Komponist Rolf Rudin und Cellistin Edith Grünwald sind gespannt auf die Uraufführung.
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Komponist Rolf Rudin und Cellistin Edith Grünwald sind gespannt auf die Uraufführung.

Main-Kinzig-Kreis Musikschule

Wie Musik lebendig wird

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Die Musikschule Schöneck-Nidderau-Niederdorfelden spielt neue Werke von Rolf Rudin. Mehr als 100 junge Musiker wirken an der Uraufführung in Nidderau mit.

Die Musikschule Schöneck-Nidderau-Niederdorfelden spielt neue Werke von Rolf Rudin. Mehr als 100 junge Musiker wirken an der Uraufführung in Nidderau mit.

Edith Grünwald strahlt, sie kann es kaum erwarten. „Das ist sehr spannend“, sagt die 19-jährige Cellistin. Sie wird in gut einer Woche bei einer Weltpremiere mitwirken: Eine große Besetzung der Musikschule Schöneck-Nidderau-Niederdorfelden – darunter das Sinfonieorchester, das Ensemble Cellyptica, die Bläserklasse – wird dann erstmals neue Werke des Komponisten Rolf Rudin spielen. Und der Cantemus-Kammerchor wird singen. Der unter anderem mit dem Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises ausgezeichnete Rudin hat fast alle Stücke in diesem Jahr geschrieben. Öffentlich und mit allen Instrumenten und Stimmen sind sie noch nicht erklungen.

Für Grünwald, die seit mehr als zehn Jahren Cello spielt und Schulmusik studieren will, ist es auch eine persönliche Premiere: „Ich habe noch nie mit einem lebenden Komponisten zusammengearbeitet“, sagt Grünwald und lacht. Ihr gehen schon jetzt viele Fragen durch den Kopf: „Wie stellt er sich sein Werk vor? Wie können wir es interpretieren? Was hat er sich beim Komponieren gedacht?“

Das ist der Sinn des Projekts: Dass ein Komponist und junge Instrumentalisten und Sänger zusammentreffen und sich über Musik austauschen. „Und erfahren, wie Musik entsteht, wie tote Notenschrift lebendig wird“, sagt der in Erlensee lebende Rudin, der etwa 90 Werke komponiert hat, und fügt hinzu: „Musik lässt sich eben nicht einfach downloaden.“ Dem fertigen Werk gehe ein intensiver Schaffensprozess voraus. Auch das soll spürbar werden.

Rudin ist auf die Aufführung genauso neugierig wie die Nachwuchstalente und betont: „Jeder gute Komponist hat offene Ohren, die auf Anregungen warten. Meine Stücke sind nicht in Stein gemeißelt.“ Es interessiere ihn, wie die jungen Frauen und Männer seine Musik wahrnehmen und verarbeiten. Womöglich werde er an der einen oder anderen Stelle Tempo oder Artikulation ändern.

Den Anstoß zu dem Projekt gab der langjährige Kulturbeiratsvorsitzende Horst Körzinger. Er hatte Rudin einst für den Kulturpreis des Kreises vorgeschlagen und regte eine Zusammenarbeit mit dem Celloensemble an, das den Preis ebenfalls erhalten hatte. Nach Gesprächen mit Schulleiter Michael Winterling und Dirigent Christoph Müller wurden weitere Gruppen eingebunden. „Nach und nach wurde das Projekt größer und größer“, erinnert sich Winterling. Das Ergebnis: An der Uraufführung werden mehr als 100 junge Musiker mitwirken, die meisten davon zwischen 12 und 25 Jahren.

Die neuen Stücke tragen Namen wie „SMS“, „silent message“ oder „curiosity“. Aufmerksamkeit und Kommunikation sind thematische Klammern. „Die Werke sind unglaublich vielfältig. Mal getragen, mal kraftvoll“, sagt Edith Grünwald. Und freut sich darauf, Teil einer Uraufführung zu sein.

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