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Mit einem kleinen Budget hat Kerstin Hogenkamp die Nutzerzahlen deutlich gesteigert.

Main-Kinzig-Kreis

Leselust in Schöneck geweckt

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Die Gemeindebücherei in Schöneck-Kilianstädten und ihre Leiterin begeistern vor allem junge Leser - und werden dafür ausgezeichnet.

An einer Wand steht das schöne Voltaire-Zitat „Lesen stärkt die Seele“, an einer anderen hängen Fotos von einem Besuch der Kita Goldregen, außerdem fällt ein Plakat mit „vergessenen Wörtern“ auf, etwa „blümerant“ und „bärbeißig“. Zwischen den Bücherregalen kann man es sich auf einer gelben Couch, Sitzkissen oder einem Schaukelstuhl gemütlich machen.

Es ist Nachmittag, in der Gemeindebücherei in Schöneck-Kilianstädten hat Leiterin Kerstin Hogenkamp viel zu tun; die Bibliothek ist gut gefüllt, vor allem mit Kindern, die Hogenkamp fast alle kennt. Sie nimmt sich Zeit. „Na, wie geht es dir? Wie fandest du die Bücher?“, fragt sie und lobt die neue Auswahl. Hogenkamp weiß, was angesagt ist: neben Klassikern wie „Conny“ seien dies derzeit Drachengeschichten.

Die Bücherei gegenüber vom Rathaus ist relativ klein. Der Bestand umfasst etwa 4500 Medien; Kerstin Hogenkamp, die sich seit 2014 nebenamtlich und für eine Aufwandsentschädigung um die Bibliothek kümmert, hatte zuletzt um die 2000 Euro Jahresbudget zur Verfügung. Mit Einsatz und Kreativität schaffte Hogenkamp es, das Angebot zu erweitern und die Nutzerzahlen zu steigern, auch im vergangenen Jahr. Da zählte die Einrichtung gut 3000 Besucher und 10 500 Entleihungen, ein Jahr zuvor waren es 2800 beziehungsweise rund 8000. Für die vor allem bei jungen Lesern positive Entwicklung sind Hogenkamp und die Gemeindebücherei kürzlich gleich zweimal ausgezeichnet worden: mit dem Hessischen Leseförderpreis des Ministeriums für Kunst und Wissenschaft sowie dem Förderpreis des Hessischen Bibliothekspreises der Sparkassen-Kulturstiftung.

Das Erfolgsrezept? „Besonders Kinder und Jugendliche müssen sich in einer Bibliothek wohlfühlen, bleiben und wiederkommen wollen“, sagt Hogenkamp. Das klinge einfach, sei aber die Grundlage. Deshalb geht sie auf jeden ein, versucht, ihre Nutzer kennenzulernen, und hat „in die Aufenthaltsqualität investiert.“ Gleichzeitig versucht Hogenkamp, „Erlebnisse zu schaffen“ und auf unterschiedlichen Wegen fürs Lesen zu begeistern: Sie stellt zum Beispiel Märchen durch das Papiertheater Kamishibai vor, lädt ein zum Bilderbuchkino, macht speziell auf Kita-Kinder oder Leseanfänger zugeschnittene Bücherei-Führungen. Fördert regelmäßige Klassenausleihen, hat eine Ausstellung zum Thema „Verbotene Bücher“ organisiert und mit geflüchteten Kindern und deren Eltern gelesen.

Hogenkamp hat „eigentlich schon immer gelesen und Büchereien genutzt“, sagt sie. Als die Schöneckerin beruflich stark eingespannt war – sie hat bei einer Krankenkasse nach einem dualen Studium unter anderem im Marketing gearbeitet –, blieb wenig Zeit für ihre Leseleidenschaft. Das änderte sich, als sie Mutter wurde. Mit ihrem Nachwuchs hat sie unzählige Kinderbücher gelesen und so das Lesen „ein Stück weit wiederentdeckt“. Als ihre Vorgängerin in der Bücherei ihr erzählte, dass eine Nachfolgerin gesucht wird, bewarb sich Hogenkamp, mit Erfolg.

„Lesen ist der Grundstein für alles – etwa für das Sprachgefühl und die Fantasie.“ Und was bei Kindern „eingepflanzt“ werde, bleibe, auch wenn es mal in Vergessenheit gerate. Sie lege Wert darauf, zu zeigen, „wie sinnlich und spannend Lesen ist, wie tief man dabei in andere Welten eintauchen kann.“ Über den Lese-nachwuchs macht sie sich trotz des Digital-Zeitalters keine Sorgen: „Wenn man Kindern mal das Lesen nahegebracht hat, verschlingen sie Bücher nach wie vor.“

Die Jurys honorierten nicht zuletzt die Tatsache, dass Hogenkamp mit bescheidenen Mitteln einiges erreicht. Sie möchte die Bibliothek weiterentwickeln und mit dem Preisgeld unter anderem eine neue Leseecke einrichten, vor allem aber will sie weiter den „persönlichen Austausch im Treffpunkt Bibliothek“ pflegen.

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