Hanau

„Mann hatte eine so gute Opinion von uns“

Im neuen Buch „Die ‚Hessians‘ im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1776 - 1783)“ werten Historiker unter anderem neu gefundene Aufzeichnungen eines hessischen Leutnants aus – und verbinden damit die Hoffnung auf weitere Forschungen.

Die hessischen Soldaten in Amerika haben ihre Kriegserlebnisse auf Papier festgehalten. Vollständig erforscht sind ihre Tagebücher und Briefe aber noch nicht. Im neuen Buch „Die ‚Hessians‘ im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1776 - 1783)“ werten Historiker unter anderem neu gefundene Aufzeichnungen eines hessischen Leutnants aus – und verbinden damit die Hoffnung auf weitere Forschungen.

Nach einem errungenen Sieg beschreibt der hessische Leutnant Andreas Wiederhold mit Freude, wie es ist, „auf hohen Wällen zu stehen, ein jauchentes ‚Huro!‘ und ‚Gott bleast the King‘ aus vollem Halße – [...] mit ganzer Haut – zu schreyen.“

Wiederholds Begeisterung für den Krieg bestätigen die Meinung der Historiker: Vom zwangsrekrutierten Söldner, der gegen seinen Willen in ein fremdes Land verkauft wird, ist in diesen Zeilen wenig zu spüren. Selbstbewusst notiert Wiederhold, welches Ansehen er und die Hessen erlangt haben: „Mann hatte eine so gute Opinion von uns, daß mann glaubte, wo unsere Brigade wäre, nichts resistirte. [...]. Wir waren alle ein bisgen stolz darauf und dachten es könte nicht fehlen.“

Jede Woche neue Briefe

Die Aufzeichnungen des Leutnants kommen aus dem Archiv der Familie von und zu Gisla. Von dort stammen zahlreiche Tagebücher und Korrespondenzen, die ein lebendiges Bild vom Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg aus hessischer Sicht vermitteln. Historikern ist Wiederhold bereits durch andere Veröffentlichungen aus dem Gisla-Archiv bekannt. Er lebte von 1732 bis 1803 und kam im Jahr der Unabhängigkeit, 1776, nach Amerika, von wo er regelmäßig Briefe nach Hessen aufgab.

Jede Woche konnten die Soldaten neue Briefe an die Heimat auf den Weg schicken, wie Holger Thomas Graef vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde Marburg berichtet. „Eine große logistische Leistung“, sagt er. Auch wenn die Post bis zu zwei Monate unterwegs gewesen sei. Mehr als 200 Jahre später kommen die Briefe nach und nach bei der Forschung an. (mei)

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