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Pflegebedürftig: Nicht wenige Bäume und Wiesen auf dem nördlichen Maintaler Hang benötigen Hilfe.
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Pflegebedürftig: Nicht wenige Bäume und Wiesen auf dem nördlichen Maintaler Hang benötigen Hilfe.

Maintal

Maintal: Kulturlandschaften als Lebensraum erhalten

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig startet ein Sanierungsprojekt für hunderte Streuobstparzellen. Doch mit den Besitzer:innen in Kontakt zu kommen, stellte eine Hürde dar.

Im nördlichen Streuobstgürtel um die Maintaler Stadtteile Bischofsheim und Hochstadt ist es um die dortigen Flächen und Baumbestände zum Teil nicht gut bestellt - das soll sich jedoch in den kommenden drei Jahren ändern.

Die Vorarbeit hierzu wurde im vergangenen Sommer vom Landschaftspflegeverband (LPV) Jossgrund mit einer Kartierung geleistet. Die problematischen Grundstücke sollen nun nicht nur saniert werden. Der LPV vermittelt auch Pächter und Pächterinnen in spe für die Flächen, um die sich die Besitzer:innen, aus welchen Gründen auch immer, nicht kümmern können.

„Mit der Kartierung wurden auf dem rund 170 Hektar großen Streuobstgebiet alle Obstbäume und Fehlstellen sowie der Unterwuchs erfasst“, sagt LVP-Projektmitarbeiterin Mascha Werth. Zu den mehr als 7000 dokumentierten Bäumen zählen viele alte Hochstämmige, die in den kommenden Jahren absterben und durch Neupflanzungen ersetzt werden müssen, so Werth. Dabei soll berücksichtigt werden, inwieweit der Altbaum als Nisthöhle etwa für den Steinkauz fungiert. Überdies seien nicht wenige Bäume mit einem Schnitt zu sanieren, nicht zuletzt wegen des zunehmenden Mistelbefalls.

Der Hang

Das Gelände zwischen Frankfurt und Maintal war bis Ende des 20. Jahrhundert ein Wingert.

Die Reblaus und der steigende Durst auf den billigeren Apfelwein ließ den Hang zur Streuobstwiesen werden.

Ab den 1920er-Jahren wurden Streuobstwiesen vom Plantagenanbau verdrängt. 1974 förderte die EU dies sogar mit einer Rodungprämie. sun

www.lpv-mkk.de

Intensive Pflege benötigte mancherorts ebenso der Unterwuchs, der stellenweise verbuscht sei, heißt es. Auch wenn der erste Blick etwas anderes vermittelt: Streuobstwiesen sind Kulturlandschaften, früher um Heu und Obst zu erhalten, heute weitgehend als geschützter Lebensraum für selten gewordene Arten wie Steinkauz, Wendehals oder Fledermaus und einer Vielzahl von Insekten. Überdies dienen Streuobstwiesen zum Erhalt alter Obstsorten.

Nach der Bestandskartierung war der nächste Schritt, mit den Grundstücksbesitzer:innen in Kontakt zu kommen, heiß es. Aus Gründen des Datenschutzes musste diese Aufgabe der Stadt übertragen werden. Rund 750 Eigentümer:innen konnten ermittelt werden. Auf das Schreiben der Stadt habe es 315 positive Rückmeldungen gegeben. Einige hätten Maßnahmen für ihre Fläche abgelehnt, andere hätten nicht mehr ausgemacht werden können. Gleichwohl es sich bei dem Areal um ein Streuobstwiesenschutzgebiet handelt, besteht keine Pflicht, die eigene Parzelle in Schuss zu halten.

Ab Herbst soll mit der Sanierung und Neupflanzung auf den Flächen begonnen werden, für die eine Zustimmung vorliegt. Hierzu werden Fachfirmen beauftragt. Laut Werth wird das über drei Jahre laufende Projekt rund 300 000 Euro kosten und aus dem Programm „Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz“ finanziert.

Damit der aktuelle Zustand nicht wieder in wenigen Jahren vorherrscht, soll dort, wo sich die Besitzer und Besitzerinnen nicht mehr um die Fläche kümmern können, mit deren Einverständnis ein Pächter oder eine Pächterin eingesetzt werden. Es wird keine Pacht gezahlt. Das Prinzip lautet: Pflege gegen Nutzung und Obstertrag. Für letzteres sei es wichtig, dass Keltereien auch weiterhin die Äpfel annähmen. Laut Werth geht es bei den Pachten um eine zweistellige Zahl.

Die Flächen haben eine Große von 500 bis 1000 Quadratmeter. Was dennoch zeitweilig ordentlich Arbeit bedeuten könne, etwa bei der Mahd oder beim Bewässern der Bäume. Allerdings werden auch Einsteiger genommen, die in einem Kurs des LPV für die wesentlichen Aufgaben fit gemacht werden. Rat und Kurse etwa zum Baumschnitt und zur Unterwuchspflege gibt zudem das Mainäppelhaus auf dem Lohrberg in Frankfurt-Seckbach sowie der Arbeitskreis Streuobst Maintal. Die Parzellen sind jedoch keine Freizeitgrundstücke und müssen offenes Land bleiben, so Werth. „Keiner wird jedoch etwas dagegen haben, wenn nach getaner Arbeit auf einer Decke ein Picknick stattfindet“, sagt sie.

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