Main-Kinzig

Main-Kinzig: Videoschalte im Notfall

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Das Projekt Telenotarzt soll ausgeweitet werden.

Der Main-Kinzig-Kreis wird den sogenannten Telenotarzt in den kommenden Monaten auch im städtisch geprägten Westkreis einsetzen und das Projekt somit ausweiten. Nach eigenen Angaben lässt der Kreis hierzu sieben Rettungswagen technisch aufrüsten, die für das DRK, die Johanniter-Unfall-Hilfe sowie den Arbeiter-Samariter-Bund in Hanau und Umgebung fahren. Darüber hinaus hätten andere Landkreise Interesse, sich zu beteiligen.

Bislang wurden sieben Rettungsfahrzeuge mit den notwendigen Geräten ausgestattet, die im ländlichen Ostkreis genutzt werden. Seit dem Start im Dezember 2018 hat der Kreis 600 Einsätze des Telenotarztes gezählt, in diesem Jahr seien es bereits 260 gewesen. Dabei haben Rettungskräfte im Notfall die Möglichkeit, einen Arzt, der in der Leitstelle sitzt, hinzuzuschalten, per Mobilfunk und Videostream. Der Mediziner kann währenddessen zum Beispiel auf Vitaldaten des Patienten sowie Bilder zugreifen.

Die Verantwortlichen, die eine positive Zwischenbilanz ziehen, betonen, der Telenotarzt komme nur in solchen Fällen zum Einsatz, in denen er nicht direkt anwesend sei, aber trotzdem entschieden werden müsse, etwa ob und in welcher Dosis ein Medikament zu verabreichen sei. Ziel sei es, Menschen schneller helfen zu können und das notärztliche Personal, an dem es mangelt, zu entlasten.

Experten warnen, dass der Telenotarzt nur eine Ergänzung, keinesfalls jedoch ein Ersatz sein könne, wenn beispielsweise Komplikationen auftreten.

Die Technik funktioniere gut, „innerorts wie auch im dichter bewaldeten Spessartgebiet“, sagt Landrat Thorsten Stolz (SPD) zu den bisherigen Erfahrungen. Die Zusammenarbeit zwischen Rettungspersonal und Ärzten funktioniere gut. Im nächsten Schritt wolle der Kreis auch personell nachlegen: In der ersten Testphase wurde ein in Aachen sitzender Arzt zu Rate gezogen, auch wegen der Kooperation mit dem Telenotarzt-Netzwerk, das seit 2014 in Nordrhein-Westfalen aktiv ist. Mittlerweile seien im Gefahrenabwehrzentrum in Gelnhausen die ersten Ärzte aus der Region geschult und ein Telenotarzt-Arbeitsplatz eingerichtet worden. Drei Ärzte aus dem Kreisgebiet sind ausgebildet worden, drei weitere sollen bis Jahresende folgen.

Ein Mediziner vom Klinikum Hanau habe vor zwei Wochen die ersten Einsätze koordiniert, und zwar sowohl im Main-Kinzig-Kreis als auch in NRW sowie im Raum Korbach. Das klinge kurios, entspreche aber dem Grundgedanken der Vernetzung, so Stolz. Von Gelnhausen aus würden Notärzte nun regelmäßige Schichten im bundesweiten Verbund übernehmen, auch für Kommunen aus Hessen, die sich noch anschließen wollten. gha

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