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Lockreiz für Steinkauz

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Der Steinkauz ist selten geworden. Er mag Streuobstwiesen.
Der Steinkauz ist selten geworden. Er mag Streuobstwiesen. © dpa

Ein seltener Vogel soll wieder in Gelnhausen brüten: Das Überleben des Steinkauzes hängt mit dem Erhalt der Streuobstwiesen zusammen - mit künstlichen Bruthöhlen wollen ihm die Naturschützer helfen.

Von Jörg Andersson

Ein Vierteljahrhundert nach dem Verschwinden der letzten Steinkauzbrut im Raum Gelnhausen arbeiten Stadt, Natur- und Vogelschützer sowie der Landschaftspflegeverband an einem örtlichen Schutzprojekt für den Vogel, dessen Überleben am Lebensraum Streuobstwiese hängt.

Der städtische Umweltbeauftragte Jürgen Koch kann sich als Koordinator auf tatkräftige Unterstützung verlassen. Bei der allerorts schwierigen Pflege der Streuobstbestände hilft die bereits mit einigen Umweltschutzpreisen ausgezeichneten Natur- und Vogelschützer Meerholz-Hailer. Die 400 Mitglieder starke Gruppe, die 2011 stolz auf ihr 50-jähriges Bestehen zurückblickt, bemüht sich um eine Bestandsverjüngung unter den Bäumen. Auch die Unterholzpflege ist wichtig. Immer wieder wachsen Brombeeren und Schlehen in die Wiesen. Die Büsche und zu hohes Gras können dem Steinkauz die Nahrungssuche verleiden, wenn er seine Mäusebeute kaum erspähen kann.

Für die Wiederansiedlung wurden zwischenzeitlich zudem ein halbes Dutzend Bruthilfen ausgebracht. Die sogenannten „Steinkauzröhren“ imitieren Naturhöhlen. Als potenzielles Refugium haben sich die Projektbeteiligten den „Ötzingergrund“ direkt angrenzend an das Naturschutzgebiet Sonnenberg ausgeguckt. Vorteil: nicht weit entfernt in der Nachbargemeinde Linsengericht hat sich im Raum Lützel noch ein recht guter Steinkauzbestand von 20 bis 30 Tieren gehalten.

„Hier ist die Chance recht gut, dass einige Vögel bei der Suche nach einem Revier rüberziehen“, sagt der mit dem Biotop- und Artenschutz beauftragte Werner Köhler. „Vielleicht können wir im nächsten Jahr oder 2012 die ersten Bruterfolge vorweisen“, hofft er.

Für den Steinkauz, der vor allem im westlichen Main-Kinzig-Kreis im Raum Maintal oder Schöneck noch häufiger anzutreffen ist, gibt es neben natürlichen Verbreitungsgrenzen im Raum Hailer-Meerholz noch ein weiteres Problem: den Bruderstreit mit dem etwas größeren Waldkauz. Der erweist sich im Kampf um die Beute als robuster und ist damit ein klassischer Fraßfeind.

Lob für das koordinierte Konzept gibt es vom Landschaftspflegeverband. Sabine Dänner: „Für eine seltene Vogelart einen Lebensraum zu erhalten oder zu schaffen, erfordert neben Kenntnissen in Artenschutz und der örtlichen Landschaft auch Verwaltungsgeschick.“ Es gelte, Verhandlungen zum Kauf von Grundstücken zu führen, Ökopunkte zu erwirtschaften und Fördertöpfe anzuzapfen. Der Steinkauzschutz sei eine bemerkenswerte Antwort auf die Frage, was man angesichts kleiner werdender naturnaher Lebensräume und klammer Kassen tun könne, sagt sie.

Kontakt: Telefon 06051/830283 oder j.koch@gelnhausen.de

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