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Main-Kinzig: Heimat für seltene Vögel

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Von: Gregor Haschnik

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Der von den Rindern bearbeitete Boden ist ein gutes Keimbett für Orchideen.
Der von den Rindern bearbeitete Boden ist ein gutes Keimbett für Orchideen. © FR

Das Beweidungsprojekt am Hässeler Weiher zeigt nach fünf Jahren sichtbare Erfolge.

Sogar der Rohrschwirl, ein recht seltener Singvogel mit braunem Federkleid, hat sich hier prächtig entwickelt: Einst lebte ein Paar hier, inzwischen wird das größte Vorkommen in Hessen gezählt. Hinzu kommen unter anderem alle heimischen Spechtarten, der Wiedehopf mit seiner markanten Federhaube und der Neuntöter, dessen Revier-Zahl drei- bis viermal so groß ist wie am Anfang, und verschiedene Watvögel, die zum Rasten kommen.

Diese und andere Erfolge nennt die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) fünf Jahre nach dem Start ihres Beweidungsprojektes am Naturschutzgebiet „Hässeler Weiher von Neuenhaßlau“ in Hasselroth. Es „ist auf multifaktorielle Art und Weise ein Gewinn für Umwelt und den Menschen“, sagt Ralf Sauerbrei, der zusammen mit Andreas Höfler den Vorsitz im HGON-Arbeitskreis Main-Kinzig hat und die Beweidung – die 2019 als Projekt der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ anerkannt wurde – mitgeplant und umgesetzt hat. Sie freuten sich auch über viele positive Stimmen aus der Bevölkerung, so Höfler. Inspirieren ließen sie sich durch ähnliche Vorhaben, die unter dem Motto „Rewilding Europe“ liefen.

Das bereits 1976 unter Naturschutz gestellte, früher 14 Hektar große Gebiet liegt zwischen Langenselbold und Gründau, zwischen der Kinzig und der Bahnstrecke Frankfurt-Bebra. Mittlerweile umfasst es 20 Hektar, weil benachbarte Flächen gekauft beziehungsweise gepachtet wurden. Nachdem 2021 und 2013 ein Versuch, das Areal mit Wasserbüffeln zu pflegen, gescheitert war, wirken nun das ganze Jahr über Konik-Pferde und Heck-Rinder am Hässeler Weiher.

Der Verein:

Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) engagiert sich für den Erhalt der Artenvielfalt, etwa durch ihren Einsatz für naturnahe Wälder und Flussauen. Die HGON kümmert sich um Naturschutzgebiete und ist nach eigenen Angaben Eigentümerin von insgesamt gut 300 Hektar großen Landschaften.

Zudem macht sie unter anderem eine Art Volkszählung unter den Vogelarten und beobachtet die Verbreitung von Feldhamstern und anderen Tieren. Weitere Infos auf www.hgon.de. gha

Mehr Fledermäuse

Die großen Tiere helfen zahlreichen seltenen Arten, sich auf dem Areal zu etablieren, erklären Höfler und Sauerbrei: Durch den Tritt der Rinder und Pferde entsteht Rohboden, der zum Beispiel ein gutes Keimbett für heimische Orchideen sei. Im Frühling seien hier mehr als 1000 Exemplare des Breitblättrigen Knabenkrautes zu sehen – das mit seinen bunten Blüten viele Insekten zur Bestäubung anziehe. Bei den Beständen anderer bedrohter Pflanzenarten, wie Sandglöckchen oder Heidenelken, stellen die HGON-Vorsitzenden ebenfalls eine positive Entwicklung fest.

Der Dung wiederum dient der Biodiversität, indem er davon lebende Insekten anlockt, die ihrerseits Nahrung für viele Säugetiere, Reptilien und Vögel seien. Wie Monitoring zeigten, haben deren Populationen zugenommen, ebenso wie jene von Fledermäusen und Amphibien.

Gleichzeitig sei das extensiv bewirtschaftete Grünland ein bedeutender natürlicher CO2-Speicher, so dass das Weideprojekt im Main-Kinzig-Kreis dem Klimawandel entgegenwirke. Der Boden auf solchen Flächen speichere zum teil mehr CO2 als Waldboden, weil das Wachstum der feinen Wurzeln der Gräser durch das Abbeißen des Grases immer wieder angeregt werde.

Derzeit bietet die HGON auf Nachfrage Führungen an. Wenn es die Pandemie zulässt, gibt es ab dem kommenden Frühjahr wieder regelmäßig Gelegenheiten, das Naturschutzgebiet kennenzulernen. Dann werden auch Fohlen erwartet.

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