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Lebensretterin Melisa Jamakovic
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Lebensretterin Melisa Jamakovic

Schülerin aus Maintal

Ein Leben gerettet

Was die 17-jährige Melisa Jamakovic aus Maintal getan hat, erscheint ihr selbstverständlich: Sie hat einen Rentner aus Wiesbaden wieder ins Leben zurückgeholt.

Von Jan Kreidt

Es gibt Situationen, vor denen sich die meisten Menschen fürchten. Etwa helfen zu müssen, aber es nicht zu können. Weil man nicht weiß wie oder vor Angst wie gelähmt ist. Melisa Jamakovic hat keine Sekunde gezögert, als sie die Hilfeschreie hörte. Wenige Meter entfernt kämpfte ein 79-jähriger Mann aus Wiesbaden um sein Leben. Der Rentner war auf der Autobahnraststätte Bruchsal plötzlich kollabiert, seine Frau wusste sich nicht mehr zu helfen.

"Der Mann hatte keinen Puls mehr“, erinnert sich Jamakovic. Glück im Unglück: Die 17-jährige Schülerin aus Maintal ist begeistertes Mitglied beim Jugendrotkreuz. Dort hat sie gelernt, wie man den Blutdruck misst und was eine stabile Seitenlage ist. Und vor allem: wirklich zu helfen, wenn Menschen in Not sind. Mit einer Herz-Lungen-Massage hielt sie den Mann so lange am Leben, bis ein Krankenwagen am Unglücksort eintraf. „Es kam mir alles unendlich lang vor“, berichtet Jamakovic über den dramatischen Moment Anfang Juli. „Ich hatte überhaupt kein Zeitgefühl mehr.“ Es müssen wohl rund zehn Minuten gewesen sein, bis die Sanitäter auf der Raststätte eintrafen. Der Notarzt erkannte sofort, dass die Schülerin genau das Richtige machte, und löste sie ab.

Bei einer Herz-Lungen-Wiederbelebung erhält das Unfallopfer abwechselnd Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzdruckmassage. Diese Sofortmaßnahme hat wohl jeder beim Erwerben des Führerscheins gelernt und dann schnell wieder vergessen. „Vor allem das starke Drücken auf das Herz hat erst Überwindung gekostet. Dabei kann auch eine Rippe brechen“, erklärt Jamakovic.

Wenn es auf Leben und Tod geht, sind das aber Kleinigkeiten. Viel wichtiger ist, dass das Herz wieder anfängt zu schlagen. Und das tat es bei dem Wiesbadener. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht und hat überlebt.

Eigentlich ist jeder verpflichtet, in solchen Situationen zu helfen. Auch wenn der Erste-Hilfe-Kurs schon viele Jahre zurückliegt und man sich nicht sicher ist, das Richtige zu tun. Jamakovic hat beim Jugendrotkreuz gelernt: Besser ist es, zum Beispiel eine gebrochene Rippe zu riskieren, als gar nicht zu helfen.

Obwohl die junge Maintalerin Wiederbelebung schon einige Male an einer Puppe geübt hat, kam der Ernstfall für sie überraschend. Denn eigentlich war sie mit ihren Mitschülern auf einer Klassenfahrt unterwegs nach Straßburg. „Andere hätten es auch gekonnt“, ist sie sich sicher. Trotzdem war sie die Einzige, die den Mut hatte einzugreifen. Natürlich auch, weil sie bereits mit zehn Jahren dem Jugendrotkreuz beigetreten ist. Über Bekannte ihrer Eltern ist sie zu den Helfern gekommen und inzwischen zum Deutschen Roten Kreuz (DRK) gewechselt. Hier engagiert sie sich ehrenamtlich in der Bereitschaft und hat eine Ausbildung zur Sanitäterin gemacht. Ist sie volljährig, darf sie als Helferin im Rettungswagen mitfahren, den Notärzten zur Hand gehen.

„Ich liebe die Arbeit beim DRK“, berichtet Jamakovic. „Es liegt mir einfach, anderen zu helfen.“ Ihr großes Ziel ist es, später Medizin zu studieren. Doch erst einmal steht das Abitur auf dem Programm. 2012 ist es für die Karl-Rehbein-Schülerin so weit. „Deshalb gehe ich auch so gerne zum DRK. Es ist alles sehr locker, und alle haben Verständnis dafür, dass die Schule vorgeht.“

Dass ihr Einsatz solche Aufregung verursacht hat, wundert Jamakovic heute noch. Zeitungen haben berichtet, und so wurde das Fernsehen auf sie aufmerksam. Wochen nach ihrer Rettungstat war sie in Frank Elstners Sendung „Menschen der Woche“ zu Gast. Außerdem ist ihr die „Hessische Rettungsmedaille“ für ihren Einsatz verliehen worden: „Das hat mich alles sehr gefreut, aber eigentlich war es doch selbstverständlich zu helfen.“

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