1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Kinzig-Kreis

Lehrer bewirbt sich trotz Porno-Vorstrafe

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Justitia
Justitia © ddp

Trotz Vorstrafe wegen eines Sexualdelikts bewirbt sich ein Pädagoge beim Schulamt Hanau. Doch das wirft einen Blick in sein Führungszeugnis.

Von Andreas Zitzmann

Wenn am Montag nach den Sommerferien in den Schulen der Unterricht wieder beginnt, wird auch in jeder Klasse eine Lehrerin oder ein Lehrer stehen. Dessen ist sich das Staatliche Schulamt in Hanau sicher, das am Freitag in seiner alljährlichen Pressekonferenz vor Schuljahresbeginn den Stand der Dinge zu Schülerzahlen und Lehrerversorgung veröffentlichte. „Wir können einen geregelten Unterrichtsbeginn gewährleisten“, sagte Schulamtsdirektor Eberhardt Luft.

Nur in einem Fall konnte sich der Chef der Schulbehörde nicht so sicher sein. Erst am Donnerstag hatte das Schulamt erfahren, dass ein Lehrer, der sich um eine Stelle beworben hatte, dafür nach Gesetzeslage nicht geeignet ist: An diesem Tag – nach mehr als drei Wochen Wartezeit – erhielt die Behörde das erforderliche „erweiterte Führungszeugnis“ für den Bewerber. Und das wies eine rechtskräftige Verurteilung des Mannes aus – wegen Besitzes pornografischer Schriften (wozu beispielsweise auch Filme zählen). Diese Vorstrafe verbietet automatisch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Nur die Höhe der Strafe zählt

Bislang mussten zukünftige Pädagogen ihrer Bewerbung nur ein einfaches polizeiliches Führungszeugnis beilegen. Das listete Verurteilungen mit einer Geldstrafe von mehr als 90 Tagessätzen beziehungsweise einer Freiheitsstrafe von mehr als drei Monaten auf – unabhängig vom Delikt. Im „erweiterten“ Zeugnis hingegen müssen alle Urteile zu Sexualdelikten angegeben werden, auch gering bestrafte.

Seit Mai vergangenen Jahres gilt dieses Gesetz, dass auch die Personengruppen nennt, für die es gedacht ist: Neben beispielsweise Erzieher in Kindergärten oder Schulbusfahrer gehören Lehrer an Privatschulen dazu. In den vergangenen Monaten gingen jedoch mehrere Bundesländer – Anfang Mai auch Hessen – dazu über, das erweiterte Zeugnis auch für Lehrkräfte im öffentlichen Dienst zu verlangen.

Das war kurzfristig, daher konnte es nun dazu kommen, dass das Hanauer Schulamt erst wenige Tage vor Schuljahresbeginn von der Vorstrafe des Bewerbers erfuhr. Für Luft war dieser Fall auch nur ein Beispiel dafür, dass selbst die beste Planung mitunter an unerwarteten Ereignissen scheitern kann. Theoretisch könnte der Fall sich sogar wiederholen: Für einige Bewerbungen liegen die Führungszeugnisse, die das Bonner Bundesamt für Justiz ausstellt, noch nicht vor.

Immer weniger Grundschüler

Insgesamt beginnen am Montag 180 neue Lehrerinnen und Lehrer in Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis ihre Arbeit. Insgesamt sind dann 3239 Stellen (35 mehr als ein Jahr zuvor) mit rund 3600 Pädagogen, darunter auch Teilzeitkräfte, besetzt. Die meisten von ihnen unterrichten naturgemäß an Grundschulen – aber es werden weniger. Seit Jahren geht die Zahl der Grundschüler zurück, in diesem Jahr um rund 300 auf etwa 14800. Vor diesem Hintergrund sieht das Schulamt durchaus Gründe dafür, Studierende vor der Ausbildung zum Grundschullehrer ein wenig zu warnen. Der zukünftige Bedarf liegt an anderer Stelle.

Insbesondere an Gymnasien steigt die Zahl der Schüler konstant. Dort fehlt es zunehmend an Lehrern für naturwissenschaftliche Fächer, aber auch für Kunst und Musik. Auch an den beruflichen Schulen steigt der Lehrerbedarf parallel zu immer mehr Schülern. Ähnlich sieht es an Förderschulen aus: „Für einige Fächer haben wir nicht eine einzige Bewerbung“, sagte Luft.

Auch interessant

Kommentare