Jambya aus dem Jemen, Ende 19. Jahrhundert.
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Jambya aus dem Jemen, Ende 19. Jahrhundert.

Hanau

Messerscharf und filigran

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Das Goldschmiedehaus in Hanau stellt in seiner jüngsten Sonderschau „Orientalische Blankwaffen“ aus. Im Fokus stehen die filigranen Ornamente der aus Silber bestehenden Scheiden und Hefte der Jambya, wie Krummmesser etwa in Jemen, Saudi-Arabien oder der Türkei genannt werden.

Respekteinflößend wirken die breiten, langen Klingen, die an ihrem unteren Drittel einen mehr oder weniger deutlichen Knick aufweisen, um dem Gegner schnell eine schmerzhafte oder tödliche Verletzung zuzufügen. Doch die zum Teil beidseitig geschliffenen Schneiden der 100 Krummdolche, die das Deutsche Goldschmiedehaus, in der jüngsten Sonderschau „Orientalische Blankwaffen“ zeigt, sind nicht das Thema.

Im Mittelpunkt stehen die filigranen Ornamentierungen der aus Silber bestehenden Scheiden und Hefte der Jambya, wie Krummmesser etwa in Jemen, Saudi-Arabien oder in der Türkei genannt werden, sowie der aus Marokko stammenden Koumya. Die Exponate, die eine hohe Handwerkskunst erkennen lassen, stammen aus der Sammlung von Andreas F. Russegger.

Tradition und sozialer Status verbinden Jambya und Koumya seit Jahrhunderten bis heute. Der Krummdolch gehört in der arabischen Welt zur Tracht des Mannes und ist ein Statussymbol. Der Dolch wird heute zumeist bei Festen und zeremoniellen Anlässen getragen – nicht nur von Männern. Zum Erwachsenwerden eines Knaben gehört der Krummdolch oft schon früh dazu wie anderswo der Bausparvertrag.

Die Botschaft, die eine Jambya oder Koumya über ihren Träger verbreiten soll, heißt neben Wehrhaftigkeit, Wohlstand und Stammeszugehörigkeit. Aus diesem Grund wird die Jambya gut sichtbar vor dem Bauch am Gürtel getragen. Nicht minder präsentativ wird die Koumya gezeigt, sie befindet sich an einem quer über den Oberkörper hängenden Bandolier, dieser besteht wie der Gürtel oft ebenfalls aus kunstvollen Leder- oder Stoffarbeiten.

Auffällig bei einem traditionellen Krummdolch ist seine am unteren Ende oft stark angewinkelte Scheide, die an dieser Stelle nicht mehr von der Klinge ausgefüllt wird. Laut Museumsleiterin Christianne Weber-Stöber ist die Form vermutlich als Andeutung auf die Männlichkeit des Besitzers zu verstehen.

Viele der besonders kunstvollen Scheiden seien häufig nach Wunsch des Käufers angefertigt worden. Dabei seien im besonderen Maße Silber, Münzen aus Edelmetall für die Scheide sowie etwa teures Rhinozeroshorn für das Heft verarbeitet worden. Die Gestaltung zeugt von überbordender Ornamentik und religiösen Motiven wie Fatimas Hand. Heimische Handwerker übernahmen die Arbeit. Nur bei der Klinge soll man sich oft aus französischer Importware bedient haben, wegen der höheren Stahlqualität.

In der Schau sind Krummdolche aus dem 19. und 20. Jahrhundert zu sehen. Sie stammen etwa aus Oman und dem Jemen, dort sollen auch heute noch Männer nicht ohne die Jambya das Haus verlassen, wohl weniger zur Sicherheit, sondern zur täglichen Zierde. Nicht selten wird daher das reichlich dekorierte orientalische Kampfmesser im Schmuckladen feilgeboten, gleich dem Geschmeide für die Frauen.

Orientalische Blankwaffen, Deutsches Goldschmiedehaus, Altstädter Markt, ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet und dauert bis 28. September.

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