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Blühende Landschaft mit „Main.Kinzig.Blüht.Netz“, wenn auch wie hier auf ein paar Quadratmetern am Bushalt in Dörnigheim.
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Blühende Landschaft mit „Main.Kinzig.Blüht.Netz“, wenn auch wie hier auf ein paar Quadratmetern am Bushalt in Dörnigheim.

Main-Kinzig

Mehr Flächen für Insekten im Main-Kinzig-Kreis

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Der Landkreis sucht für das Projekt „Main.Kinzig.Blüht.Netz“ ehrenamtliche Blühbotschafter:innen, die dafür sorgen, dass Insekten bald wieder mehr zu fressen finden.

Der Main-Kinzig-Kreis will in den nächsten Jahren bis zu 60 Blühbotschafter:innen ausschwirren lassen. Sie sollen Kommunen, Landwirte oder Privatpersonen davon überzeugen, wie wichtig Blühpflanzen für den Insekten- und Vogelbestand sind. Jüngst haben 15 Personen mit der Ausbildung für dieses Ehrenamt begonnen. Die Botschafter:innen für Insektenvielfalt sind Teil eines neuen Projekts des Kreises in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband Main-Kinzig, das die Bezeichnung „Main.Kinzig.Blüht.Netz“ trägt. Es baut auf das seit vier Jahren bestehende „Main-Kinzig blüht“ auf und wird bis 2025 aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt mit 1,46 Millionen Euro gefördert.

Die Langzeitstudie des Entomologischen Vereins Krefeld brachte es 2017 zutage. Über drei Jahrzehnte hinweg sind in Deutschland je nach Region bis zu knapp 80 Prozent der Fluginsekten verschwunden. Eine Unterstützung der Universität München bestätigte 2019 das Ergebnis und nannte drei Hauptursachen: den Chemieeinsatz in der Landwirtschaft, die Neozoen, also gebietsfremde Tiere, sowie das Zubetonieren und -asphaltieren der Landschaft.

DAS PROJEKT

Im September 2020 hat der Main-Kinzigkreis den Start von „Main.Kinzig.Blüht.Netz“ bekanntgegeben.

Beteiligt ist der Landschaftspflegeverband und das Bundesumweltministerium, das zur Finanzierung beiträgt. Die Förderung läuft bis 2025.

Zu Blühflächen sollen „linienhafte“ oder Restflächen gemacht werden, etwa Wegränder oder Böschungen, so dass ein Verbund entsteht.

Blühbotschafter:innen sollen beim Flächenerschließen helfen.

Jeder kann sich zur/zum Blühbotschafter:in ausbilden lassen. Infos unter Telefon 06051 / 851 56 27. sun

Mit dem Projekt soll dem Insektensterben entgegengesteuert werden. In den kommenden Jahren sollen im Kreisgebiet bis zu 500 Blühflächen verschiedener Größe entstehen, von wenigen Quadratmetern an einem Bushalt bis hin zu breiten Randstreifen auf Äckern. Landwirten werden etwa Ansaatmischungen empfohlen, um den Wildpflanzenanteil zu erhöhen. Auflagen etwa hinsichtlich des Einsatzes von Pestiziden auf dem Feld werden hingegen nicht gemacht. Einen finanziellen Ausgleich aus dem Projekt für den entgangenen Ernteertrag können die Bauer nicht erwarten, jedoch ist eine Kompensation aus dem Hessischen Agrarumweltprogramm möglich.

Aktuell sind mit „Main.Kinzig.Blüht.Netz“ 145 Flächen erfasst, davon sind 59 Flächen in der Planung und 28 Flächen in der Umsetzung oder bereits umgesetzt, so der Kreis auf FR-Nachfrage. Zurzeit wird die Gesamtfläche auf knapp 80 Hektar geschätzt. Laut Statistischem Bundesamt entspricht dies der Fläche, die täglich in Deutschland überbaut wird.

Die Blühbotschafter:innen sollen „andere Menschen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt begeistern und zum Mitmachen anregen“, teilt die zuständigen Kreisbeigeordneten Susanne Simmler (SPD) mit. Hierzu werden die Vermittler:innen in einem mindestens 80 Stunden dauernden Lehrgang vorbereitet. Inhalt sind etwa Grundlagen der Biodiversität, Anlage und Pflege von Lebensräumen und Insekten- und Pflanzenkunde. Eine Kursgebühr ist nicht zu zahlen. Die Blühbotschafter:innen erhalten später kein Honorar für ihre Arbeit. Die Ehrenamtlichen werden jährlich in Großgruppen vorbereitet. In der Arbeitsweise wird Eigenständigkeit und Zusammenarbeit mit Projektmitarbeitenden verlangt.

Der in Sachen Blühflächen aktive Naturschutzbund (Nabu) Main-Kinzig bewertet das Projekt als „sehr positive Initialzündung“. Laut dem Vorsitzenden Franz-Josef Jobst werde damit das „Bewusstsein in der Bevölkerung geschärft“. Denn die mit dem Projekt geschaffenen Flächen nutzen allein wenig, wenn nicht Gartenbesitzer wenigsten mit ein paar Quadratmetern mitmachen, so der Nabu. „Es hilft den Vögeln nicht, den schönsten Nistkasten im Garten hinzuhängen, wenn sie dort nichts zu fressen finden“, sagt Jobst.

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