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Freigericht-Viertel
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Freigericht-Viertel

"Soziale Schieflage"

6,5 Millionen für das Freigericht-Viertel

Hanau betreibt die Aufnahme des Freigericht-Viertels in das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt. Das könnte einen Entwicklungsschub auslösen - ohne dass es die Stadt viel kostet.

Von Alexander Polaschek

"Mit Geld aus den Fördertöpfen können wir Straßen, Gebäude, Grünanlagen und Spielplätze aufwerten“, verspricht Stadtrat Axel Weiss-Thiel (SPD). Er will in den nächsten Jahren rund 6,5 Millionen Euro in das Freigericht-Viertel investieren. Es gelte, den Stadtteil im Südosten Hanaus aus seiner „sozialen Schieflage“ zu befreien. Die Chance, dies für die Stadtkasse einigermaßen kostenverträglich zu bewerkstelligen, sieht der Sozialdezernent in dem Zuschussprogramm „Soziale Stadt“, das zu zwei Dritteln von Bund und Land finanziert wird.

Das Freigericht-Viertel ist ein historisch gewachsenes Arbeiterquartier, dessen Entstehung eng mit der Industrialisierung Hanaus verbunden ist. Dort gibt es wenig anheimelnde, hässliche Straßenzüge, Bahngleise und Industrieanlagen. Das Areal zwischen Leipziger Straße und Birkenhainer Straße ist geprägt von dichter Bebauung mit vielen Wohnblocks. Ein Teil der Wohnungen sei deutlich überaltert und entspreche längst nicht mehr den aktuellen Standards und Bedürfnissen vor allem von Familien mit Kindern, wie der Stadtrat bilanziert. Auch fehle es an Grün- und Freiflächen.

Mit Tristesse und baulichen Mängeln geht einher, dass die Bevölkerungsstruktur längst aus den Fugen geraten ist: Mehr als 60 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner haben einen Migrationshintergrund, viele sind arbeitslos und beziehen öffentliche Transferleistungen. Weiss-Thiel spricht von einem „Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf“, und der Magistrat stimmt ihm zu. Das Freigericht-Viertel erfülle „nahezu idealtypisch die Voraussetzungen für eine Aufnahme in das Bund-Länder-Programm“, hat das Gremium jetzt den Förderantrag und damit auch die Investition von voraussichtlich 2,17 Millionen Euro aus städtischen Mitteln befürwortet. Die Stadtverordneten sollen das am 24. Januar besiegeln.

Freizeitgelände als Auftakt

Um das Abrutschen des Quartiers aufzuhalten, sollen in einem mehrjährigen Programm die Missstände behoben werden. Als erstes Projekt schlägt der Stadtrat vor, die Freizeitanlage an der Limesstraße herzurichten. Sie sei heute „wenig attraktiv“. Ein Konzept von angehenden Landschaftsarchitekten der Fachhochschule Geisenheim liege bereits vor.

Funktionieren kann ein Konzept aber nur dann, wenn die Menschen es akzeptieren und mitarbeiten. Neben der städtebaulichen Aufwertung will Weiss-Thiel auch soziale Infrastruktur und stadtteilbezogene Kultur verbessern. Es gelte, für mehr Bürgerbeteiligung zu sorgen, um die Identifikation der Menschen mit ihrem Viertel zu stärken.

Die Startbedingungen für das Programm scheinen in Hanau gut, da die Stadt bereits in den vergangenen Jahren mit zwei Soziale Stadt-Projekten Erfahrungen sammeln konnte. So hat das ehemals berüchtigte Lamboy-Viertel während des Förderzeitraums von 1999 bis 2010 sein Gesicht gründlich gewandelt. Die Stadtverwaltung hat ausgerechnet, dass insgesamt 18,5 Millionen Euro in den Stadtteil flossen – der Löwenanteil kam von privaten Investoren. Die Stadt wendete 1,5 Millionen Euro auf, von Land und Bund kamen 2,9 Millionen.

Seit 2001 ist die südliche Innenstadt Fördergebiet. Unter anderem entstanden dort ein Bürgerpark und mehrere kleine Plätze. Die nachhaltig positive Wirkung dieser Projekte führt Weiss-Thiel vor allem auf die intensive Einbeziehung der Bevölkerung zurück. Als Schnittstelle zwischen Rathaus und Bürgern dienen dabei die obligatorischen Stadtteilläden.

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