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Die Einrichtung liegt zentral, in der Nähe einer Kirche.
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Die Einrichtung liegt zentral, in der Nähe einer Kirche.

Nach Gewalttat in Großkrotzenburg: Bürgermeister weist Kritik zurück

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Großkrotzenburgs Bürgermeister Thorsten Bauroth verteidigt nach dem Mord in einer Geflüchtetenunterunft seine Beschäftigten. Doch bei wichtigen Punkten gibt es Widersprüche.

Großkrotzenburgs Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos) hat auf FR-Anfrage alle gegen ihn und seine Mitarbeiter erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Diese hätten zum Beispiel „glaubhaft versichert“, dass sich der mutmaßliche Täter ihnen gegenüber nie auffällig, sondern stets ruhig verhalten habe. Er sei seinen Tätigkeiten in der Unterkunft „ohne Anlass zu Beanstandungen“ nachgekommen. Sie dementieren, darauf hingewiesen worden zu sein, dass er gefährlich sei und ein Messer bei sich trage.

Den von der Staatsanwaltschaft untersuchten Vorwürfen, etwa der Körperverletzung und Vorteilsnahme, hätten die Beschäftigten unter anderem in einer schriftlichen Erklärung klar widersprochen. Es sei jetzt Aufgabe der Ermittlungsbehörden, für Aufklärung zu sorgen, so Bauroth.

Ob der Notausgang nicht richtig funktioniert habe, sei unklar. Gemeindemitarbeiter:innnen, die regelmäßig in der Unterkunft seien, hätten zuvor aber keinen Defekt festgestellt. Mängel hätten die beiden in der Kritik stehenden Beschäftigten stets der Bauverwaltung gemeldet.

Auf die Frage, ob die Gemeinde die Vorgeschichte des Angeklagten kannte, entgegnet Bauroth: „Nein.“ Kommunen erhielten nur „rudimentäre Angaben“ zu den ihnen vom Main-Kinzig-Kreis zugewiesenen Personen.

Nach dem Tötungsdelikt habe er sich, betont Bauroth, um die Geflüchteten gekümmert, etwa die Notfallseelsorge organisiert und den Kreis um Unterstützung in der akuten Situation gebeten, woraus ein Angebot der Johanniter Unfallhilfe vor Ort resultiere.

Den Vorwurf der Günstlingswirtschaft weist Bauroth ebenfalls zurück. Die zwei Mitarbeiter seien unter seinem Vorgänger Friedhelm Engel (CDU) eingestellt worden. Sie hätten sich bewährt, gut gearbeitet. Die Beförderung von einem der beiden sei auch nicht zu beanstanden: Es handele sich nicht um eine „Stelle“, sondern um eine „Funktion“. Diese folge „der alleine von mir zu vollziehenden Organisation der Verwaltung“. Seiner Ansicht nach hätte er die Funktion nicht ausschreiben müssen, was die Kommunalaufsicht auch so sehe.

Auf die Zulagen, die im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst geregelt seien, hätten die Beschäftigten einen Rechtsanspruch gehabt. Die Rufbereitschaft sei notwendig und günstiger als ein Sicherheitsdienst.

Bauroth fügt hinzu, dass Bewohner vorgesprochen hätten, „die es mehr als bedauern“, dass die beiden Gemeindemitarbeiter keinen Dienst mehr in der Unterkunft machen und damit „ein über Jahre gut funktionierendes System kaputt gemacht wird“.

Allerdings beantwortet Bauroth eine ganze Reihe wichtiger Fragen nicht, etwa jene nach der Qualifikation der Beschäftigten.

Hinzu kommt, dass der Main-Kinzig-Kreis Bauroth in wichtigen Punkten widerspricht: Demnach hat die Gemeinde „vor Unterbringung alle relevanten Informationen erhalten“, Name, Geburtsdatum, Nationalität, Aufenthaltsstatus sowie „alle unterbringungsrelevanten Besonderheiten“ – auch Informationen über die vorherige Haft und die Gründe. Die Mitbewohner seien „im Sinne der Rechtsstaatlichkeit“ nicht darüber informiert worden, um eine Vorverurteilung zu verhindern. Die Entscheidung, den Verdächtigen in der Sammelunterkunft unterzubringen, sei in der Kommune gefällt worden, wobei der Kreis zu bedenken gibt: Es lasse sich nicht seriös beurteilen, ob eine dezentrale Unterbringung eine solche Straftat verhindert hätte. Es habe jedoch eine enge Abstimmung mit der für Prävention zuständigen Bewährungshilfe gegeben, zu der „sowohl die Gemeinde wie auch der Geflüchtete regelmäßig Kontakt hatte“. gha

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