Maintal

Kompromiss im Kampf um Stellen

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Die Norma-Geschäftsführung und die Vertreter der Beschäftigten haben sich geeinigt.

Im Kampf um den Erhalt von Stellen beim Autozulieferer Norma haben die Arbeitnehmervertreter einen Kompromiss erzielt, den IG-Metall-Verhandlungsführer Uwe Zabel als tragfähig einordnete. Das Ergebnis sieht demnach vor, dass in Maintal höchstens 100 Beschäftigte das Unternehmen betriebsbedingt verlassen müssen, weitere im Rahmen eines Freiwilligenprogramms. Darüber hinausgehende betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2025 ausgeschlossen. Ursprünglich war von bis zu doppelt so vielen Streichungen die Rede.

Außerdem hat das Management zugesichert, am Stammsitz in den nächsten drei Jahren 15 Millionen Euro zu investieren, um die auf Verbindungstechnik spezialisierte Firma wettbewerbs- und zukunftsfähiger zu machen. Dazu gehört, dass Norma jährlich mindestens 15 Ausbildungs- beziehungsweise duale Studienplätze anbietet. In Maintal sind derzeit rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig.

Zabel hob deren Solidarität hervor: „Zukunft und soziale Absicherung in schwieriger Zeit haben wir gemeinsam erreicht.“ Die Belegschaft hatte sich unter anderem mit mehreren Demonstrationen und Warnstreiks gewehrt. „Zukunft oder Widerstand“ lautete der Leitspruch bei den Aktionen. Robert Weißenbrunner, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Hanau-Fulda, bezeichnete es als erfreulich, „dass die Zahl der möglichen betriebsbedingten Kündigungen deutlich reduziert werden konnte und der Standort eine nachhaltige Zukunft hat“.

Beschlossen ist der Kompromiss noch nicht; in den nächsten Tagen werden Betriebsräte und IG-Metall-Gremien über die Pläne beraten und dann entscheiden.

Der Standort im thüringischen Gerbershausen mit 160 Stellen soll wie angekündigt bis Ende 2022 geschlossen werden. Für die Betroffenen wird jedoch eine bis Ende 2023 laufende Transfergesellschaft eingerichtet. Gleichzeitig soll eine Strukturentwicklungsgesellschaft Investoren suchen und Perspektiven für die Zeit nach 2022 erarbeiten.

Norma – das zuvor in der Regel sehr hohe Gewinne erzielt hatte – geriet vor allem durch die Krise in der Autoindustrie, aber auch durch die Corona-Pandemie in Schieflage.

Die Unternehmensführung zeigte sich nach den langen Verhandlungen am Wochenende zufrieden: Die Einigung sei ein „wichtiger Meilenstein“ im Bestreben, die Zukunft von Norma Germany zu sichern und die Gruppe profitabler sowie flexibler zu machen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Norma Group, Michael Schneider. Beide Parteien hätten das bestmögliche Ergebnis für die Beschäftigten erzielt, so Schneider. Norma sei der Arbeitnehmerseite in einigen Punkten deutlich entgegengekommen.

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