Erlensee

Lidl-Logistikzentrum zieht nach Erlensee

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Das Lidl-Logistikzentrum zieht vom fränkischen Alzenau in den Main-Kinzig-Kreis. Das Großlagerprojekt auf 20 Hektar hatte kaum Widerstand in der Stadt.

Die Lidl-Regionalgesellschaft verlässt ihren Standort im unterfränkischen Alzenau, um ab 2021 von Erlensee im Main-Kinzig-Kreis aus Filialen in der Region zu beliefern. Auf 20 Hektar Acker- und Grünland entsteht derzeit ein 54 800 Quadratmeter großes Lager- und Verwaltungsgebäude - und das fast ohne die für diese Bauvorhaben typischen Proteste aus der Bevölkerung.

„So richtig kann ich mir das nicht erklären“, sagt Grünen-Fraktionschefin Renate Tonecker-Bös. Immerhin hat die Kleinstadt schon eine Menge Großlogistiker auf ihrer Gemarkung. Die Grünen waren die einzigen im Stadtparlament, die „lautstark gegen die Lidl-Ansiedlung stimmten“. Tonecker-Bös merkt jedoch an: „Das Logistikzentrum bekommt eine nachhaltige Haustechnik vom Feinsten, eigentlich müssten wir Grüne hoch zufrieden sein.“ Zudem verspricht Lidl mit dem Bau auch 2,8 Hektar angelegter Blühwiese. Und anders als in Wölfersheim, wo der Handelskonzern Rewe ein doppelt so großes Lager auf Ackerböden höchster Güte setzt, soll es sich in Erlensee um geringwertige landwirtschaftliche Fläche handeln.

Bürgermeister Stefan Erb (SPD) berichtet von Einwänden anderer Art. Das Baugebiet liegt in der Wasserschutzzone II. Doch wie Erb mitteilt, ist das Großlager „für das Grundwasser und die Tiefbrunnen ein Segen“. Auf den Äckern seien Pflanzen wie Mais für die energetische Nutzung angebaut worden, unter Anwendung von nitrathaltigem Dünger, der ins Grundwasser gelangte. Lidl nutze den Regen zum Teil als Brauchwasser und lasse den Rest in den Boden versickern, so Erb.

Das Dach wird mit Photovoltaikpaneelen in der Größenordnung von 1,2 Millionen Kilowattstunden beplankt, Kohlendioxid wird als Kältemittel verwendet, der Wasserbedarf von gut 12 Millionen Liter im Jahr zu einem Fünftel aus Regen gedeckt. Der Discounter will in Erlensee vorbildlich bauen, um die Platin-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen zu erhalten. Laut Lidl sei das Gebäude dann das siebte bundesweit mit dieser Auszeichnung.

Die Gebäudekubatur wird eine neue Landmarke an der A45 bei Langenselbold bilden, 270 mal 199 Meter groß und 22 Meter hoch. Im Vergleich zum bisherigen Standort bedeutet dies fast eine Verdoppelung der Lagerfläche. In Alzenau habe man nicht expandieren können, sagt Mario Köhler von der Pressestelle Lidl Deutschland auf Anfrage. Zurzeit würden von dort 80 Filialen versorgt. „Diese Zahl wird sich erhöhen“, sagt Köhler. Dem Vernehmen nach sollen es 130 Filialen werden. Geplant ist zudem, die Belegschaft von aktuell 240 Personen aufzustocken. Als Ziel werden 470 Beschäftigte genannt.

Zur Verkehrsbelastung macht Lidl auf Anfrage keine Angaben. Die Beschlussvorlage der Regionalversammlung spricht von bis zu 300 Personenkraftwagen und bis zu 460 Lastwagen am Tag. Bürgermeister Erb sieht darin keine nennenswerte Mehrbelastung für die Bevölkerung. Und auch der nächste Großbetrieb ist in Sichtweite: Auf 15,5 Hektar wird in den nächsten Jahren die Rewe-Tochter Brandenburg eine riesige Fleischwarenfabrik bauen.

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