Foto: Renate Hoyer
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Foto: Renate Hoyer

Hanau

Kunst mit eigener Marke

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Unter dem Label „Made in Wilhelmsbad“ wird das Comoedienhaus belebt.

Unter dem Label „Made in Wilhelmsbad“ sollen neue Künstler und damit neues Publikum dem historischen Comoedienhaus im Staatspark Wilhelmsbad zugeführt werden. Eine Einschränkung bei den Formaten wird es laut Nicole Rautenberg, Chefin der Betriebsführungsgesellschaft Hanau, nicht geben. Bis November sind sieben Termine unter dem Label gesetzt, an denen Comedy, klassische Musik bis hin zu Komödie mit dem Ensemble des Frankfurter Stalburg-Theaters geboten werden. Das Hanauer Kulturamt hat hingegen sein Programm weitgehend aus dem Gebäude von 1781 in die Innenstadt verlagert.

Seit 2015 läuft das in den 1960er Jahren komplett sanierte Theater unter den Fittichen der städtischen Betriebsführungsgesellschaft Hanau. Seitdem wird verstärkt an der Auslastung gearbeitet, etwa mit Tagungen. Mit langsam wachsenden Erfolg, sagt Rautenberg. Rund 100 Veranstaltungen im Jahr gebe es mit der Übernahme. Vorherige Zahlen lägen nicht vor.

Zur progressiven Vermarktung in der Sparte Kultur ist nun die Marke „Made in Wilhelmsbad“ geschaffen worden. Ein Budget gibt es nicht. Es werden unter dem Label auch keine Produktionen auf die Beine gestellt und von der Gesellschaft finanziert. Es geht allein um Vermarktungshilfen, etwa die Aufnahme in das Programmheft. Aber auch dabei heißt es mangels Geld laut Rautenberg: „Jeder bringt seine Eigenleistung ein, die er erbringen kann.“ Auf diese Weise sollen regionale oder junge Künstler gefördert werden.

Kleinkunst im Comoedienhaus steht im Programm der Volksbühne, einem der Hauptnutzer des Hauses, schon lange nicht mehr, sagt Vizevorsitzende Heidi Bär. Die Gastspiele der Tourneetheater seien aber immer „sehr gut besucht“, sagt sie. Bei Kleinkunst muss die Bilanz nicht ebenso ausfallen, stellt Bernd Michel fest, Leiter des städtischen Veranstaltungsbüros. „Es ist schwierig, ein Haus mit mehr als 200 Plätzen mit einem Künstler zu füllen, den die Hanauer erst einmal kennenlernen müssen“, so Michel.

Kleinkunst in die Innenstadt bringen

Vor Jahren sei zudem das Konzept beschlossen worden, „Kleinkunst in die Innenstadt zu bringen, wo sich das Publikum befindet“. Das Café Amadeo und das Bistro Central haben sich hierzu als passende Spielorte erwiesen – wegen der Größe mit 80 bis 100 Plätzen und der unterschiedlichen Altersstruktur der Besucher. „Mit den guten Künstlern, die dort auftreten, bekomme ich im Comoedienhaus nicht mehr Zuschauer. Da müssten schon sehr bekannte Leute verpflichtet werden.“ Und wenn dies so ist, hat Michel als dritte Location seit vier Jahren das private Tivoli-Theater mit 180 Plätzen in petto.

„Das Comoedienhaus soll nicht wegfallen, es schmückt die Reihe“, sagt Michel. Mit zwei, drei Veranstaltungen will er dem Haus die Stange halten. „Mehr geht nicht, ohne dass die Seele der Kulturreihe verloren geht.“

Aber es gibt auch betriebswirtschaftliche Gründe, die die Kleinkunst im sogenannten Scheunentheater zu einem Vabanquespiel machen können. Bei den privaten Spielstätten entstehen in der Regel Nebenkosten für Technik und Techniker, so Michel. Im Comoedienhaus kämen – auch für die Stadt – noch Grundmiete und der Bühnenmeister hinzu, der dort gesetzlich vorgeschrieben sei.

Um das Verlustrisiko gering zu halten, seien jedoch ein sehr guter Ticketverkauf und eine Anhebung der Kartenpreise nötig, sagt Bernd Michel.

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