmeritter (links) und Jonas Bernges von der Käthe-Kollwitz-Schule in Langenselbold mit ihrem Werk - einer außergewöhnlichen Idee, um Energie zu speichern.

Langenselbold

Neue Ideen zur Stromspeicherung

Zwei Zehntklässler der Langenselbolder Käthe-Kollwitz-Schule präsentieren ihr fantasievolles Projekt für Natur-Pur-Award. Sie planen ein Pumpspeicherkraftwerk unter Tage.

Von Jörg Andersson

Die Konstrukteure haben ihr Kraftwerk an einen Märklin-Trafo gekoppelt. Wenn Marcel Allmeritter den Regler nach rechts schiebt, erstrahlt an mehreren Ecken der Modelllandschaft Licht. In einem zweistöckigen Gebäude flimmern Lämpchen, davor dreht sich ein Windrad und ein Mini-Scheinwerfer erhellt ein kleines Plakat mit den Versalien der Südhessischen Energie AG (HSE).

Die Energiequelle sitzt auf der Rückseite des etwa 30 mal 80 Zentimeter großen Modells. "Dort", deutet Mitschüler Jonas Bernges auf zwei grau modellierte Hohlräume, "kann Wasser gespeichert werden und rauscht dann bei Bedarf vorbei an Turbinen in die Tiefe."

Das Modell findet sich im Werkraum der Käthe-Kollwitz-Schule in Langenselbold und ist entstanden während eines überaus praxisorientierten Energiekurses für Zehntklässler. Marcel (17) und Jonas (16) feilen am Auftritt.

400 Schüler wetteifern um den Natur-Pur Award

Am Freitag, 5. Februar, werden sie den Beitrag zur umweltverträglichen Energie-Erzeugung einem breiten Publikum in der Centralstation Darmstadt präsentieren. Mit mehr als 400 Schülerinnen und Schülern wetteifern sie um den "Natur-Pur Award", den die HSE mit einem Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro ausgestattet hat. Die Frankfurter Rundschau ist dabei Medienpartner.

Die Schüler und ihr Mentor Armin Schröder kennen das Prozedere. Im Vorjahr haben sie an dem Wettbewerb mit einem Elektrotechnik-Projekt teilgenommen. Ihre Idee auf Basis eines Natron-Verfahrens fand nicht die große Beachtung, "auch, weil wir es nur mit einer Power-Point-Präsentation vorgestellt haben", ahnen Schüler und Physiklehrer.

Denn zu den Bewertungskriterien zählt neben Wissen, Originalität, Realisierbarkeit und Nachhaltigkeit auch Art und Form der Präsentation. Und so investierten Marcel und Jonas diesmal etliche Stunden für den Modellbau. Dazu wird das Projekt im Vortrag erläutert.

Pumpspeicher-Kraftwerke sind auf Stromverbrauchszeiten abgestimmt. Wenn, zumeist nachts, ein Überschuss an elektrischer Energie vorhanden ist, wird das Wasser durch Rohrleitungen in höher gelegene Speicherbecken gedrückt.

Manche werden ausschließlich durch Pumpen gespeist, oft sind es auch hoch gelegene Bergseen mit weiteren natürlichen Wasserzuflüssen. Zu Spitzenverbrauchszeiten setzt die "Verstromung" ein. Das Wasser rauscht in die Tiefe. Kein System der Energiegewinnung, sondern eine Methode, Energie in großem Umfang zu speichern. Der Wirkungsgrad beträgt 75 Prozent. Aus 100 Kilowattstunden Pumpstrom können 75 für das Netz zurückgewonnen werden und so wichtige Reserven der Elektrizitätsversorgung sichern, erläutern die Zehntklässler und ihr Lehrer.

Das Innovative ihres Projektes sei, die Pumpspeicher-Wasserkraftwerke in Bergwerken unterzubringen. Das könnten theoretisch alte Erzminen oder Salzbergwerke sein. "Es gibt reichlich Stollen und Hohlräume, notfalls muss man diese etwas mit Beton stabilisieren", erklärt Schröder.

Auch für Marcel Allmeritter und Jonas Bernges liegen die Vorteile der unterirdischen Lösung auf der Hand. Die Stromerzeugung erfolge CO2-frei in einem geschlossenen Kreislauf praktisch ohne Lärm und optischen Einfluss auf Landschaft und Tierwelt.

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