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Sucht neuen Spitzenkoch: das Restaurant Hessler.

Maintal

Die Küche bleibt vorerst kalt

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Sterne-Restaurant Hessler ist geschlossen / Nachfolger gesucht

Es zählte zwar nicht zu den großen Gourmettempeln der Republik, aber mehr als ein Geheimtipp war es schon. Das Sterne-Restaurant Hessler hat dieser Tage den Betrieb eingestellt – vorübergehend. Besitzer Ludwig Hessler sucht einen Käufer, der das Hotel weiterführt und auch das Restaurant wieder eröffnet.

Der bisherige Pächter und Chefkoch Markus Medler hat für sich keine Chance gesehen, das Haus weiter zu führen, das sich seit 1979 ohne Unterbrechung mit einem Michelin-Stern sowie zuletzt mit 16 Punkten des Gault Millau schmücken dufte. Ende April richtete Medler noch ein festliches Abschiedsessen mit vielen Gästen aus, seitdem befindet er sich in Elternzeit mit seinem jungen Kind, vorerst für zwei Monate.

„Ich lasse mir alle Optionen für neue Ideen offen“, sagt er der Frankfurter Rundschau. Medler kann sich eine berufliche Zukunft auch ohne Michelin-Stern vorstellen. Der Fuldaer, der sich etwa bei Dieter Müller in Bergisch Gladbach seine Meriten erkochte, will sich nicht mehr um jeden Preis dem Druck des Sterns aussetzen.

Seit 2006 war er bei Hessler für das Kochen zuständig. Die ersten zwei Jahre als Küchenchef, dann sechs Jahre zusätzlich als Patron des Restaurants, zu dem auch ein kleines Hotel gehört. Der Hotelbetrieb geht weiter.

Gern hätte der 41-jährige Medler mit den zehn Beschäftigten einschließlich Sommelier Johannes Dieker weiter gemacht. „Das Haus steht gut da. Alle Rechnungen sind bezahlt“, sagt er. „Wir haben uns ohne Groll getrennt“, sagt Markus Medler über Ludwig Hessler. Doch letztlich ist die Fortsetzung am Geld gescheitert. Besitzer Hessler habe eine zu hohe Pacht verlangt, sagt Medler.

Der bisherige Vertrag sei über fünf Jahre abgeschlossen und noch um ein Jahr verlängert worden. Medler hätte das Objekt ebenso kaufen können. Aber auch hier war ihm der Preis zu hoch. Zahlen zur Pacht und zum Kauf will der Koch nicht nennen.

Hesslers Forderungen seien auch deshalb zu hoch, weil investiert werden müsse. „Die Einrichtung des Restaurants ist noch sehr schön, aber in die Jahre gekommen“, sagt Medler. Das plüschige Interior sei nicht mehr zeitgemäß, meint er und erklärt, dass das Haus so keine Perspektive für die nächsten 20 Jahre habe. Hinzu komme, dass eine energetische Sanierung überfällig sei.

Begnadete Köchin

Der fast schon legendäre Ruf des Restaurants geht auf Ludwig Hesslers Frau Doris-Katharina zurück. Die einstige Verwaltungsfrau im Frankfurter Römer galt als begnadete Köchin und stieg 1976 als Autodidaktin in das Restaurant ein. 1979 zählte sie zu den ersten Frauen in Deutschland mit einem Stern des Guide de Michelin. Sie verbreitete ihr Können in Büchern und im Fernsehen. Im Juni 2004 verstarb sie unerwartet im Alter von 55 Jahren.

Um das Haus nicht komplett zu schließen, hält Hessler nun das Hotel selbst am Laufen. Nach dem Verkauf des Hauses wolle er sich wieder zurückziehen, sagt er. Mit einem Interessenten werde bereits verhandelt. Hessler geht davon aus, dass in dem Restaurant schon bald wieder Gäste speisen werden. Ob mit oder ohne Stern sei ungewiss, aber „mindestens auf sehr gehobenen Niveau“, sagt Hessler.

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