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Mord zwischen zwei Gängen

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Von: Pamela Dörhöfer

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Da lebte  die arme Sophie noch.   Szene aus dem Krimi-Dinner.
Da lebte die arme Sophie noch. Szene aus dem Krimi-Dinner. © Hoyer

Das Stück „Wilhelmsbader Leichenschmaus“ feiert Premiere im Arkadensaal. Doch leider gibt es beim „Krimi-Dinner“ des Hanauer Ensembles „eratheco“ lange Pausen und wenig Esprit.

Landgraf Wilhelm von Hessen-Kassel, hoch geschätzt als Bauherr bezaubernder Kuranlagen, war kein allzu sympathischer Zeitgenosse – folgt man der Darstellung von Detlev Nyga im „Wilhelmsbader Leichenschmaus“: Der vornehme Herr machte demnach mehrere Frauen parallel unglücklich, war freiheitlichen Gedanken gegenüber wenig aufgeschlossen, sein Bruder Karl traute ihm gar zu, beim Ableben des Vaters nachgeholfen zu haben.

Um den Tod des seligen Herrn geht es indes nicht beim „Krimi-Dinner“ des Hanauer Ensembles „eratheco“, das am Freitag im Wilhelmsbader Arkadensaal Premiere hatte: Dienstmädchen Sophie scheidet dahin, nachdem sie aus einem vergifteten Glas getrunken hat – das ursprünglich allerdings für den Landgrafen bestimmt war.

Weil die Polizei nicht erscheint (die Beamten liegen nach dem Genuss eines ebenfalls vergifteten Bratens darnieder), ermittelt die Tischgesellschaft selbst; auch das Publikum ist angehalten, mitzuraten. Verdächtig sind eigentlich alle, die sich um die große Tafel in der Mitte tummeln: Karl von Hessen-Kassel (Oscar U.Ehrlich), weil er ewig im Schatten des Bruders steht, Wilhelms neuadelige Mätresse (Natalie Raggi), weil ihr Liebster sie auch mit dem Dienstmädchen betrog, Ehefrau Wilhelmine Karoline (Claudia Brunnert) daher sowieso und Baronesse Hélène (Nadine Buchet), weil sie mit der Auflösung alter Hierarchien liebäugelt und die Politik des Landgrafen deshalb ablehnt.

Die Spielszenen wurden den Zuschauern als Häppchen zwischen den vier Gängen eines geschmacklich soliden Menüs des Dreieicher Caterers „Campus Culinarius“ serviert. Der kürzlich restaurierte Kurhaussaal bot eine herrliche Kulisse mit allerdings leicht fahlem Licht aus prächtigen Kronleuchtern. Dass der Krimi nicht wirklich zu fesseln vermochte, lag aber vor allem an der Inszenierung von Marc Ermisch: Es passierte wenig und wurde viel erzählt, überdies waren die Pausen zwischen den Akten zu lang.

Insgesamt fehlten dem Stück Esprit und Spritzigkeit, trotz interessanter Charaktere wirkte die Historie leider auch wie ein Korsett. Vor allem Claudia Brunnert und Nadine Buchet ist zu verdanken, dass die Handlung nicht in gediegener Langeweile dahin plätscherte: Sie brachten als zickig-resignierte Gattin und burschikos-freigeistige Baronesse Leben ins etwas steife Geschehen.

Die weiteren Termine am 21. und 22. Januar sind bereits ausverkauft.

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