Nachbesserungen kommen an

Wetterau Kinderförderungsgesetz muss sich im Alltag noch bewähren

Von Peter Hauff

Im Wetteraukreis gibt es derzeit schon 2180 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren. Das sind immer noch 620 Plätze zu wenig, um das erklärte Ziel der Landesregierung zu erfüllen, dass möglichst viele Eltern ihren Rechtsanspruch auf Betreuungsplätze in einer Kindertagesstätte einlösen können.

Bis Januar nächsten Jahres will der Wetteraukreis die Ausbauquote von derzeit 31 auf 39 Prozent steigern. Zurzeit kann weniger als jedes dritte Kind unter drei Jahren betreut werden, wenn seine Eltern arbeiten, entweder zu Hause von Tagesmüttern oder in einer Tagesstätte.

Hinter diesen Zahlen steckt noch viel Arbeit, die vor allem auf den Schultern vieler Kommunen liegt. Sie müssen den Ausbau stemmen. Die Wogen um das eben im Landtag beschlossene Kinderförderungsgesetz (Kifög) scheinen sich indes gelegt zu haben. „Unter dem Strich werden viele Einrichtungen, die Kinder betreuen, mehr Geld vom Land bekommen“, vermutet Ruth Homann, Leiterin der Kindertagesstätte Arche Noah in Bad Vilbel. Die deutliche Kritik an vielen Details des „Kifög“ habe sich gelohnt, sagt die Betreuerin. Die Zahl der geplanten Kinder pro Gruppe sei nun weniger groß als befürchtet, sagt Homann. Auch die finanzielle Berücksichtigung von Öffnungszeiten sei eine sinnvolle Nachbesserung. „Es bleibt jedoch die Frage, wie Kommunen reagieren, sobald das Gesetz tatsächlich in Kraft tritt“, warnt die Praktikerin.

Ob der Personalschlüssel bei Mitarbeiterinnen pro Kind steigt oder sinkt, liegt in der Hand der Bürgermeister und Stadträte. Ein dickes Fragezeichen steht auch hinter einem Rahmenvertrag für Integrationsmaßnahmen, der noch fehlt: Darf eine Gruppe mit fünf Behinderten im Hort bis zu 25 Kinder groß sein? Je größer solche Gruppen, desto schwerer fällt Erziehern integrative Arbeit.

Auf mehr Geld von der Landesregierung freut sich jedenfalls auch Bürgermeister Guido Rahn (CDU) in Karben: „Es hätte mehr sein dürfen, aber die Abstimmung mit Verbänden war wohl schwierig,“ sagt er. Hätte die Stadt früher vom Kifög einschließlich jetzt geplanter Verbesserungen erfahren, hätte auf die im letzten Jahr beschlossenen Gebührenerhöhungen wohl verzichtet werden können.

Karben bietet derzeit rund 160 Plätze zur Kinderbetreuung an. Die Qualität der Horte und Tagesmütter soll auch in Zukunft nicht sinken, verspricht Rahn: „Schon heute setzen wir freiwillig mehr Personal ein als vorgeschrieben.“ Pro Gruppe mit zehn Kindern zahlt die Stadt rund 120000 Euro Zuschuss.

Gegenüber solchen Summen fielen durch das geplante Kifög winkende Mehreinnahmen von 50000 bis 100000 Euro kaum ins Gewicht, schildert Rahn. Weniger als ein Sechzehntel des Defizits werde sich damit decken lassen. Trotzdem wird Karben seine Gebühren wohl so schnell nicht erhöhen, aus Rücksicht auf Eltern.

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