Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Linsengericht, Heimat für 9800 Menschen, feiert 40-jähriges Bestehen.
+
Linsengericht, Heimat für 9800 Menschen, feiert 40-jähriges Bestehen.

Der Nachbar heißt Bößgesäß

40 Jahre nach der Gründung gehen die Einwohner von Linsengericht gelassen mit dem Namen um - wäre es damals nach den Bürgern gegangen, hieße die Gemeinde heute Birkenhain. Doch das verbot das Land Hessen.

Von Jörg Andersson

Fünf Ortsteile, verschmolzen zu einer Gemeinde, deren Name historisch, aber vor allem humorvoll daherkommt: Linsengericht. Der Ort, Heimat für 9800 Menschen an den ersten sanften Spessarthängen im Süden Gelnhausens, feiert sein 40-Jähriges Bestehen.

Für Auswärtige erscheint die Bezeichnung skurril, das eines der Ortsteile Eidengesäß heißt, machts nicht besser. Doch die Einheimischen nehmen das längst gelassen. „Man braucht Humor“, sagt Heinz Breitenbach. Der Vizebürgermeister und Kreistagsabgeordnete für die Freien Wähler kontert spöttische Bemerkungen gelassen, wie viele in der Gemeinde. Zum 40. Geburtstag hat sie ein Kochbuch mit Linseneintopf-Rezepten aus aller Welt herausgegeben.

Dabei ist der Name der Kommune wohl keineswegs kulinarischen Ursprungs. Mit der Geschichte Linsengerichts kennt sich der 87-jährige Alt- und Ehrenbürgermeister Hubert Breidenbach aus. Er war 20 Jahre lang Rathauschef in Altenhaßlau und verweist auf mehrere Theorien über die Entstehung des Namens. Gewiss ist eins: „Wir waren im Volksmund schon immer die Linsengerichter.“ Offiziell wurde der Name 1970, als sich Altenhaßlau, Eidengesäß, Geislitz, Großenhausen und Lützelhausen zusammenschlossen. Die Geschichte des Ortes reicht allerdings bis ins Mittelalter zurück und ist verbunden mit der Gründung eines Gerichts. Erstmals urkundlich erwähnt 1240. Recht gesprochen wurde laut Breidenbach unter einer Linde – der Gerichtslinde. Daraus könnte im Lauf der Zeit Linsengericht entstanden sein. Eine andere Theorie besagt, dass hier früher viele Hülsenfrüchte – Linsen – angebaut wurden. Diese seien als Steuern an die kaiserliche Reichsstadt Gelnhausen gezahlt worden.

Ehrenbürgermeister Breidenbach war bei der Gemeindefusion 1970 dabei. Mehrere Jahre wurde über den Zusammenschluss diskutiert. Die Fusion war schneller beschlossen als der Name. „Nicht alle waren glücklich damit“, erinnert sich Breitenbach und fügt eine Anekdote hinzu.

Er sei leidenschaftlicher Bergwanderer und habe sich nach der Gemeindetaufe in einem Gipfelbuch verewigt mit: „Hubert Breidenbach, Bürgermeister, Linsengericht.“ Eine Gruppe Jugendlicher habe in das Buch geschaut. Plötzlich prustete ein Mädchen los: „Guckt mal, da hat jemand geschrieben, was er gegessen hat!“

Bürgermeister und Gemeindevertreter befragten schließlich sogar die Bürger. Deren Wahl fiel mehrheitlich auf Birkenhain, wie die historische Handelsstraße heißt, die durch den Ort führt. Doch da spielte das Land nicht mehr mit.

Linsengericht muss seinen Namen behalten, entschied das Land. Breitenbach: „Wiesbaden meinte, Birkenhain sei ein Wald- und Wiesenname.“ Längst haben sich die Linsengerichter an ihren Namen gewöhnt. Der Erste Beigeordnete verteilt in der Regel Einladungen, wenn er mal wieder wegen seines Heimatorts belächelt wird: „Ich nehme denen die Luft raus und sage, dass sie doch einfach mal herkommen sollen. Es ist schön hier, so richtig hessisch.“ Linsengericht hat neben viel Wald vor allem in Altenhaßlau einen weitgehend intakten Ortskern mit viel Sandstein und Fachwerk zu bieten.

In der Nachbarschaft und weiter östlich reihen sich weitere witzig anmutende Orstnamen wie Lieblos, Mauswinkel oder Bösgesäß im Main-Kinzig-Kreis, bei Fulda finden sich Eiterfeld und Poppenhausen. Für Heinz Breitenbach ist klar: „Hier in der Bevölkerung gibt es niemanden, der meint, eine Initiative starten zu müssen, um unseren Namen wieder zu ändern.“ (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare