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Nachtflugverbot bei jedem Wetter

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Von: Detlef Sundermann

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Protest im stark betroffenen Flörsheim 2012 gegen neuen Fluglärm nach dem Ausbau.
Protest im stark betroffenen Flörsheim 2012 gegen neuen Fluglärm nach dem Ausbau. © Rolf Oeser

Der Main-Kinzig-Kreis fordert die strikte Einhaltung des Nachtflugverbots am Flughafen Frankfurt - und zwar bei jedem Wetter, auch bei Gewitter.

Der Main-Kinzig-Kreis und die Interessengemeinschaft Fluglärm Hanau–Kinzigtal (IGF) warnen vor einem Aufweichen des Nachtflugverbots. Auch Landratskandidat Thorsten Stolz (SPD) spricht sich in einer Mitteilung „klar gegen die Forderung des Flughafenbetreibers aus“, das Nachtflugverbot flexibler zu gestalten. Die Forderungen aus dem Kreis laufen jedoch nicht nur auf eine strikte Einhaltung der Ruhezeit von 23 bis 5 Uhr hinaus, sondern auf eine Ausweitung der Nachtruhe auf 22 bis 6 Uhr, wie es einst als Mediationsergebnis um den Flughafenausbau ausgehandelt worden war.

Auslöser für die erneute Diskussion um Nachtflüge waren die Gewitter in der letzten Juli-Woche. Laut Fraport sollen in einer Nacht 7000 verspätet gelandete Passagiere festgesessen haben, weil kein Flugzeug wegen des Nachtflugverbots mehr rausgehen konnte. Mindestens ein Passagier soll im Terminal deswegen gegen Bodenpersonal einer Airline gewalttätig geworden sein. „Eine modifizierte Nachtflughandhabung mit nur 30 Minuten verlängerten Startgenehmigungen hätte in so einem Ausnahmefall schon geholfen, da alle Maschinen bereits startbereit vor den Bahnen warteten“, teilte seinerzeit Fraport-Vorstand Anke Giesen mit.

Nachtruhe muss Vorrang haben

Aber genau das sehen die Gegner als Anfang vom Ende eines 2012 mühsam der Politik und der Flughafenbetreiberin abgerungenen Nachtflugverbots, das zudem der damalige hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) den Bewohnern unter den An- und Abfluglinien mit einer Klage streitig machen wollte.

„Der Schutz der Bevölkerung muss mehr Gewicht haben als individuelle Interessen“, sagt Kreisverkehrsdezernent Matthias Zach (Grüne) auf Anfrage der FR. Der Planfeststellungbeschluss enthalte ohnehin einen Passus für besondere Ausnahmefälle. Zach bedauert den unfreiwilligen Aufenthalt der Fluggäste, stellt aber fest: „Bei schlechtem Wetter muss ich einkalkulieren, dass ich auf der Reise hängen bleibe.“

Thorsten Stolz, SPD-Landratskandidat und Noch-Bürgermeister von Gelnhausen, sieht den Sinn eines Nachtflugverbots darin, dass man sich daran hält und nicht beginnt, dieses aufzuweichen. Er erinnert daran, dass die Forderung vieler Anrainerkommunen und des Main-Kinzig-Kreises lautet, die Nachtruhe um zwei Stunden auszuweiten. Die 2011 von der Deutschen Flugsicherung vorgenommene Absenkung des Landesanflugs auch über dem Kreisgebiet und die Eröffnung der neuen Nordwest-Landebahn haben für die Menschen im Main-Kinzig-Kreis über die bisherige Fluglärmbelastung hinaus „eine neue Betroffenheit geschaffen“, so Stolz.

Die aktuelle Begründung der Fraport für eine Aufweichung des nächtlichen Flugverbots ist auch für die IGF nicht verhandelbar. „Mit dem Flughafenbau sind mehr als 70 000 Menschen allein im Main-Kinzig-Kreis der verstärkten Fluglärmbelastung ausgesetzt, und das chronisch“, so IGF-Vorsitzender Eric Ludwig. Das wegen des Juli-Gewitters so viele Passagiere auf Rhein-Main übernachten mussten, ist laut Ludwig auch der Planung der Fraport zuzuschreiben. „Immer mehr Flüge werden an die Tagesrandzeiten platziert, was aber nur unter optimalen Bedingungen reibungslos funktioniert.“ Komme es zu einer Verzögerung, breche das Gefüge auseinander. „Das ist schlicht eine Fehlplanung der Fraport, unter der lärmbetroffene Bürger nicht leiden dürfen“, sagt Ludwig, der wie andere aus der IGF an der Montagsdemo in Terminal 1 teilnimmt.

Denn nicht nur gegen den Status quo wird dort protestiert, auch gegen eine weitere Steigerung der Flugzahlen. Dies könnte etwa durch das umstrittene Terminal 3 erfolgen, in dem jährlich rund 15 Millionen Fluggäste abgefertigt werden sollen, so viel wie derzeit auf dem Hamburger Airport. Zach sieht in dem Bau nicht nur zu wenig Widerstand der Landes-Grünen, sondern auch eine unnütze Investition. „Die Fluggastzahlen bewegen sich nach unten“, sagt er.

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