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Frauen sollen lernen, auf Anmache zu reagieren.
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Frauen sollen lernen, auf Anmache zu reagieren.

„Mach mich nicht an“

Berufsschülerinnen setzen sich gegen sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz zur Wehr

Von Andreas Zitzmann

In der Cafeteria: „Hey Süße“, sagt ein Mann zu der jungen Kollegin, die erst seit kurzem in der Firma ist. Ihre Reaktion: „Mach mich nicht an!“ – so laut gebrüllt, dass es bis in die hinterste Ecke der Kantine zu hören ist. Der aufdringliche Kollege steht dumm da.

Und das war Sinn der Sache: Sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz öffentlich zu machen, Sexismus gegen Kolleginnen aus der Tabuzone holen. Der Mann war in diesem Fall eine ebenfalls junge Frau, die Cafeteria das Martin-Luther-Haus der Johannesgemeinde, das Ganze also ein Rollenspiel. Zum zweiten Mal hat die „Schulbezogene Jugendarbeit“ des Evangelischen Kirchenkreises Hanau-Stadt für Schülerinnen der Kaufmännischen Schulen ein Präventions-Projekt für junge Frauen organisiert, die bald ihre Ausbildung abschließen und ins Berufsleben wechseln, in diesem Fall als „Assistentin Fachrichtung Bürowirtschaft“.

Zwei Tage lang haben die rund zwei Dutzend jungen Frauen gelernt, den „inneren Schweinehund“ zu überwinden. Wirklich laut zu werden, so laut, dass es möglichst viele hören – das will gelernt sein. Eine der Schülerinnen, die schon auf der Straße „dumm angemacht“ wurde: „Ich bin einfach schnell weitergegangen.“

Männer oft in Machtposition

Trainerin Patrizia Wolfinger kennt die typischen Täter und ihre Opfer: „Die Männer sind zwischen 20 und 50 Jahre alt, meist in einer gewissen Machtposition. Die Frauen sind sehr jung und erst neu in der Firma.“ Den Männern gehe es gar nicht um einen vollendeten sexuellen Übergriff: „Sie wollen einfach nur Macht ausüben.“

Diese Macht werde ihnen genommen, wenn ihre dummen Sprüche und „zufälligen“ Berührungen öffentlich würden. Die jungen Frauen lernen auch, welche Rechte sie haben – und welche Pflichten der Arbeitgeber –, und wie sie unter Umständen weiter vorgehen. Beispielsweise, indem sie sich bei dem Täter schriftlich gegen solche Belästigungen verwahren, per Einschreiben, als Beweis für möglicherweise folgende Auseinandersetzungen.

Ein weiterer Rat der Trainerin: Die Verteidigung müsse angemessen ausfallen. Die Ohrfeige nach einem dummen Spruch sei nicht anzuraten.

Auf Spenden angewiesen

Noch im laufenden Schuljahr soll ein zweites Projekt unter dem Stichwort „Peinlich berührt“ an den Kaufmännischen Schulen stattfinden – dann mit zukünftigen Fremdsprachensekretärinnen. Beide Projekte kosten zusammen etwa 2000 Euro – nicht viel, möchte man annehmen. Aber die Jugendarbeit der Evangelischen Kirche sei dennoch auf Spenden angewiesen, sagte Projektleiterin Linda Rüegg. In diesem Fall sorgt die Bürgerstiftung Hanau für die Finanzierung, und erstmals der Zonta-Club Hanau, der fast zwei Drittel der Kosten übernimmt.

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