Energie

„Windräder ungerecht verteilt“

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16 Bürgermeister protestieren gegen den Ausbau-Teilplan des Landes Hessen. Die Unterzeichner bekennen sich zum Ausbau erneuerbarer Energien, bei der Windkraft sieht man die Belastungsgrenze mit 130 Anlagen in naher Zukunft bereits jetzt erreicht.

Landrat Thorsten Stolz (SPD) und 16 Bürgermeister im Main-Kinzig-Kreis haben eine Resolution gegen den „Sachlichen Teilplans Erneuerbare Energien“ des Landes Hessen unterzeichnet. Der Entwurf des Teilplans siehe Vorrangflächen für einen erheblichen Ausbau von Windenergie vor. Laut der Erklärung könnte sich damit die Zahl der Windkraftanlagen mit 270 mehr als verdoppeln. Die Unterzeichner bekennen sich zum Ausbau erneuerbarer Energien, bei der Windkraft sieht man die Belastungsgrenze mit 130 Anlagen in naher Zukunft bereits jetzt erreicht. „Durch diese überproportionale Belastung des (insbesondere östlichen) Main-Kinzig-Kreises verliert die Windkraftnutzung zunehmend die Akzeptanz der Bürger und der kommunalpolitischen Verantwortungsträger“ heißt es.

In der Erklärung wird darauf hingewiesen, dass sich im Regierungsbezirk Darmstadt rund 75 Prozent aller im Entwurf des Teilplans ausgewiesenen Vorrangflächen für Windkraftnutzung in den Landkreisen Main-Kinzig, Rheingau-Taunus und Odenwald finden. In anderen Landkreisen dagegen seien unverhältnismäßig geringe Ausweisungen von Vorrangflächen erfolgt, die für Windkraftnutzung geeignet seien. Gefordert wird daher „eine grundlegende Überarbeitung des Teilplans, die eine gerechtere Verteilung der Vorranggebiete „Windkraft“ in den südhessischen Landkreisen zum vorrangigen Ziel haben muss“. Der Main-Kinzig-Kreis steht mit seinem Protest nicht allein dar. Bereits im November hat der Landrat des Odenwaldkreises, Frank Matiaske (SPD), von einer skandalösen Ungleichbehandlung gesprochen. Auf den Höhenzügen des Kreises könnten Matiaske zufolge zwischen 230 bis 400 Anlagen entstehen.

Besonders betroffen im Main-Kinzig-Kreis wären die Bewohner im Ostkreis und damit die Spessartregion. Dort leben die Menschen seit einigen Jahren auf Kriegsfuß mit der Windkraft. Mehrere sehr aktive Bürgerinitiativen sind gegründet worden. Man fürchtet eine erhebliche Beeinträchtigung für den Naturpark Spessart und damit einen Rückgang des Tourismus, aber auch den Verlust der eigenen Lebensqualität, wegen der mutmaßlich geringen Entfernung zu Wohngebieten, und des Schaden an der zum Teil geschützten Vogel- und Fledermausarten. Nicht zuletzt wird die Kritik mit dem Waldverlust begründet, den der Bau von Windrädern im Forst verursacht.

Mit dem Teilplan und seinen Windvorrangflächen werde der derzeitigen Praxis Einhalt geboten, überall dort Windkraftanlagen zu bauen, wo sie genehmigt werden, teilt das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt mit. Im östlichen Main-Kinzig-Kreis seien einige Standorte zur Wahrung des Naturschutzes weggefallen, so der RP. Gebiete, die zu Vorrangflächen ernannt worden sind, seien durch Messungen der Windhöffigkeit ermittelt worden. Die Spessarthöhenzüge hätten sich hierbei als günstige Lage gezeigt, heißt es.

Laut RP wird die Regionalversammlung den Teilplan, zu dem es 25 000 Einwände gab, voraussichtlich am 8. März nochmal thematisiert. Die Tagesordnung steht noch nicht fest.

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