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Rund 200 Norma-Mitarbeiter demonstrierten kürzlich für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Maintal

Bei Norma stehen Zeichen auf Arbeitskampf

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Die IG Metall lehnt die bislang geplanten Maßnahmen des Unternehmens ab. Dazu gehört auch die Streichung von etwa 160 Stellen in Maintal.

Beim Automobilzulieferer Norma in Maintal bahnt sich ein Arbeitskampf an. Für diesen Samstag hat die IG Metall Hanau-Fulda ihre Mitglieder zu einer offenen Mitgliederversammlung eingeladen, um Forderungen nach einem Zukunftspakt für den Standort sowie Sozialtarifforderungen zu beschließen. Es ist von einer breiten Zustimmung auszugehen; die Kampfbereitschaft in der Belegschaft sei hoch, hat Betriebsratschef Klaus Ditzel kürzlich gesagt. Wenn nötig, werden die Mitarbeiter auch streiken.

Norma hatte angekündigt, etwa 160 der mehr als 500 Arbeitsplätze am Stammsitz in Maintal zu streichen und den Standort in Gerbershausen (Thüringen), wo circa 140 Beschäftigte tätig sind, zu schließen. Kritik wies der Konzern zurück. Die Einschnitte seien schmerzhaft, aber für die Wettbewerbsfähigkeit notwendig, auch weil der Markt immer schwieriger werde, besonders im klassischen Automobilbereich.

Das Unternehmen

Die Norma Group hat sich auf Verbindungstechnik spezialisiert, gehört in ihrem Segment zu den internationalen Marktführern und ist ein großer Autozulieferer. In der Maintaler Zentrale gibt es derzeit gut 500 Stellen. Insgesamt beschäftigt die weltweit aktive Gruppe nach eigenen Angaben 7500 Mitarbeiter (inklusive Leiharbeiter) an 28 Standorten. Ein Jahr zuvor waren es noch 8900 Beschäftigte.

Besonders aufgrund der Corona-Krise brach der Umsatz im ersten Halbjahr 2020 um 21 Prozent ein. Die Marge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag bei einem Prozent (erstes Halbjahr 2019: 14,3 Prozent). In den Jahren zuvor verzeichnete Norma in der Regel hohe Gewinne. gha

Die IG Metall ist nach wie vor gegen die Maßnahmen, weil sie nach den Worten ihres ersten Bevollmächtigten, Robert Weißenbrunner, „letztendlich nur ein Sterben auf Raten für den Standort“ bedeuteten. Wenn das Management den Zukunftspakt ablehne, „werden wir mit den Forderungen nach einem Sozialtarifvertrag und dadurch auch möglichen Arbeitskampfmaßnahmen den geplanten Arbeitsplatzabbau so teuer wie möglich machen“. Weißenbrunner sagte der Frankfurter Rundschau, der Pakt solle unter anderem Garantien für den Erhalt des Standorts bis 2030, den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und nicht zuletzt Investitionen in die Entwicklung und Herstellung zukunftsfähiger Produkte umfassen. Denn der Sitz in Maintal ist stark abhängig von Teilen für Verbrennungsmotoren. Zu den Forderungen für einen Sozialtarifvertrag würden etwa eine zwölfmonatige Transfergesellschaft und als Abfindung drei Brutto-Monatsgehälter pro Jahr der Betriebszugehörigkeit zählen.

Norma und die Gewerkschafter haben in den vergangenen Wochen bereits Konflikte ausgetragen: Das Arbeitsgericht in Offenbach entschied, dass die Geschäftsführung über die Streichung von Stellen mit dem örtlichen Betriebsrat verhandeln muss. Das Gericht lehnte einen Antrag von Norma ab, eine Einigungsstelle mit dem Gesamtbetriebsrat einzusetzen. Letzterer hatte sich gegen das Vorgehen gewehrt. Norma hatte zunächst offenbar vor, das Urteil anzufechten, akzeptierte dann aber doch die Betriebsräte in Gerbershausen und in Maintal als Verhandlungspartner und schloss mit ihnen und dem Gesamtbetriebsrat eine entsprechende Vereinbarung.

Zur aktuellen Entwicklung teilte ein Norma-Sprecher auf FR-Anfrage mit, der Standort Maintal solle nicht geschlossen werden, im Gegenteil. Ziel sei es, „die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen“ und den Beschäftigten eine langfristige Perspektive zu bieten. Norma Germany wolle und werde zum wirtschaftlichen Erfolg der weltweit agierenden Norma Group beitragen. Das Unternehmen sei bestrebt, zusammen mit den Arbeitnehmervertretern eine Lösung zu finden, „sowohl für die geplante Schließung in Gerbershausen, als auch für die Maßnahmen, die wir in Maintal geplant haben“. Weitere Angaben machte er nicht. Dies sei erst möglich, wenn Ergebnisse aus den Verhandlungen vorlägen.

Weißenbrunner betont, die Vertreter der Arbeitnehmer seien gesprächsbereit. Jedoch komme es auf den Verlauf der Gespräche und die Resultate an. Es dürfe beispielsweise nicht sein, dass nur an den Kosten gespart werde, die Mitarbeiter auf Entgelte verzichten sollten und im Gegenzug keine echten Investitionen in die Erneuerung und Zukunftsfähigkeit des Standorts erfolgten.

Dem Vernehmen nach gibt es Überlegungen, ein Produkt aus Gerbershausen, das für die Zukunft keine großen Chancen hat, künftig in Maintal produzieren zu lassen, allerdings wohl nur, wenn dies dort günstiger geschieht.

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