Gabriele und Joachim Wiebel in ihrem Erzgabirge.
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Gabriele und Joachim Wiebel in ihrem Erzgabirge.

Schöneck Einzelhandel

Licht aus im Erzgabirge

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Gabriele und Joachim Wiebel müssen ihr Deko- und Spielzeuggeschäft „Erzgabirge“ nach 28 Jahren schließen. Die Umgehungsstraße hat sie viel Laufkundschaft gekostet. Doch auch sonst ist Schöneck ein schwieriges Pflaster für den Einzelhandel.

Noch stehen unzählige Engel, Räuchermännchen, Krippen, Puppen und Teddy-Bären in den Regalen. Noch leuchten abends die hölzernen Lichterbögen in den Fenstern. Doch bald werden sie ausgehen. Es ist das letzte Weihnachten im „Erzgabirge“, dem bekannten Deko- und Spielzeuggeschäft an der Frankfurter Straße. Nach 28 Jahren müssen die Inhaber schließen, weil sich das Geschäft nicht mehr rentiert. In mehreren Jahren haben sie einige Tausend Euro Miese gemacht. Eben war noch eine Kundin da. Die Inhaber, Gabriele „Gabi“ Wiebel – nach der der Laden benannt ist – und ihr Mann Joachim, waren in Eile, haben sich aber trotzdem Zeit genommen für ein kurzes Gespräch mit der Frau. „Es tut weh, aufhören zu müssen. Der Kontakt zu den Kunden wird mir am meisten fehlen“, sagt Gabriele Wiebel.

Schwieriges Pflaster für Einzelhandel

Der Räumungsverkauf läuft schon seit Monaten, doch die Regale sind noch gut gefüllt. „Der Bau der Umgehungsstraße und die vielen Straßensperrungen zuvor haben uns den Todesstoß gegeben. So haben wir viel Laufkundschaft verloren“, sagt Joachim Wiebel, der für die Lufthansa gearbeitet hat und jetzt in Rente ist. Hauptverantwortlich für das Erzgabirge war seine Frau. „Die großen Märkte am Rand von Schöneck bieten mittlerweile fast alles an, auch Spielzeug und Dekoration“, sagt Gabriele Wiebel. Und viele Kunden, sagt Gabriele Wiebel, schauten „nicht mehr auf die Qualität, den Service und die persönliche Betreuung, sondern nur auf den Preis“. Die meisten Verbraucher wollten alles nur noch an einem Ort einkaufen, so Wiebel. Hinzu komme, dass es in Schöneck nie gelungen sei, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, um den Einzelhandel zu stärken. „Das lag zum Teil auch an unnötigem politischem Zwist“, kritisiert Joachim Wiebel.

Das Erzgabrige ist nur ein Beleg dafür, dass Schöneck ein schwieriges Pflaster für Einzelhändler ist. Anne Färber hat zusammen mit Ursula Holzberg und Angela Bresser das Kultcafé Confetti erfolgreich wiederbelebt. Das Café ist wieder ein beliebter Treffpunkt, die Küche wird in den höchsten Tönen gelobt. Doch „Anne’s Lädchen“, wo es unter anderem Frühstück und Deko-Artikel gab, hat Färber nach nicht mal drei Jahren wieder aufgegeben: „Ich musste die Reißleine ziehen“, sagt Färber. Ein großes Problem sei der Parkplatzmangel in der Kilanstädter Mitte gewesen, ein anderes, „dass sich viele Menschen die Produkte bei mir angeschaut und dann wohl im Internet bestellt haben“. Das Motto „Geiz ist geil“ habe sich durchgesetzt. Auch der Einkauf der Ware mache kleinen Anbietern zu schaffen: „Viele Händler fordern eine Mindestabnahme, die sich die Kleinen kaum leisten können.“ Färber fordert in Schöneck „mehr Solidarität“ unter den Händlern, Gastronomen und anderen Unternehmern. So viele wie möglich müssten an einem Strang ziehen und dabei „Geduld und Ausdauer“ an den Tag legen.

Mehr Parkplätze und Werbekampagne

Bürgermeisterin Conny Rück (SPD) sagt, es tue ihr sehr leid, dass das Erzgabirge schließen muss: „Es ist ein Geschäft mit ganz besonderen Angeboten.“ Die Umgehungsstraße habe die Wiebels sicherlich Laufkundschaft gekostet, räumt Rück ein, betont aber: „Als noch viel mehr Verkehr durch Kilianstädten rollte, darunter viele Lastwagen, haben sich zahlreiche Bürger beschwert.“ Die Umgehung sei von Bürgern gefordert und zusammen mit ihnen geplant worden. Dass die Kommunen große Märkte bevorzugt behandeln würden, stimme nicht, so Rück: „Die Großen lassen unsere Gewerbesteuereinnahmen auch nicht sprudeln, weil ihr Hauptsitz woanders ist.“ Ob Einzelhandel und Gastronomie in Zukunft wieder bessere Chancen in Schöneck haben, hänge stark vom Ausbau der Frankfurter Straße ab, meint die Bürgermeisterin.

Es gibt schon seit langer Zeit Pläne, die Straße an den Engstellen zu erweitern, attraktiver zu machen und Parkplätze sowie Orte zu schaffen, wo Kunden verweilen können. „Dafür fehlt uns derzeit aber das Geld“, so Rück. Die Bürgermeisterin sagt, sie würde eine Kampagne unterstützen, die an die Schönecker appelliert, die Angebote vor Ort zu nutzen. „Letzten Endes ist entscheidend, ob die Kunden umdenken und nicht mehr alles in einem großen Einkaufszentrum kaufen wollen.“ Außerdem schlägt Rück vor, Verbraucher und Anbieter „an einen Tisch“ zu holen, um gemeinsam über ein Konzept nachzudenken.

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