Hanau

Ein Museum ist wie eine Eisdiele

Hanau Victoria Asschenfeldt will mit neuen Ideen alle glüklich machen, die herauskommen

Victoria Asschenfeldt soll eine neue Epoche in der Hanauer Museumslandschaft herbeiführen. Die 43-Jährige wird eine neu geschaffene Stabstelle mit dem Titel „Profil- und Sammlungsstrategie Hanauer Museen“ bekleiden. Die Aufgabe ist zunächst auf zwei Jahre befristet. Die promovierte Historikerin und Germanistin leitet seit März 2017 das Hessische Puppen- und Spielzeugmuseum in Hanau-Wilhelmsbad. Diese Funktion wird sie auch weiterhin inne haben, teilte gestern Oberbürgermeister und Kulturdezernent Claus Kaminsky mit. Genauso werden die anderen Museen der Stadt ihre Leitung behalten. Asschenfeldt wird von Verwaltungsaufgaben befreit, so dass ihr Talent nicht damit vergeudet werde, so der OB.

„Ein Museum ist wie eine Eisdiele, jeder der dort herausgeht, ist glücklich“, beschreibt Asschenfeldt ihr Motto, dass sie an ihren bisherigen Arbeitsplatz offenbar gut umsetzt. Dass das kleine Museum im Staatspark Wilhelmsbad mit 20 000 Gästen im Jahr das besucherstärkste ist, noch deutlich vor dem Museum Schloss Philippsruhe (14 000), blieb nicht unbemerkt. „Asschenfeldt hat das Puppen- und Spielzeugmuseum mit neuen Ideen angepackt und nach vorne gebracht“, sagte Kaminsky. Vor ihrer Einstellung in Hanau war sie 18 Jahre in Hamburg an Museen etwa als Kuratorin und erstellte Besucherprogramme für 24 Museen.

In ihrer neuen Funktion will sie das Bewusstsein der Bürger für die Museen in der Stadt und die Geschichte fördern. In gewisser Weise als Vorleistung auf die Stabstelle hat sie im vergangenen Jahr mit den Fonds für kulturelle Bildung aufgelegt, etwa für Schulklassen. Zudem betreut sie das Projekt „Radwerk“ in Klein-Auheim, das mit seinem „neuen Format“ ein Pilotprojekt für künftige Ausstellungen sein könnte. In der Halle einer ehemaligen Druckerei wird ein Heimatmuseum eingerichtet, das neben der Ortsgeschichte die wohl weltgrößte Sammlung von einst in Klein-Auheim produzierten Bauer-Fahrrädern und Mopeds gezeigt. Als weitere Mitspieler wurden etwa ein Traktorenverein und ein örtlicher Fahrradladen aufgenommen. Das Ausstellungskonzept hat der Geschichtsverein entworfen.

Die breite Partizipation kommt auch bei Grimms-Märchenreich zur Geltung, das im April in Schloss Philippsruhe eröffnen wird. Hierbei wird etwa ein Kinderkomitee zu Rate gezogen. „Die Kinder haben uns geerdet bei der Beschriftung der Objekte“, sagte Kuratorin Nina Schneider. Bei der Auswahl der Kostüme, die die jungen Besucher überziehen können, wurde ebenso das Komitees befragt.

Asschenfeldt wird zudem alle Sammlungen, auch die des Hanauer Geschichtsverein 1844 und der Stadtbildstelle, zusammenbringen, inventarisieren, und digitalisieren und in einem Zentraldepot unterbringen. Exponate könnten so einfacher in Ausstellungen aufgenommen werden und Interessenten werde ein digitales Museum geboten, erklärte sie. Veränderungen soll es auch bei den permanenten Schauen geben. Die Dauerausstellungen an den Museen müssten dynamischer und im Umfang kleiner werden, sagte Asschenfeldt. Sie sprach von einem künftigen „Museum 4.0“ für Hanau.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare