Sollte die Stadt aus Kostengründen auf das Maintalbad verzichten? Das wird im Bürgerhaushalt diskutiert.
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Sollte die Stadt aus Kostengründen auf das Maintalbad verzichten? Das wird im Bürgerhaushalt diskutiert.

Main-Kinzig Bürgerhaushalt

Licht aus und kein Schwimmbad

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Rund 70 Vorschläge haben die Maintaler bislang in den Bürgerhaushalt eingebracht. Jeder Vorschlag kann kommentiert und bewertet werden. Die Stadt ist mit der Beteiligung am Projekt zufrieden.

Braucht Maintal ein Schwimmbad, wenn das Heinrich-Fischer-Bad im benachbarten Hanau nicht ausgelastet ist? Diese Frage stellt Peter Heckert. Zudem schlägt er vor, die Besserverdienenden stärker an den Kita-Kosten zu beteiligen. Melanie Sittig meint, die Stadt könnte Kinderbetreuungsplätze in Seniorenheimen schaffen – statt teure neue Immobilien zu bauen. Ein Internet-Nutzer, der sich „wawi“ nennt, regt an, „die Beleuchtung von Straßen und Wegen im gesamten Stadtgebiet auf Notwendigkeit zu überprüfen“, vor allem nachts. „Tron“ fordert, Ruftaxis einzuführen, „anstatt leere Busse fahren zu lassen“.

Diese Vorschläge haben Maintaler im Rahmen des Bürgerhaushalts für das Jahr 2014 gemacht. Bis Donnerstag wurden 69 Ideen eingebracht. Nach Angaben der Stadt kommen 49 von Bürgern, 20 aus der Verwaltung. Einige Anregungen kamen per Post, der Großteil jedoch über die Internetseite www.buergerhaushalt-maintal.de. Die Seite wurde demnach bislang 35 000 mal aufgerufen, von 1300 Besuchern. Seit dem 27. August können sich die Bürger beteiligen, am Dienstag, 24. September, schließt die Ideenbörse. Jeder Etat-Vorschlag kann kommentiert und bewertet werden. Bisher sind 212 Kommentare eingegangen. Sie stammen auch von Experten. Die untersuchen unter anderem, ob die Stadt für das angestoßene Thema überhaupt zuständig ist und den Vorschlag umsetzen kann. Wie die allermeisten Städte und Kommunen hat auch Maintal Schulden und versucht, den Haushalt zu sanieren. Dabei sollen die Bürger mitreden und Antworten auf folgende Fragen finden: Was braucht die Stadt Maintal unbedingt? Worauf kann sie verzichten? Wie die Stadt mitteilt, wird das Minus Ende dieses Jahres bei insgesamt rund 59 Millionen Euro liegen. Das Defizit im Haushalt 2013 beträgt den Angaben zufolge 1,3 Millionen Euro (Erträge von 69,9 Millionen Euro, Aufwendungen von 71,2 Millionen Euro). Ein Jahr zuvor hatte Maintal noch ein Defizit von 2,3 Millionen Euro und Schulden in Höhe von 55,7 Millionen Euro.

Junges Engagement

„Mit der Beteiligung am Bürgerhaushalt sind wir zufrieden – sowohl mit der Quantität als auch mit der Qualität der Vorschläge“, sagt Sabrina Christen, die das Projekt für die Stadt betreut. Besonders erfreulich sei, so Christen, dass sich auch junge Maintaler engagieren. Zwei Realschulklassen der Bischofsheimer Erich-Kästner-Schule zum Beispiel fordern einen großen öffentlichen Park, der Familien und Jugendliche anziehen soll. Am 5. Oktober sollen Bürger bei einer Versammlung die 40 besten Vorschläge auf ihren Nutzen für das Gemeinwohl hin prüfen. Über den kommenden Haushalt wird das Parlament wohl im Dezember entscheiden. Dann soll es auch die ausgesuchten Ideen aus dem Bürgerhaushalt aufgreifen und darüber abstimmen. SPD-Fraktionschef Sebastian Maier sagt, er begrüße das Projekt. Ob es ein Erfolg oder ein Misserfolg wird, lasse sich noch nicht sagen. Allerdings „wünschen wir uns eine deutlich höhere Beteiligung“, sagt Maier. Viele Maintaler wüssten wahrscheinlich nicht, dass es einen Bürgerhaushalt gibt: „Deshalb müssen wir nach neuen Wegen suchen, um auch sie zu erreichen.“ Die Debatte findet im Internet unter www.buergerhaushalt-maintal.de statt. Olivia Metzendorf und Sabrina Christen von der städtischen Steuerungsgruppe beantworten unter 06181/400 449 und 400 217 Fragen.

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