Roland K. schoss aus seinem Auto mehrfach auf Bilal M., der in Wächtersbach lebte.
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Roland K. schoss aus seinem Auto mehrfach auf Bilal M., der in Wächtersbach lebte.

Wächtersbach

Kundgebung gegen rechten Terror in Wächtersbach

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Vor einem Jahr schoss Roland K. in Wächtersbach auf den Eritreer Bilal M. Mit einer Kundgebung soll jetzt auf den rassistischen Anschlag aufmerksam gemacht werden.

Ein Jahr nach den rassistisch motivierten Schüssen auf einen Geflüchteten in Wächtersbach ruft das Bündnis gegen rechten Terror Hessen für diesen Mittwoch zu einer Kundgebung auf. „Wir wollen unsere noch anhaltende Trauer und unser aufrichtiges Mitgefühl ausdrücken und auf den rassistischen Mordversuch aufmerksam machen“, schreibt das Bündnis. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz.

Bilal, Familienvater aus Eritrea, war am 22. Juli 2019 unterwegs von seinem Ausbildungszentrum nach Hause, als Roland K. aus seinem Auto auf den 26-Jährigen schoss und ihn lebensgefährlich verletzte – nur wegen dessen Hautfarbe. Bilal musste notoperiert werden. Kurz zuvor hatte K., der als Mitglied eines Schützenvereins über eine Waffenbesitzkarte verfügte, die Tat in einer Kneipe in seinem Wohnort Biebergemünd angekündigt. Nach dem Anschlag erschoss der 55-Jährige sich selbst. Seine rechtsextremen Ansichten waren zumindest in seinem Umfeld bekannt.

Ermittlungen laufen noch

Wegen des für ihn traumatischen Anschlags musste Bilal umziehen. In Wächtersbach, berichtete er später, habe er gute Erfahrungen gemacht, Freunde gefunden, sei aber auch schon mal rassistisch angefeindet worden.

Die Ermittlungen zu der Attacke seien „noch nicht abgeschlossen“, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Montag auf FR-Anfrage mit. Fragen etwa zu Warnsignalen im Vorfeld und zu möglichen Versäumnissen blieben daher unbeantwortet. Ein Sprecher konnte nur die Auskunft geben, dass K. keine Vorstrafen gehabt habe.

Das Bündnis gegen rechten Terror hatte sich nach dem Attentat gegründet und eine Demo organisiert, um Solidarität mit Bilal und anderen Betroffenen zu demonstrieren. Es wurde vom Antifaschistischen Kollektiv 069 initiiert und etwa von NSU Watch Hessen und Gewerkschaftsgruppen unterstützt.

Die Stadt plant ein eigenes, „bewusst“ nicht-öffentliches Gedenken, mit Vertretern der Kirchen, Parteien und Landrat Thorsten Stolz (SPD), sagt Bürgermeister Andreas Weiher (SPD). Die Tat sei weiter präsent, er fühle mit dem Opfer. Es sei ein besonders schlimmes Ereignis gewesen, mit dem auch die Stadt zu kämpfen gehabt habe. Weiher betont: In Wächtersbach gebe es zwar, wie andernorts, „einige Spinner“, aber keine größeren Schwierigkeiten mit Rassismus oder einer organisierten Szene. Besondere Maßnahmen seien nicht notwendig und würden Rechten eher Auftrieb geben.

Das sehen die Wächtersbacher Grünen und Linken anders. Sie verweisen unter anderem auf Reichsbürger aus Wächtersbach sowie andere, die ihren Rechtsextremismus offen äußerten, und kritisieren, die Missstände würden kleingeredet. Es sei auch falsch gewesen, dass das Parlament die von Linken und Grünen beantragte Arbeitsgruppe zur Prävention von Gewalt und Rassismus ablehnte.

Der Main-Kinzig-Kreis hat ein gravierendes Rechtsextremismus-Problem: Im Februar ermordete Tobias R. während eines rassistischen Anschlags neun Hanauer. Dann tötete er offenbar seine Mutter und sich selbst. Führungsfiguren von Neonazi-Gruppen wie „Aryans“ sind hier ebenso aktiv wie Reichsbürger: 2019 wurde ein Wächtersbacher verurteilt, der Nazi-Devotionalien, Waffen, Sprengstoff und 10 000 Schuss Munition hortete.

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