Hanau

Es soll endlich jemand zuhören

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Hanau liest ein Buch, diesmal: „Ohrfeige“ von Abbas Khider. Der Roman erzählt die Flucht eines jungen Irakers nach Mitteleuropa.

Plötzlich ist sie da, die Ablehnung seines Antrags, oder besser, die Rücknahme der Gestattung. So plötzlich die Gewissheit zurück zu müssen, wie ein Schlag ins Gesicht. Doch tatsächlich bekommt nicht nur der Protagonist des Buchs eine Ohrfeige, sondern auch die Person, die seine Frustration nun wirklich zu spüren bekommt: „Stumm und starr vor Angst hockt sie in ihrem Drehstuhl, als hätte die Ohrfeige sie betäubt.“

Das ist der Auftakt von Abbas Khiders neuestem Roman „Ohrfeige“, der in diesem Jahr für die Aktionswoche „Hanau liest ein Buch“ ausgesucht wurde. Die Jury aus den Buchhändlern Dieter Dausien und Doris Hartmann und Beate Schwartz-Simon, Leiterin der Stadtbibliothek hat das Buch ausgesucht, das mit seiner Thematik aktueller nicht sein könnte: Der Roman erzählt die Flucht eines jungen Irakers nach Mitteleuropa. Auch wenn die Geschichte zu Beginn des Jahrtausends, kurz nach den Anschlägen des 11. September 2001 spielt, so steht sie doch für die unzähligen Geschichten, Schicksale und Rückschläge der Menschen, die besonders im vergangenen Jahr nach Deutschland geflohen sind.

Autor in Hanau zu Gast

„Hanau liest ein Buch“ geht – nach einem Jahr Pause aufgrund des Stadtumbaus und des Umzugs der Stadtbibliothek – vom 16. bis 24. August in diesem Jahr in die sechste Runde.

Wie gewohnt wird es zahlreiche Möglichkeiten geben, den Roman gemeinsam mit anderen Hanauerinnen und Hanauer öffentlich zu lesen, in Cafés, Museen, Schulen, Buchläden, Kneipen und an anderen Orten. Der offizielle Auftakt ist am Freitag, 16. September, um 19 Uhr im Innenhof der Wallonischen Ruine bei der Kathinka-Platzhoff-Stiftung. Am Montag, 19. September, ist der Autor Abbas Khider um 20 Uhr zu Gast im Kulturforum und wird aus seinem Roman vortragen. Eintrittskarten zu vier Euro gibt es im Vorverkauf im Kulturforum und an der Abendkasse.

Der 1973 in Bagdad geborene Khider lebt seit 2008 in Deutschland. Für seine Bücher erhielt er bereits mehrere Auszeichnungen, zuletzt wurde er mit dem Nelly-Sachs-Preis und dem Hilde-Domin-Preis geehrt. In seinem Buch will Khiders Protagonist, Karim Mensy, seiner Wut auf die Behörden endlich Gehör verschaffen und geht zu der Frau, die seinen Antrag auf Asyl endgültig abgelehnt hat, Sachbearbeiterin Frau Schulz. Er will, dass sie ihm zuhört, er fesselt sie an ihren Bürostuhl, klebt ihr den Mund zu und gibt ihr eine Ohrfeige: „Frau Schulz, wir reden zusammen. Ich wollte immer, aber Sie haben keine Zeit oder Willen für mich!“

Eine Liste aller Leseorte und das komplette Programm ist unter www.kulturforum-hanau.de unter der Rubrik Veranstaltungskalender zu finden. Das Buch wird von allen Hanauer Buchhändlern verkauft.

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