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Kultur-Kino geht im Streit unter

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Stilvolles Ambiente kennzeichnet den Saal.
Stilvolles Ambiente kennzeichnet den Saal. © Renate Hoyer

Der Konflikt um die Nutzung der ehemaligen Schlüchterner Synagoge eskaliert. Der Hausbesitzer wünscht angeblich keinen Kontakt mehr mit den Kinobetreibern, Schlösser wurden ausgetauscht, Diebstahlanzeigen gestellt. Und die Kultur bleibt auf der Strecke.

Von Jörg Andersson

Einem Vorzeigekino in Hessen droht das Aus. Um das in einer ehemaligen Synagoge untergebrachte Kultur-Kino (Kuki) in Schlüchtern ist ein komplizierter Rechtsstreit entbrannt. Der zwischenzeitlich aus dem 112 Jahre alten Sakralbau ausgesperrte Kuki-Verein drängt zurück in den Saal, den Regisseur Volker Schlöndorff wiederholt als eines der schönsten Kinos im Land geadelt hat. Andernfalls fordern die Cineasten Schadenersatz von bis zu 255.000 Euro.

Die Stadt verweist auf die Kündigung des Untermietvertrages durch den Immobilienbesitzer. Dieser sei nicht mehr gewillt, die Kulturstätte in der Grabenstraße zu verkaufen und wünsche keinerlei Kontakt mehr mit den Kinobetreibern.

Ursprünglich sollte das vor 16 Jahren gestartete und wiederholt preisgekrönte Programmkino sogar noch eine zweite Kino-Lounge im Erdgeschoss der ehemaligen Synagoge erhalten. Dafür hatte der Verein bereits 120.000 Euro Fördermittel in Aussicht gestellt bekommen. Doch dann entzweiten sich Programmgestalter und Stadt über den Brandschutz in dem denkmalgeschützten Ensemble. Rechnungen über Brandsicherheitsdienste der Feuerwehr wurden hin und hergeschoben, Genehmigungen für das Kuki, das seit einem Jahr verstärkt im „Exil“ in Fabriken oder Banken über die Leinwand flimmert, gestalteten sich schwierig. „Weil die Bauaufsicht hellhörig geworden ist“, sagt Bürgermeister Falko Fritzsch (SPD), der angeblich wie der Verein die Spielstätte dauerhaft sichern will.

Weitere Probleme traten auf, als der Eigentümer des jahrelang auch als Fabrik und Bücherei genutzt Hauses den bis Ende 2014 fixierten Nutzungsvertrag mit der Stadt und den Cineasten als Untermieter zum 30. Juni kündigte. Unmittelbar vor den Sommerferien fand sich schließlich keine Stadtverordnetenmehrheit für ein Kaufangebot. Für Kuki-Anwalt Harald Nickel nicht von ungefähr. Vor der Abstimmung habe die Stadt auf unkalkulierbare Kostenrisiken wegen der Statik hingewiesen, deren Untersuchung vorab 50.000 Euro erfordere.

Anfang Juli eskalierte der Streit dann. Der Verein fühlte sich aus den Räumen ausgesperrt, weil die Schlösser ausgetauscht wurden. Der Magistrat stellte Strafanzeige wegen Diebstahls, weil die roten Samtsesselreihen entfernt wurden.

Noch vorige Woche deuteten die Parteien eine mögliche Einigung über die Spielstätte an. Nun ist dieser Versuch gescheitert. Rathauschef Fritzsch will sich zu dem „schwebenden Verfahren“ nicht mehr äußern. Derweil wirft der Kuki-Anwalt der Stadt vor, die Tatsachen zu verdrehen und die ins Auge gefasste Einigung abzulehnen. Der bis Ende 2014 fixierte Mietvertrag verpflichte die Stadt zum Schadenersatz, falls das Kino nicht erhalten werden könne, sagt Nickel.

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